Kyburg-Buchegg
«Ein Meilenstein»: Cutohof darf bauen – nun hofft man noch auf Spenden

Ein Jahrzehnt dauerte es, bis die Baubewilligung für den neuen Reit- und Therapiehof Cutohof in Kyburg-Buchegg vorlag. Nun hofft man auf Spenden für den Neubau.

Urs Byland
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Visualisierung neuer Cutohof
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Die neue rollstuhlgängige Anlage besteht aus drei Elementen.
Dazu gehört auch eine gedeckte Reit- und Therapieanlage.

Visualisierung neuer Cutohof

zvg

Ein Jahrzehnt ist es her, dass Jeanne Bessire ein erstes Mal mit dem Projekt, den Reit- und Therapiehof Cutohof zu verlegen, an die Öffentlichkeit ging. «Ich erinnere mich noch, dass ich damals schwanger war mit der älteren Tochter. Heute ist meine Tochter zehn Jahre alt.» Am alten Standort platzte alles aus den Nähten. Damals wusste sie nicht, was alles auf sie zukommen sollte. Und hätte sie es gewusst, hätte sie vielleicht das Projekt abgeblasen? «Wir haben das Projekt in diesen zehn Jahren insgesamt vier Mal überarbeitet», erklärt ihr Mann Yves Niederhäuser.

Wer die Entwicklung rund um den Reit- und Therapiehof Cutohof in Kyburg-Buchegg mitverfolgt hat, muss fast an ein Wunder glauben, dass nun eine Baubewilligung für den neuen Cutohof, der in Luftlinie gut 650 Meter entfernt vom alten gebaut werden soll, vorliegt. «Ein Meilenstein», so Kurt Altermatt, Co-Präsident des Patronatskomitees.

Denn der Widerstand aus der Nachbarschaft am neuen Standort war gross. Befürchtet wurden (Landwirtschafts-)Gerüche vom neuen Reit- und Therapiehof. Die Gegner des Vorhabens spielten aber auch auf Zeit. Erfolgreich, denn mit dem neuen Raumplanungsgesetz (2014) wurden Einzonungen von Landwirtschaftsland stark erschwert. Der damals aufgelegte Gestaltungsplan muss zurückgenommen werden.

    

   

Thomas Ulrich

Die Umzonung zog eine Auszonung nach sich

2017 erfolgte ein neuer Anlauf mit einem umfassenden Konzept für den Neubau. Dazu gehörten zwei Besonderheiten. Für das Landwirtschaftsland neben dem von Bessire und Niederhäuser gekauften Hof, das im Buchegger Dorfteil Küttigkofen eingezont werden sollte, musste andernorts ein Stück Land ausgezont werden.

Dank ihrem inzwischen aufgebauten Netzwerk fanden sie in Mühledorf eine entsprechende Parzelle Gewerbeland, die die damalige Cutohof GmbH, heute ist es eine AG, kaufen konnte, und in einer Teilzonenplanänderung in Landwirtschaftsland auszonte. «Das brauchte viel Mut, denn der Ausgang der Geschichte war völlig offen», so Bessire. Auch das benachbarte «Blumenhaus», einer der Kunden des Reit- und Therapiehofes, half mit einem Verzicht von nicht mehr benötigtem Land in der Zone für öffentliche Bauten.

Die zweite Besonderheit betrifft den Umstand, dass das einzuzonende Landwirtschaftsland zu den Fruchtfolgeflächen gezählt wird. Nun fand sich, wiederum dank dem in der Zwischenzeit aufgebauten Netzwerk von Menschen, die das Vorhaben unterstützen, in der Nähe eine Landwirtschaftsfläche, die mit der Ablagerung der Erde, die am neuen Standort abgetragen wird, aufgewertet werden soll. Damit hat man dem Gesetz Genüge getan. «Wir haben Glück gehabt, dass wir kompetente Leute gefunden haben, die uns helfen konnten», so Niederhäuser.

Das Patronatskomitee mit bekannten Namen

Als 2017 ein neuer Anlauf genommen wurde, hat das ursprüngliche Projekt bereits ganz andere Formen angenommen. Mit der Anerkennung durch die Institutionen wuchs auch die Einsicht, dass ein öffentliches Interesse an diesem Projekt besteht. «Das konnten wir am besten zeigen, indem wir ein Patronatskomitee gründeten und dort Leute mit ihrem Namen und ihrem Gesicht für die Sache einstehen», erklärt Yves Niederhäuser. 4,5 Mio. Franken betragen die Kosten für die Anlage. 2,5 Mio. Franken will man mit Spenden und mit Hilfe des Patronatskomitees generieren. Noch sei man weit davon entfernt. «Das hat auch mit der Coronakrise zu tun. Anfragen werden nur zögerlich behandelt», erklärt Bessire.

Nun erfolge der eigentliche Start der Spendenaktion. Co-Präsident neben Kurt Altermatt ist Ständerat Roberto Zanetti. «Unsere Unterstützung ist darin begründet, dass es sich für unsere Klienten um ein wertvolles Angebot handelt, das weitherum seinesgleichen sucht», erklärt Altermatt. «Für Leute, die ein Bewegungsbedürfnis haben, ist dieses Angebot eine grosse Sache. Sie kommen raus aus ihren Institutionen», wirbt Bessire. Was Rollstuhlsportler Heinz Frei, Mitglied des Patronatskomitees, unterstreicht: «Als ich vor 42 Jahren verunfallte, spürte ich viel Solidarität und Unterstützung aus meinem Umfeld. Allein wäre ich am Hag gestanden. Das hat mir geholfen aus meiner damals engen Welt herauszukommen. Für die Klienten hier ist die Welt normalerweise auch klein. Deshalb ist eine solche Institution wichtig. Sie sorgt dafür, dass die Welt etwas grösser wird. Und der Kontakt zu einem Tier ist etwas Herrliches.»

Spendeninfo: www.cutohof.ch

Vorne von links: Kurt Altermatt, Heinz Frei, Yves Niederhäuser und Jeanne Bessire. Im Hintergrund Florian Lohm (Auszubildender Praktiker PrA Pferdepflege) und Iris Zimmermann (in einem Vorbereitungsjahr).

Vorne von links: Kurt Altermatt, Heinz Frei, Yves Niederhäuser und Jeanne Bessire. Im Hintergrund Florian Lohm (Auszubildender Praktiker PrA Pferdepflege) und Iris Zimmermann (in einem Vorbereitungsjahr).

Urs Byland

Einsprachen blockierten das Projekt lange

Zusammen mit Bucheggs Gemeindebehörden wurde 2017 eine Mitwirkung zum Gestaltungsplan organisiert. Viele Kritikpunkte wurden aufgenommen, dennoch gab es zur Auflage Einsprachen, die von der Baukommission abgewiesen wurden. Der Regierungsrat hat weitergezogenen Beschwerden ebenfalls abgewiesen. Nachdem die Einsprecher nicht weiterzogen, war der Weg frei für ein Baugesuch.

«Es war ein langer Kampf», resümiert Jeanne Bessire. Und sie, ihr Mann und das Projekt sind daran gewachsen. «Wir haben sicher viel Risiko genommen und viel Zeit gegeben. Ich ging etwas naiv in diesen Kampf hinein. Aber ich habe extrem viel gelernt und eine grosse Unterstützung auch vom Patronatskomitee erfahren. Mit all den Änderungen ist es auch ein unglaublich gutes Projekt geworden.» Aus dem privaten Traum, den sie schon als Sechzehnjährige zu verwirklichen begann, indem sie erste Kurse durchführte, ist spätestens mit der Gründung einer AG 2018 eine langfristig gesicherte soziale Institution geworden.

Der neue Cutohof

«Ich bin heute froh, haben wir nicht das erste Projekt umsetzen müssen. Was Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit betrifft, wäre es viel schwieriger zu betreiben gewesen», erklärt Yves Niederhäuser. Die neue rollstuhlgängige Anlage besteht aus drei Elementen. Dazu gehören eine gedeckte Reit- und Therapieanlage, die auch bei Regen benutzt werden kann, was heute am alten Standort nicht der Fall ist. Dann eine Stallanlage für acht Therapiepferde und sechs Pensionspferde, die in den Hang gebaut wird, und das Betriebsgebäude, in dem stattfinden soll, was heute im alten Bauernhof auf engem Raum stattfindet. Platz finden im Betriebsgebäude Küche, Aufenthaltsraum, Ruheraum, Essraum und Übernachtungsmöglichkeiten etc. Damit kann unter anderem eine Tagesstruktur für die Menschen mit einer Beeinträchtigung aus dem nahen Blumenhaus, der Grenchner Rodania oder dem Discherheim, in dem Altermatt Stiftungsratspräsident ist, angeboten werden. Blumenhaus und Rodania bilden im Übrigen seit der Gründung der Aktiengesellschaft gemeinsam mit Jeanne Bessire das Aktionariat derCutohof AG. Im Frühling 2021 soll der Bau gestartet werden. 2022 will man bereits Einweihung feiern. (uby)