Ganz vorne im Verkaufsraum der Moto Boutique Zimmermann in Messen stehen drei Motorräder der Marke Royal Enfield. «Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie stark sich die Motorradszene in den letzten Jahren verändert hat», sagt Geschäftsinhaber Markus Zimmermann. «Royal Enfield ist ursprünglich eine englische Marke, die Maschinen wurden in England produziert und unter anderem nach Indien exportiert. Jetzt sitzt die Firma in Indien und exportiert die Maschinen nach Europa.» Auch Zimmermann selber musste und muss sich immer wieder auf Veränderungen einstellen. Er nennt die Westumfahrung Solothurn, Verbote, das Internet und das Hobby des Töfffahrens an sich.

Was die Westumfahrung bewirkte

Der Verkauf und der Unterhalt von Motorrädern und Zubehör ist für den gelernten Automechaniker der eine Teil des Geschäfts. Spezialisiert hat sich der 54-Jährige auf Motorradbekleidung. Bevor er dafür 1992 in Solothurn ein eigenes Geschäft eröffnete, war er im Aussendienst unterwegs. «Als in Solothurn die Westumfahrung eröffnet worden war, merkte ich das sofort», berichtet er. «Wenn die Töfffahrer donnerstags zum Treffen nach Trimbach fuhren, nahmen sie nun die Autobahn und kamen nicht mehr an meinem Geschäft an der Baselstrasse vorbei.» Ein anderer Standort in Solothurn sei nicht infrage gekommen, da zu teuer.

2004 zogen er und seine Frau Pia hinaus nach Messen, wo sie eine Liegenschaft kaufen konnten, in dem sich früher ein Imkereigeschäft befunden hatte. «Der Bucheggberg war mir vertraut, wir wohnten bereits in Unterramsern. Und die anfänglichen Bedenken, dass man mein Geschäft nicht finden würde, haben sich schnell verflüchtigt. Für Töfffahrer ist der Weg hierher ein schöner Ausflug.»

Das Aus für Quads

Wie wichtig die Bekleidung beim Töfffahren ist, weiss Zimmermann aus seiner reichen Erfahrung als früherer Rennfahrer an Schweizer Meisterschaften in mehreren Kategorien und im Motocross. «Natürlich wird heute vieles irgendwo übers Internet eingekauft», sagt er, «darum habe ich mir neben gängiger Bekleidung eine Sparte gesucht, die mir Kundschaft aus der ganzen Schweiz bringt.» Er lässt in Italien Bekleidungen nach Mass anfertigen für einen Mehrpreis, der verkraftbar sei. Gerne gekauft würden Anzüge aus Känguruleder.

Aus dem Verkaufsprogramm streichen musste Zimmermann jene vierrädrigen Motorräder, die Quads, die hinten eine Starrachse haben, denn dieser Typ ist auf Schweizer Strassen nicht mehr zugelassen. «Schade für mich», sagt er, «denn dieses Geschäft lief gut.» Kompensieren könne er den Ausfall mit Revisionen von Crossmaschinen, da er selber in der Szene aktiv und gut vernetzt ist. In der Werkstatt beschäftigt er in Teilzeit noch bis Ende Jahr seinen Onkel Christian Zimmermann, dann folgt Sandro Kölliker. In der Buchhaltung und Werbung kann Markus Zimmermann auf seine Frau Pia zählen. «Ohne sie», betont er, «würde das Unternehmen nicht funktionieren.»

Was Kunden irritieren kann

Und noch eine Veränderung erwähnt Zimmermann, welche die Motorradszene an und für sich betrifft. «Früher war das Töfffahren ein richtiges Hobby, da waren jeweils nach einem Jahr zehn- bis zwanzigtausend Kilometer mehr auf dem Tacho, heute vielleicht noch dreitausend.» Aus seiner Sicht sei das nicht nur wegen des stark gewachsenen Verkehrsaufkommens oder den begrenzten Möglichkeiten, eine Maschine richtig auszufahren. «Die Leute kommen vor lauter Hobbys nicht mehr zum Töfffahren.» Die Verkaufszahlen neuer Maschinen, die viel günstiger geworden seien gegenüber früher, gehen zurück.

Um das zu kompensieren, bleibe nur der persönliche Einsatz für die Kundschaft. «In dieser Hinsicht spielt es keine Rolle, ob mein Geschäft in der Stadt oder hier auf dem Land draussen ist.» Es komme zwar vor, dass Töfffahrer, die von Westen her nach Messen kommen, etwas irritiert sind. «Sie fahren durch das Dorf hindurch, am Schild Ortsende vorbei, ohne mein Geschäft gesehen zu haben. Das liegt halt fast ein Kilometer weiter östlich, vis-à-vis der Badi. Der Standort abseits vom Dorf hat sich aber als gut herausgestellt. Es stört nicht, wenn einer mal seine Maschine hoch drehen lässt.»