Umwelt
«Ein Leuchtturm der Gemeinde»: Zuchwil hofft auf eine Rezertifizierung als Gold-Label Energiestadt

Der Gemeinderat unterstützt gegen die Stimmen der SVP die Rezertifizierung der Energiestadt.

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2004 enthüllte der damaligen Gemeindepräsident von Zuchwil, Gilbert Ambühl, die Energiestadt-Fahne. Für das Label musste die Gemeinde 50 Prozent der möglichen Massnahmen erfüllen. (29.5.2004)

2004 enthüllte der damaligen Gemeindepräsident von Zuchwil, Gilbert Ambühl, die Energiestadt-Fahne. Für das Label musste die Gemeinde 50 Prozent der möglichen Massnahmen erfüllen. (29.5.2004)

mt

Ein Energiestadt Gold-Label gilt nicht für die Ewigkeit. Es muss nach einiger Zeit wieder erworben werden. Zuchwil ist auf gutem Weg für eine Rezertifizierung. Von den möglichen Massnahmen hat die Gemeinde unter der Führung von Energiestadtkoordinator Peter Baumann, Leiter Bau und Planung, gut 78 Prozent umgesetzt. «Bei der Prüfung wird der Inspektor wahrscheinlich noch ein Prozent abschneiden», so Baumann. Aber auch das sollte reichen. Das Gold-Label erhält, wer 75 Prozent der möglichen Massnahmen umgesetzt hat.

Im Gemeinderat wird der Nutzen der Energiestadt-Bemühungen anerkannt. Die Ausnahme bilden die SVP-Gemeinderäte. «Wir beweisen schon lange Umweltschutz», erklärt Silvio Auderset. China und die USA könnten sich davon ein Scheibchen abschneiden. Der SVPler meint, die Energiestadt sei Wunschdenken. «Wir setzen auf individuelle Verantwortung und nicht auf staatliche Eingriffe.» Sein Statement gelte im Übrigen für alle vier Traktanden zum Energiestadt Gold-Label, womit sich die Teilnahme der SVP-Gemeinderäte in diesen Geschäften beinahe nur noch aufs Handheben bei den Abstimmungen beschränkte.

Neue Indikatoren

Mit den Vorlagen zum Energiestadt Gold Label wurde das Leitbild überarbeitet. «Das System bleibt gleich. Wir müssen uns in sechs Bereichen bewähren.» Aber die Indikatoren seien in den letzten Jahren angepasst worden. Zu den Bereichen zählen Entwicklungsplanung/Raumordnung, Gebäude und Anlage, Versorgung und Entsorgung, Mobilität, Interne Organisation sowie Kooperation/Kommunikation. Auch hier will Energiestadtkoordinator Peter Baumann à jour sein. «Zuchwil macht viel und darf das auch kommunizieren.» Markus Mottet (SVP) wollte dennoch wissen, warum für die Energiestadt ein eigenes Kommunikationskonzept erstellt werden soll, und weshalb dieses nicht in das Konzept der Gemeinde integriert wird. «Wir wollen schnell agieren können», erklärte Baumann.

Mit der Anmeldung zur Rezertifizierung bleibt Zuchwil die einzige Gemeinde im Kanton, die das Gold-Label anstrebt. Im Audit will Baumann die beiden Leuchtturm-Projekte Überbauung Riverside sowie Erneuerung Freibad mit Traglufthalle vorstellen. Im Gemeinderat wurden alle Vorlagen zum Energiestadt Gold-Label mit 8 Ja-Stimmen zu 2 Nein-Stimmen angenommen. (uby)

«Wir machen nicht genug für die Umwelt»

«Wer so spricht, verkennt die Tatsachen», antwortete SP-Gemeinderat Patrick Marti. «Wir machen nicht genug für die Umwelt und haben noch einen langen Weg vor uns.» Er sei stolz und glücklich über das, was in Zuchwil unter dem Energiestadt-Label bisher alles gemacht wurde und künftig noch gemacht werden soll.

«Klar machen wir viel, aber man kann nie genug machen», fand Peter Baumann. Zuchwil sei in Sachen Energiestadt Vorreiter im Kanton. «Viele schauen auf uns.» Und als Antwort an Auderset erklärte er: «Wenn eine Firma eine Zertifizierung macht, ist das gut und richtig. Aber wenn die Gemeinde das macht, darf es nichts kosten.» Mit den Massnahmen profitiere Zuchwil sehr. «Die Gemeinde hat dank dem Label eine Energiebuchhaltung. Wir sehen, wo wir stehen, und welche Einsparungen wir gemacht haben.»

Gemeindepräsident Stefan Hug hofft auf eine erfolgreiche Rezertifizierung. «Das Energiestadt Gold-Label ist für mich ein Leuchtturm der Gemeinde.» Er sei überzeugt, dass bei einem gewissen Teil der Bevölkerung das Label ein Standortvorteil bedeutet: «Ihnen ist es nicht egal, wie es um unsere Umwelt steht.»

Energiestadt

Bereits 2004 hatte Zuchwil Ja zum Energiestadt-Label gesagt. «Die Energiestrategie 2050 war damals noch unbekannt», so Energiestadtkoordinator Peter Baumann. 2016 wurde fast einstimmig Ja gesagt zum Energiestadt Gold-Label. «Mit denselben Ressourcen.» Heute sei Zuchwil ein Vorbild im Kanton und erhalte gar Subventionen vom Bund für bestimmte Projekte. «Für mich stellt sich nicht die Frage, warum wir dieses Label anstreben sollen, sondern nur noch, was wir machen.» (uby)