Gerlafingen
Ein ganz spezieller Sakralbau steht nun unter Schutz

Die Bruderklausenkirche Gerlafingen steht mit ihren Nebenbauten neu unter Schutz.

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Blick von Pfarrhaus auf die Bruderklausenkirche Gerlafingen
20 Bilder
Sicht über den Vorplatz auf die vom Kirchgemeindehaus und der Werktagskapelle flankierten Kirche
Der alles überragende Betonkirchturm
Eingangsportal
Bruderklausenkirche
Blick von der Empore ins Kirchenschiff
Blick ins Kirchenschiff
Blick ins Kirchenschiff vom Altar her.
Blick ins Kirchenschiff vom Altar her.
Das Kreuz über dem Altar
Die Kirchenbänke sind mit Gefälle angeordnet
Kirchenfenster beim Eingangsportal
Statue an der Wand der Werktagskapelle
Die Werktagskapelle
Der Tabernakel
In der Taufkapelle
Die Taufkapelle
Betonkonstruktion mit Lichtfuge
Das Kirchgemeindehaus
Das angebaute Pfarrhaus

Blick von Pfarrhaus auf die Bruderklausenkirche Gerlafingen

Hanspeter Bärtschi

Die katholische Bruderklausenkirche in Gerlafingen wurde in den Jahren 1955 und 1956 nach Plänen des bekannten Kirchenarchitekten Fritz Metzger aus Zürich erbaut. Die Kirche ist Teil eines Ensembles, zu dem auch der schlanke und frei stehende Sichtbetonturm, der sich nach oben verjüngt, das Pfarrsaalgebäude am tiefen trichterförmigen Vorplatz der Kirche und das rückwärtig stehende Pfarrhaus, das über die Sakristei mit der Kirche verbunden ist, gehören.

Westlich des Kircheneingangs steht die Werktagskapelle, die sich im Innern zur Kirche hin öffnen lässt und über einen separaten Eingang vom Vorplatz her betreten lässt.

Gerundeter Grundriss

An der Eingangsfassade der Kirche rahmen zwei wuchtige Mauerblöcke das mittige Fensterfeld, das durch schmale Betonlamellen vertikal strukturiert wird. Das weit vorspringende Dach betont mit einer geringen Erhöhung zur Mitte die Mittelsymmetrie. Der Kirchenraum selbst weist einen gerundeten Grundriss auf, der sich leicht zum abgesetzten Chor hin verjüngt. Die das Dach stützenden Betonpfeiler sind dünn dimensioniert, sie verjüngen sich zum Boden hin und stehen schief. Eine schmale Fuge unter der Decke sorgt für die Belichtung des Saals, der Chor erhält durch ein raumhohes seitliches Fenster zusätzliche Aufhellung.

Die Bruderklausenkirche ist aufgrund ihrer architektonischen Gestaltung mit gerundetem Grundriss – einer Mischung aus Trapez und Oval – und dem frei stehendem Turm eine der besonderen Sakralbauten im Kanton Solothurn aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Bauliche Merkmale sind die plastisch gerundeten Ecken des ganz in Sichtbeton ausgeführten Kirchenturmes, die mit Betonlamellen vertikal strukturierten Fensterbereiche, die in Sichtbeton belassenen, aussen vorstehenden Beichtstuhlnischen und das fein dimensionierte Flugdach. Bemerkenswert ist auch die künstlerische Ausstattung mit dem Hochaltar von Albert Schilling aus Arlesheim, dem Taufstein von Schang Hutter oder den Glasfenstern von Paul Stöckli aus Basel.

Die Bruderklausenkirche überzeugt – so steht es im Regierungsratbeschluss, mit dem die Unterschutzstellung genehmigt wird– durch ihren innovativen Entwurf, die ganzheitliche Gestaltung und den sehr guten Erhaltungszustand. Aus diesen Gründen komme der Kirche ein hoher Denkmalwert zu. Die Kirche und ihre Nebenbauten sollen deshalb unter Schutz gestellt, und in das Verzeichnis der geschützten historischen Kulturdenkmäler aufgenommen werden.

Architekt Fritz Metzger umschreibt den Kirchenraum in Gerlafingen als zwei zueinander sich öffnende Raumschalen mit einer gemeinsamen Überdachung, geschaffen, um die Einswerdung darzustellen. Metzger entwickelte in den Kirchenbauten St. Felix und Regula in Zürich und St. Franziskus in Riehen eine neuartige Konzeption, die er in Gerlafingen weiter entwickelte und verfeinerte.

Kirchturm muss saniert werden

Der Turm der katholischen Bruderklausenkirche in Gerlafingen hat eine Sanierung nötig. Vor 60 Jahren wurde die Kirche erbaut. Vor rund 30 Jahren wurden bereits einmal Reparaturen ausgeführt. Damals wurde das Bauwerk im unteren Bereich zum Witterungsschutz mit einer Lasur angestrichen. Nun sind umfassende Reparaturen nötig. An der Stahlbetonkonstruktion des 35 Meter hohen Turms traten Abplatzungen auf, nachdem Armierungseisen gerostet sind und sich ausdehnten.

Zudem sei der Turm auf der Ostseite dunkel verfärbt, weil er im Schatten von Tannen stand und feucht wurde. Die Kirchgemeindeversammlung hat dafür 75000 Franken gesprochen und die Sanierung wird noch dieses Jahr ausgeführt. Ebenfalls erneuert wird die WC-Anlage. (rm / rrb / crs)

Quelle: Michael Hanak, Baukultur im Kanton Solothurn 1940 bis 1980.

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