Viele Leute hätten schon nicht mehr dran geglaubt, dass hier noch etwas gemacht wird. Aber: «Gut Ding will Weile haben», sagt Gemeindepräsident Kuno Tschumi. Mit mehr als 2000 Fahrzeugen pro Stunde in den Spitzenzeiten, ist der Derendinger Kreuzplatz eine wichtige Drehscheibe im Wasseramt. Dadurch ist er häufig aber auch anfällig für massiven Verkehrsstau und sorgt bei den Betroffenen nicht selten für viel Frust.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, hat das Amt für Verkehr und Tiefbau zusammen mit einer Begleitgruppe rund 40 Varianten evaluiert. Favorisiert wurde zunächst eine Lichtsignalanlage (LSA). Grund dafür war, dass dadurch der Verkehr gesteuert werden kann. Darauf ist vor allem auch der Busbetrieb angewiesen. Allerding, damit die LSA optimal funktionieren kann, bräuchte es von Zuchwil her drei Fahrspuren. Aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse ist dies jedoch ein «Ding der Unmöglichkeit», wie Peter Portmann vom Amt für Verkehr und Tiefbau erklärt. Insbesondere, da auch die Erschliessung zu den Privaten wie etwa der Tankstelle noch realisierbar sein muss.

Heikel für Velo und zu Fuss

Die Lösung lautet daher: Ein gesteuerter Kreisel mit Bypass. Dadurch führt eine Spur in den Kreisel nach Luterbach und Subingen, während die zweite via Bypass den Verkehr in die Hauptstrasse in Richtung Derendingen leitet. Bei allen Kreiselzufahrten sollen zudem LSA montiert werden, damit in den Hauptverkehrszeiten trotzdem Einfluss genommen werden kann. Eher heikel ist der Kreisel jedoch für Velofahrer. Allerdings sind sowohl die Ein- und Ausfahrten, als auch die Fahrspur des Kreisels selbst, einspurig gehalten. Parallel dazu sollen den Velofahrern aber auch alternative Routen geboten werden, damit sie den Knotenpunkt umfahren können. So wird beispielsweise der Bocciaweg für die Velofahrer ausgebaut.

Eine grössere Änderung für die Fussgänger betrifft die Strassenüberquerung auf Höhe Tankstelle. Dort fällt der Fussgängerstreifen weg, da beim Bypass keine Insel – wie etwa beim McDonalds-Kreisel – realisiert werden kann. Dadurch müssten zwei Fahrspuren überquert werden, was als zu gefährlich erachtet wird. In Vorgespräche mit den Betroffenen wurden zudem bereits Kompromisslösungen gefunden. So ist ein Linksabbiegen in die Tankstelle weiterhin möglich. Jedoch nur für Personenwagen, da Lastwagen aufgrund ihrer Breite die Weiterfahrt in Richtung Solothurn blockieren würden.

Zeitweise Sperrung

Ein grossräumiges Umleitungskonzept für den Aussenverkehr soll dafür sorgen, dass die Durchfahrt über die Baustelle während sämtlichen Baustellenphasen für den heimischen Verkehr trotzdem gewährleistet ist. Das Bauvorhaben bringt aber auch Einschränkungen mit sich. So wird das Gewerbe an der Bahnhofstrasse tangiert sein, da die Strasse eine Zeit lang gesperrt werden muss. Weiter wird die Umfahrung zu Mehrverkehr beim Schulhaus Steinmatt führen. Nebst dem bisherigen Tempo-30-Regime werden zur Sicherheit der Schüler zusätzliche flankierende Massnahmen ausgearbeitet.

In der ersten Bauphase sollen der südwestliche Abschnitt (Luzernstrasse /Hauptstrasse) sowie der erste Teil der Unteren Emmengasse realisiert werden. Die zweite Bauphase beinhaltet den südöstlichen Abschnitt von Luzern- und Hauptstrasse. Zu guter Letzt erfolgt der Nordteil des Kreuzplatz-Areals inklusive Bahnhofstrasse und des zweiten Teils der Unteren Emmengasse. Gemäss Planung soll im Juli 2019 mit den Arbeiten am Kreuzplatz und der ersten Etappe der Hauptstrasse bis zur Steinmattstrasse begonnen werden und im Juli 2020 abgeschlossen sein. Die Bauarbeiten an der Hauptstrasse mit der 2. bis 4. Etappe dauern derweil fort bis Herbst 2022.

Der Zeitplan ist dabei äusserst sportlich gewählt. So müssen mit allen Betroffenen Landerwerbsverhandlungen geführt werden. Weiter müssen Eingaben beim Bund getätigt werden, um Beitragszahlungen zu erhalten und auch beim Kantonsrat muss ein Kredit im Rahmen von 13 bis 15 Mio. Franken eingefordert werden. Auch muss dem ausführenden Unternehmer genügend Zeit zur Vorbereitung eingeräumt werden. Zudem sieht Portmann Einsprachen und allfällige Beschwerden gegen die Erschliessungspläne als zusätzliche Stolpersteine. «Wenn sich der Baustart allenfalls bis September 2019 verzögert, dann müssen wir uns überlegen, ob wir das Projekt nicht lieber gleich ins Jahr 2020 verschieben», so Portmann.

Zuerst alle Fragen klären

Noch bevor der Leiter Bau und Planung, Gemeindevizepräsident Roger Spichiger, über das Geschäft zum Vorprojekt zur Sanierung und Ausbau der Gemeindeverwaltung detailliert berichten konnte, erklärte Urban Cueni, dass die CVP-Fraktion Nichteintreten und Zurückstellung beantrage. Die Gründe würden dabei nicht beim Projekt als solches liegen, denn dieses werde fachlich oder inhaltlich nicht infrage gestellt. Das Problem sei eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen und nicht berücksichtigten Faktoren. Daher, so Cueni, soll das Projekt zurückgestellt werden, bis bei allen Punkten eine Sichtweise erarbeitet worden ist und man wisse, wohin es gehen soll.

Der Gemeindepräsident schlug dagegen vor, auf das Geschäft einzutreten und dann eine Zurückweisung zu beantragen. «Wenn wir Nichteintreten beschliessen, dann ist das ganze Projekt vom Tisch», warnte Tschumi. Roger Siegenthaler fügt an, dass die FDP-Fraktion ähnliche Argumente diskutiert habe wie die CVP. «Wir sind dann allerdings auch zum Schluss gekommen, dass man auf das Geschäft eintreten und anschliessend zurückstellen sollte». Weiter schlug Siegenthaler den Workshop im Januar vor, um sich der Thematik anzunehmen. Markus Baumann (SP) pflichtete bei und erklärte, dass es wichtig sei, sich die nötige Zeit zu nehmen und zu diskutieren, in welche Richtung die Gemeinde gehen soll. Nach diversen Diskussionen beschloss der Gemeinderat auf das Geschäft einzutreten, es aber zurückzustellen und im Januarworkshop das weitere Vorgehen zu besprechen.