Auszeichnung
Ehre für die gebürtige Inderin: CVP-Kantonsrätin Susan von Sury erhält Preis für Engagement

Im indischen Bundesstaat Kerala wurde die CVP-Kantonsrätin Susan von Sury aus Feldbrunnen-St.Niklaus für ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit in ihrer zweiten Heimat ausgezeichnet.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Susan von Sury-Thomas hat in ihrer alten Heimat im indischen Bundesstaat Kerala eine wichtige Auszeichnung (rechts von ihr) für ihr Engagement in der Schweiz erhalten.

Susan von Sury-Thomas hat in ihrer alten Heimat im indischen Bundesstaat Kerala eine wichtige Auszeichnung (rechts von ihr) für ihr Engagement in der Schweiz erhalten.

Hanspeter Bärtschi

Die CVP-Politikerin und Kantonsrätin Susan von Sury-Thomas ist für Medien ein dankbares Motiv: in Indien in eine grosse Familie hineingeboren, Heirat mit einem Schweizer Entwicklungsmitarbeiter aus einem alten Solothurner Geschlecht und in der neuen Heimat eine Politkarriere hingelegt. Eine filmreife Geschichte.

Aber von Susan Sury ist nicht die zum Zug gekommene Quotenfrau und auch nicht die Vorzeigemigrationsdame. «Stark, authentisch und klug» sei sie, schreibt sie auf ihrer Internetseite. Als vielporträtierte Frau kennt sie die Mechanismen der Medien und nutzt diese geschickt für ihre politischen und sozialen Anliegen. Und sie ist eine ehrgeizige, ausdauernde Frau, die meist mehr erreicht, als man ihr zutraut. Beispielsweise eine grosse Ehrung in Indien.

Dort, in ihrer ersten Heimat im Bundesstaat Kerala, wird sie als «starke, authentische und kluge» Frau wahrgenommen. Wurde sie doch am 31. Dezember von der sozialen Reformbewegung SNDP, wie neun andere Menschen aus der ganzen Welt auch, für ihr Wirken geehrt. Die Reformbewegung wurde 1903 von Sree Narayana Guru gegründet, der das Kastenwesen bekämpfte, sich für religiöse Toleranz und die Bildung der Massen einsetzte.

Susan von Sury-Thomas

Susan Thomas kam 1962 als zweitjüngstes von 12 Geschwistern in einer christlichen Familie in Kerala (Südindien) zur Welt. Die Eltern führten einen mittelgrossen Bauernbetrieb. Sie wurde auf dem Papier ein Jahr älter gemacht, damit sie früher als erlaubt zur Schule durfte. Seither ist ihr offizieller Jahrgang 1961. Als einziges Mädchen der Familie konnte sie studieren und schloss in Biologie/Botanik ab. Sie lernte ihren Mann Felix von Sury als Angestellte in einem Reisebüro kennen. 1987 heirateten sie und reisten in die Schweiz. Susan von Sury-Thomas ist Mutter von drei erwachsenen Kindern. (uby)

Er kämpfte insbesondere für die Rechte der untersten Kaste, der Izhavas, und gilt als Gandhi Südindiens. Zum Jahreswechsel kommen in Sivagiri, wo Sree Narayana seinen Ashram (klosterähnliches Zentrum) gegründet hatte, jeweils mehr als eine Million Anhänger zusammen, um sich an Seminaren weiterzubilden.

Eine Rede zu Hunderttausenden

Ihre Familie in Kerala konnte am Anlass, an welchem Susan von Sury geehrt wurde, und an dem auch der Gouverneur des Nachbarstaates Karnataka und der Chiefminister des Staates Maharashtra teilnahmen, nicht beiwohnen. «Unmöglich, sie leben im Norden und wären nie reingekommen», erklärt von Sury. Sie hätten die Ehrung am Fernsehen und Radio mitverfolgt.

Sie selber erhielt den Eintrittspass in die geschlossene Anlage in Sivagiri am Vortag kurz vor Mitternacht von einer Mitarbeiterin der Organisation ausgehändigt. Die Mitarbeiterin brauchte wegen den Menschenmassen viereinhalb Stunden für die Strecke, die normalerweise in einer Stunde zurückzulegen ist. Am nächsten Tag wurde sie von ihrem Mann Felix von Sury und Freundinnen aus Kerala zum Anlass begleitet. «Das OK begrüsste uns und führte uns in ein Guesthaus, wo wir den Beginn der Zeremonie abwarteten.»

Susan von Sury in Kerala, gekleidet in einen weiss-goldenen Sari
7 Bilder
Am 31. Dezember wurde sie von der sozialen Reformbewegung SNDP geehrt
An der Ehrung erhielt sie ein gelbes Tuch, das sie um ihre Schultern legte.
Die CVP-Kantonsrätin erhielt den Preis
Danach hielt sie eine kurze Rede an die Pilger in der Halle.
«Ich spürte, ich bin an einem Ort, wo Frieden ungemein wichtig ist», sagt Susan von Sury.
Insgesamt wurden zehn Menschen aus der ganzen Welt für ihr Wirken geehrt.

Susan von Sury in Kerala, gekleidet in einen weiss-goldenen Sari

zvg

Das Programm am Pilgeranlass begann morgens um 4.30 Uhr und war in mehrere Programmblöcke aufgeteilt. «Alle trugen gelbe Kleider.» Auch Susan von Sury, gekleidet in einen weiss-goldenen Sari, erhielt an der Ehrung ein gelbes Tuch, das sie um ihre Schultern legte. Über Lautsprecher wurde sie dem Publikum vorgestellt, bevor sie die Auszeichnung vom Leiter des Ashrams erhielt. Sie hielt eine kurze Rede an die Pilger in der Halle.

Draussen wurde die Zeremonie auf Leinwänden übertragen. «Es waren über 200'000 Menschen versammelt.» Statt 2 Minuten sprach sie 4 Minuten. Im Rückblick schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite von einem grossen emotionalen Moment, als sie in ihrer Muttersprache zu den Menschen sprechen durfte. Und sie ergänzt: «Wir hatten an diesem Anlass mit den Hunderttausenden von Menschen nie die Spur von Unruhe oder Stress. Ich spürte, ich bin an einem Ort, wo Frieden ungemein wichtig ist.»

Schweizer «Kastensystem»

Die Auszeichnung erhielt sie, weil sie in einem fremden Land politisch Karriere machte und sich dort für mehr soziale Gerechtigkeit einsetzt. «Ich bin eine von ganz wenigen Personen aus Indien, der das gelungen ist.» Aber die sozialen Welten in Kerala und hier in der Schweiz seien nicht zu vergleichen. «In der Schweiz gibt es kein Kastensystem. Hier engagiere ich mich für mehr soziale Gerechtigkeit.»

Dies habe sie bis vor Kurzem für das Frauenhaus Aargau-Solothurn getan und tue es weiterhin als Mitglied der kantonalen Integrationskommission. Zur Ironie ihres Schicksals gehört, dass sie als junge Inderin vor 32 Jahren in ein altes Solothurner Geschlecht einheiratete, damit im Schweizer «Kastensystem» oben einstieg und heute im Schloss Waldegg wohnt. «Damals hatte ich keine Ahnung oder Vorstellung davon, was das bedeutet. Ich habe als junge Inderin darauf geschaut, was sein Beruf ist und dass er mich versorgen kann. Das wars.»

Damit soziale Gerechtigkeit möglich wird, brauche es Bildung, ist sie überzeugt. Das beste Beispiel sei das im Vergleich mit der Schweiz kleinere Kerala, wo aber mit 33 Millionen Einwohnern viermal mehr Menschen leben. «Das Land kennt keine religiösen Auseinandersetzungen, obwohl dort Anhänger von vielen Religionen leben.» Das sei eine Folge der guten Bildung. Der Alphabetisierungsgrad in ihrer alten Heimat liegt weit über 90 Prozent. «Wir haben schon in der Schule die Verschiedenheit der Religionen kennen gelernt.»

Aktuelle Nachrichten