Es ist Halbzeit in Burgäschi. Die insgesamt 20 Aufführungen von «Die Zirkusprinzessin», die noch bis zum 11. Juli dauern, haben ein Höchstmass an Perfektion erreicht. Mit glücklicher Hand verbindet die Inszenierung von Melanie Gehrig lockerleichtes Operettenfeeling mit bewundertem Orchesterklang, schönen Stimmen und aberwitzigen Einfällen.

Man muss sie einfach lieben: die glaubhaft und stimmschön auftretende, edel und passend gewandete Protagonistentruppe mit Stefanie Frei, Simon Jäger, Roger Bucher, Peter Bader, Susanne Mathys, Fabio De Giacomi, Melanie Gehrig und Hermann Gehrig. Dazu kapert eine herzerfrischende Bande von Clowns immer wieder die Manege – besonders dann, wenn die Handlung um die Hauptdarsteller in Gefühlsseligkeit oder -aufruhr abzugleiten droht.

Mimisch, gestisch und in Hochform artistisch drücken sie dem Stück, unterstützt durch den wandelbaren Andy Hubert, einen witzig-heiteren Stempel auf. Für das Publikum entsteht so eine genussvolle Balance zwischen Ernsthaftigkeit und vergnüglichem Schalk. Das Bild rundet eine ausdrucksvolle, singende Statisterie ab, die in die verschiedensten Rollen schlüpft.

Der Inhalt des Stücks ist schnell erzählt: Die reiche Witwe Fedora Palinska soll auf Geheiss des Zaren möglichst bald wieder einen Russen heiraten und damit ihr Vermögen in ihrer Heimat lassen. Ihren aufdringlichen Bewerber Prinz Sergius und dessen Adlatus Brusowsky empfindet sie als unangenehm und wendet ihre Sympathie bei einem Zirkusbesuch in Paris dem Sensationsreiter Mister X zu. Bei ihm handelt es sich um den enterbten Neffen ihres verstorbenen Mannes, der schon früher in ihre «Märchenaugen, wie die Sterne so schön» verliebt war.

Der eifersüchtige Sergius schmiedet eine Intrige, die zu schmerzlichen Irrungen und schliesslich doch zum «Happy End» führt. Entzückend unproblematisch verläuft die Liebe zwischen Zirkusreiterin Mabel, begleitet von ihrem dauerhaft hungrigen Pony, und Toni Schlumberger. Er möchte die vermutet englischsprachige Artistin (My Pony is over the Ocean) mit anglophilen Musiktiteln und zum Lachen reizender Poesie im Dialog-Pingpong beindrucken. Auch seine gestrenge Mutter Carla erwärmt sich als Hotelbesitzerin für Mabel, zumal sie – echt wienerisch – die Tochter eines verarmten Adeligen ist.

Im bezaubernden, viele Möglichkeiten der Ausstattung ausschöpfenden Kosmos unter der Zirkuskuppel, wo «Leise schwebt das Glück vorüber» und hymnisch «Die Donau so blau» erklingen, vergehen die drei Stunden mit Pause wie im Fluge. Als Zuschauender ist man in den Bann des Geschehens gezogen und befindet sich kurzfristig ausserhalb des eigenen Alltags.

Dazu trägt natürlich auch die Einbettung der für die Aufführungen eigens errichteten Zeltlandschaft in die weitgespannte, malerische Umgebung rund um Aeschi bei, die man beim Besuch vor und nach dem Spiel mit Freude wahrnimmt. Einen besonderen Beitrag zum stimmungsvollen Gelingen dieses Musiktheaters liefert der famos-satte Klang, produziert vom kunstvoll instrumental besetzten Orchester samt Kaffeehaus-Trio unter der Leitung von Reimar Walthert. Die Gemeinschaftsarbeit von Profis, Laien, und beherzten Freiwilligen strahlt in ihrer Kreativität weit aus über die gesamte Region.

Vorverkauf online: www.burgaeschi.ch, telefonisch: 032 532 00 32 (Mo–Fr von 9–12 Uhr)