Luterbach
Ein Dach für Kirchgemeinde und Tagesstrukturen: Vorprojekte sorgte für Diskussionen an der Versammlung

Die geplante Umsetzung der Tagesstrukturen in Luterbach warf an der Gemeindeversammlung hohe Wogen.

Marlene Sedlacek
Drucken
Teilen
Im Pfarreiheim der Katholiken sollen künftig auch die Tagesstrukturen von Luterbach untergebracht werden.

Im Pfarreiheim der Katholiken sollen künftig auch die Tagesstrukturen von Luterbach untergebracht werden.

Hanspeter Bärtschi

Für gewöhnlich ist an einer Budgetgemeindeversammlung die Besprechung des Budgets das Hauptthema. Nicht so in Luterbach. Knapp zwei Stunden lang diskutierten die 75 anwesenden Stimmbürger und -bürgerinnen über die Tagesstrukturen.

Im September hatte der Gemeinderat vom Volk den Auftrag gefasst, ein solches Angebot zu realisieren. Nun liegt ein Vorprojekt auf dem Tisch, das die Tagesstrukturen für schulpflichtige Kinder im Pfarreiheim integrieren will. Der Gemeinderat beantragte, die Vereinbarung mit der römisch-katholischen Kirchgemeinde und den Kredit für den Umbau von 700 000 Franken zu genehmigen.

Frische, gesunde Mahlzeiten haben oberste Priorität

Kritik an diesem Projekt kam aus vielen Ecken. Einigen war das Vorhaben zu teuer, jemand war grundsätzlich gegen Tagesstrukturen. Eine Votantin sah es als problematisch an, Schule und Kirche zu vereinen. Die Mietdauer von zehn Jahren betrachteten manche nur als provisorische Lösung.

Forderungen kamen auf, sich mehr Zeit zu nehmen, um eine Lösung mit weniger Kompromissen zu finden. Bemängelt wurden auch Grösse und Nutzungsdauer der Küche. Der Hauptknackpunkt schien denn auch die Verpflegung zu sein.

Heute existiert ein Mittagstisch in der Schule, wo die Mahlzeiten frisch zubereitet werden. Die Befürchtungen gingen um, dass zu wenig Zeit und Platz zur Verfügung stünden, um weiterhin frische altersgerechte Mahlzeiten anzubieten. Gemeindepräsident Michael Ochsenbein (CVP) bekräftigte mehrmals, dass ein gesundes, feines Essen oberste Priorität habe. Petra Gfeller aus der Versammlung stellte den Antrag, die Nutzungszeit für die Küche ab halb elf, wie in der Vereinbarung vorgesehen, auf halb neun abzuändern.

Kinder könnten das Pfarreileben bereichern

Philipp Zoller sieht das Vorhaben als Dolchstoss gegen das Pfarreileben. Zoller engagiert sich seit 35 Jahren unentgeltlich für die Kirchgemeinde. «Damit wird das Pfarreiheim zerstückelt und kaputtgemacht», klagte er.

Kirchgemeindepräsident Markus Jost betonte, dass man das Leben der Kirchgemeinde keineswegs abwürgen wolle. Er sieht mit diesem Angebot für Schüler in ihren Räumen eher eine Bereicherung. Schliesslich nahm die Versammlung mit 40 Ja-, 23 Nein-Stimmen und einigen Enthaltungen die Projektfinanzierung und die Vereinbarung mit der Kirchgemeinde an, ergänzt mit dem Antrag von Petra Gfeller für eine Verlängerung der Nutzungszeiten. Nun muss noch die Kirchgemeinde darüber abstimmen.

Steuersenkung

Nach mehreren Jahren mit satten Ertragsüberschüssen in der Erfolgsrechnung ist 2021 ein Defizit von 427'000 Franken zu erwarten. Dies gerechnet nach einer Steuersenkung um zwei Prozentpunkte auf 125 Prozent. Kurt Hediger (CVP), Ressortleiter Finanzen, berief sich auf das hohe Eigenkapital. «Wir können zwei bis drei schlechte Jahre verkraften», meinte er. Gerade in dieser unsicheren Zeit sei es angebracht, ein Zeichen zu setzen und den Bürgerinnen und Bürgern mit der Reduktion des Steuersatzes etwas weiterzugeben. Lorenz Schwaller aus der Versammlung beantragte gar eine Senkung um vier Prozent. Das Stimmvolk schloss sich jedoch mehrheitlich der Variante des Gemeinderats an, die Steuern moderat und sukzessive zu senken. Mit Nettoinvestitionen von über zwei Millionen Franken resultiert ein Finanzierungsfehlbetrag von 1,5 Mio. Franken, der mit den Reserven gedeckt werden kann. (msg)