Kirche Mariä Himmelfahrt Selzach
«Ein fein abgestimmter Farbverlauf an den Wänden»: Die Sanierungsarbeiten des Innenraums können beginnen

Aus dem Sammelsurium früherer Umgestaltungen soll wieder ein harmonisches Gesamtwerk werden. Dieses Ziel verfolgt die Katholische Kirchgemeinde Selzach-Haag-Altreu mit der Renovation der Kirche Mariä Himmelfahrt.

Daniela Deck
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So sieht der Innenraum der katholischen Kirche Selzach heute aus. Nach dem Turm soll auch dieser renoviert werden.

So sieht der Innenraum der katholischen Kirche Selzach heute aus. Nach dem Turm soll auch dieser renoviert werden.

Fotomtina

Nach der Sanierung von Kirchturm und Läutwerk samt rollstuhlgängigem Eingangsbereich steht nun die Innenausstattung im Fokus des Interesses. An der Kirchgemeindeversammlung vom Dienstagabend im Foyer des Pfarreizentrums spielte die Rechnung trotz gutem Abschluss deshalb nur eine Nebenrolle.

Fast zwei Stunden Zeit nahmen sich Baukommission, Künstler und Architekt, um ihre Pläne für den Innenraum vorzustellen und die Fragen der 30 Anwesenden zu beantworten. «Die Kirche soll einer Mehrheit der Bevölkerung gefallen. Darum wollten wir so viele Meinungen als möglich hören», sagt Kirchgemeindepräsident Erwin von Burg in Nachgang der Versammlung. «Das Echo war sehr positiv, die Leute tragen unsere Arbeit und die Überlegungen, die wir uns gemacht haben, mit.»

Besucher in jeder Stimmung abholen

Der Baukredit für die ganze Sanierung beläuft sich auf 2,93 Mio. Franken und wurde im November vor drei Jahren von der Kirchgemeinde bewilligt. Die Kirche an der Dorfstrasse in Selzach, ein romanisches Bauwerk unter Denkmalschutz, erhielt im 19. Jahrhundert eine neugotische Ausstattung, die in den 70er- und 90er-Jahren teilweise ausgeräumt wurde. So wurden die Seitenaltäre und ein Teil des Hauptaltars entfernt.

Das Resultat erschien den Kirchenbesuchern wenig «amächelig». Hinzu kommt die Tatsache, dass die Haustechnik veraltet ist. Akustik und Heizungssteuerung müssen ersetzt werden. Auch das Nachdunkeln der Wände nach allzu langen und starken Einsätzen der Bodenheizung trug zum schmuddeligen Eindruck bei.

Der Innenraum soll harmonischer Wirken

In Zusammenarbeit mit dem Architekten Pius Flury, Solothurn, und dem Künstler Jörg Niederberger aus Kleinlützel soll nun wieder Harmonie Einzug halten im Innenraum. Zentral dabei: Der Chorraum soll eine Befreiung erfahren und quasi eine kleine Kapelle werden, die für liturgische Zwecke genutzt werden kann. Das verdeckte Marienfenster dahinter soll wieder zur Geltung kommen.

Ausserdem soll Farbe in der Kirche Einzug halten. Künstler Niederberger beschreibt das folgendermassen: «Ein fein abgestimmter Farbverlauf an den Wänden soll die Besucher von der Kraftquelle am Altar führen bis zur Tür und dann hinaus.» Als neue Elemente sollen zwei aufklappbare Flügelgemälde hinzu kommen. Niederberger erklärt: «Bei diesen Gemälden arbeite ich mit Stimmungen, nicht gegenständlich. Kirchenbesucher sollen sich von der Freude bis zum Schmerz in jeder Lebenslage abgeholt fühlen.»

Seit dieser Woche und bis zum August nächstes Jahr ist die Kirche für die Innensanierung geschlossen. Im Frühling, so stellt Kirchgemeindepräsident von Burg in Aussicht, wird die Öffentlichkeit eingeladen, sich von Farbgestaltung ein Bild zu machen und ihre Meinung dazu zu äussern. Dann können Probefelder an den Wänden besichtigt werden.

Gottesdienste bis auf weiteres im Pfarreizentrum

Während der Schliessung der Kirche finden die Gottesdienste hauptsächlich im Pfarreizentrum an der Dorfstrasse statt, das die Kirchgemeinde in Betriebsgemeinschaft mit der Einwohnergemeinde führt. Bei Terminkollisionen soll entweder in die reformierte Kirche Selzach oder dann nach Lommiswil oder Bellach ausgewichen werden. Der monatliche Gottesdienst in der Kapelle in Altreu soll wieder aufgenommen werden, sobald die Pandemielage das erlaubt.

Rechnung 2019 mit Ertragsüberschuss

Die Rechnung 2019 schloss bei einem Aufwand von 336'725 Franken mit einem Ertragsüberschuss von 86'000 Franken ab. Dieser wurde dem Eigenkapital gutgeschrieben. Dazu sagt von Burg: «Über Jahre haben wir unser Verwaltungsvermögen gut abgeschrieben. Darum ist jetzt diese Einlage ins Eigenkapital möglich.

Überdies nahm die Versammlung Kenntnis von Nachtragskrediten von gesamthaft knapp 12'000 Franken. Diese liegen alle in der Finanzkompetenz des Kirchgemeinderats. Erwin von Burg hofft, das Budget im Dezember präsentieren zu können. «Noch sind wir mitten im Budgetierungsprozess.» Aufgrund der abnehmenden Einnahmen muss dabei der Rotstift angesetzt werden.