Küttigkofen

Ein Bauernehepaar zwischen Zuversicht und Zukunftsangst

Ein Gespräch mit dem Bauernehepaar Fritz und Theres Pfister aus Küttigkofen über ihren Beruf.

Fritz und Theres Pfister arbeiten auf ihrem typischen landwirtschaftlichen Familienbetrieb im bucheggbergischen Küttigkofen. Fritz Pfister ist 50-jährig und gelernter Landwirt. Er hat seinen Landwirtschaftsbetrieb vor 20 Jahren von seinem Vater übernommen. Theres Pfister ist diplomierte Haushaltsleiterin und arbeitet seit 24 Jahren voll auf dem Hof.

Fritz und Theres Pfister haben drei Kinder: Thomas (23), Marianne (21) und Simon (18). Wir stellten dem Bauernpaar einige Fragen zu ihrem Beruf und zur Zukunft der Schweizer Landwirtschaft .

Der Milchpreis ist seit einiger Zeit tief, und in den zwei letzten Jahren war der Ertrag aus dem Pflanzenbau schlecht. Was motiviert Sie trotzdem, Ihren Betrieb weiterzuführen?

Fritz Pfister: Der tiefe Milchpreis hat verschiedene Ursachen. Einerseits die hohe Milchmenge in der Schweiz, und zum anderen drücken der tiefe Euro-Wechselkurs und die Milchüberproduktion in der EU auf unseren Preis. Einige Berufskollegen probieren durch Produktionssteigerung, dem tiefen Milchpreis entgegenzuwirken. Wir haben uns hingegen für eine kostengünstige Milchproduktion mit möglichst viel Gras und wenig Kraftfutter entschieden. Durch die Zucht einer Zweinutzungsrasse, die wegen der Milch- und des Fleischertrags gehalten wird, konnten wir auch den Fleischerlös verbessern.

Das schlechte Wetter hatte einen grossen Einfluss auf unsere Kulturen. Man versucht, mit neuen Anbaumassnahmen zu korrigieren. Die Möglichkeiten sind hier allerdings sehr begrenzt. Zudem ist jedes Jahr wieder anders und bringt neue Herausforderungen. Dennoch haben wir die Freude an der Landwirtschaft noch nicht verloren und könnten uns keinen anderen Beruf vorstellen.

Ein anderes Problem ist die Akzeptanz der Bauern in der Gesellschaft. Die Landwirtschaft wird oft als Umweltverschmutzer und Subventionsbezüger betitelt. Wie gehen Sie damit um?

Solche pauschale Anschuldigungen tun weh, sind aber manchmal auch berechtigt. Beispielsweise grenzt das Gülleführen in der Altjahrswoche oder an Wochenenden in Wohnquartieren schon an Provokation. In kritischen Situationen, wie Arbeiten in der Nacht oder bei Strassenverschmutzung, informieren wir die direkt betroffenen Anwohner. In solchen Situationen scheint es uns wichtig, das Gespräch mit den Nachbarn zu suchen, um das Verständnis für unsere Tätigkeiten zu steigern.

Im Zusammenhang mit den Direktzahlungen ist es wichtig, dass die Bevölkerung weiss, dass diese Zahlungen an viele Auflagen gebunden sind. Sie sind einerseits eine Entschädigung für gemeinschaftliche Leistungen, welche die Landwirtschaft gemäss der Bundesverfassung zu erbringen hat.

Zum andern helfen sie uns, die schwierige Topografie, die kleinstrukturierte Landschaft und die teuren Produktionsmittel zu kompensieren. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Direktzahlungen ein Teil unseres Einkommens sind und somit wieder zurück in die Wirtschaft fliessen, wo sie helfen, im vor- und nachgelagerten Bereich Arbeitsplätze zu sichern.

Sie bewirtschaften Ihren Betrieb seit gut 20 Jahren. Haben Sie während dieser Zeit auf Ihrem Betrieb etwas verändert oder Anpassungen eingeleitet?

Als wir den Betrieb übernommen haben, waren für die Bewirtschaftung vier Personen nötig. Dank der Mechanisierung und Rationalisierungsmassnahmen schaffen wir es heute zu zweit. Die Schweinehaltung haben wir vor einigen Jahren aufgegeben. In der Rindviehhaltung verfolgen wir neue Ziele: Unsere Kühe müssen robust sein, um die umliegenden, zum Teil steilen Grünflächen nutzen zu können. Auch hat die Agrarpolitik in der gleichen Zeitspanne mehrmals gewechselt, sodass immer wieder neue Massnahmen auf dem Betrieb umgesetzt werden mussten. Dieses Jahr wagen wir einen neuen Schritt und stellen unseren Betrieb auf die biologische Bewirtschaftung um.

Einige Landwirte versuchen, die Wirtschaftlichkeit durch einen Nebenerwerb zu verbessern. Auch ein Weg für Sie?

Wo sich solche Möglichkeiten bieten, muss dies genutzt werden. Das bedingt aber eine neue Arbeitsplanung mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten auf dem Betrieb. Wir selbst betreuen viele Tiere und sind deswegen für eine Tätigkeit ausserhalb unseres Betriebes weniger geeignet. Seit kurzem backen wir aber Brot und beliefern damit einen Hofladen. Wir könnten uns schon vorstellen, diesen Bereich weiter auszubauen.

In den letzten 20 Jahren sind in der Schweiz rund ein Drittel der Landwirtschaftsbetriebe verschwunden. Macht Ihnen dies nicht Angst?

Ja und nein. Die Landwirtschaft verschwindet immer mehr aus den Dörfern und immer mehr auch aus der Gesellschaft. Das ist schade. Doch auf der anderen Seite konnten wir selber schon von Betriebsaufgaben profitieren, indem wir heute einen Teil dieser Flächen bewirtschaften.

Was sind für Sie heute die grössten Herausforderungen auf Ihrem Betrieb?

Zurzeit ist das ganz klar die Umstellung auf den biologischen Landbau und die damit verbundene mechanische Unkrautbekämpfung. Wir hoffen in einigen Jahren auch auf eine Zusammenarbeit mit unserem Sohn, sofern er den Betrieb übernehmen möchte.

*Peter Hügi ist landwirtschaftlicher Berater am Bildungszentrum Wallierhof.

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