Nina Meyer* ist Klientin in einer Oltner Psychiatrie. Weil die normale Therapie keine Fortschritte machte, soll ihre Psychiaterin vorgeschlagen haben, sie solle doch an einer Gruppensitzung der esoterischen Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen teilnehmen. Die Psychiaterin ist selber Mitglieder dieser Gemeinschaft. Dies erzählte Meyer gegenüber «TeleM1». Da das Ganze aber nicht ganz legal sei, solle sie niemandem davon erzählen, so Meyer weiter.

Die angeprangerte Psychiaterin nimmt schriftlich zu den Vorwürfen Stellung: ««Die Vorwürfe stimmen nicht. Es handelt sich um die üblichen Verleumdungen, denen die Ärzte der Kirschblütengemeinschaft schon seit Jahren ausgesetzt sind.»

«Sie schlug mir Sitzungen mit Drogen vor»

„Sie schlug mir Sitzungen mit Drogen vor.“

Die Kirschblüten-Gemeinschaft ist bekannt dafür, dass in ihren Sitzungen Drogen, wie zum Beispiel LSD, zum Einsatz kommen. In vielen Fällen wurde eine Therapie mit Drogen nahgelegt.

Die Kirschblütengemeinschaft steht im Verruf, Gruppensitzungen mit Sex und Drogen zu veranstalten. Vor dreieinhalb Jahren kam es deswegen zu einer spektakulären Razzia im Zentrum in Lüsslingen. Das Verfahren wegen mutmasslichen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz ist noch hängig.

Ort der Razzia vor dreieinhalb Jahren: Das Zentrum der esoterischen Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen.

Ort der Razzia vor dreieinhalb Jahren: Das Zentrum der esoterischen Kirschblütengemeinschaft in Lüsslingen.

Kritik gibt es aber nicht nur von Seiten der Klienten, sondern auch von der Solothurner Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie. Präsident Thomas Ackermann spricht sich vehement gegen das Gedankengut der esoterischen Gemeinschaft aus.

An einer Versammlung der Solothurner Ärzteschaft soll die Kirschblütengemeinschaft die sogenannte «echte Psychotherapie» vorgestellt haben. Diese würde eine sexuelle Beziehung zwischen Therapeut und Klient nicht explizit ausschliessen. «Das widerspricht sämtlichen Grundsätzen der Psychotherapie», so Ackermann. Ob es in solchen Therapiesitzungen aber bisher tatsächlich zu sexuellen Handlungen gekommen ist, ist nicht bewiesen. (rka)

*Name geändert