Niederwil
Egal ob mit Traktor oder Bike: In «Ralph's Place» ist jeder willkommen

Früher war das Lokal in Niederwil eine Bäckerei. Nachdem es längere Zeit leer gestanden ist, hat nun Ralph Güntlisberger darin eine Bar eröffnet. In «Ralph’s Place» ist jeder willkommen – ob mit Traktor oder Bike.

Lara Enggist
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Neueröffnung von Ralphs Place in Niederwil
12 Bilder
Der Bartresen
Das Ambiente lädt zum Verweilen ein.
Ralph hat seinen eigenen Brand im Sortiment
Gläser mit Totenschädeln
Das Ambiente lädt zum Verweilen ein.
«Die Leute wissen ja gar nicht mehr, wo sie sich treffen sollen», meint Ralph Güntlisberger.
In seiner Bar sind alle herzlich willkommen
Die Bilder und der Kerzenständer stammen von befreundeten Künstlern
Ein wenig Bikerphilosophie gehört dazu
In einer kleinen Boutique bietet Ralph auch Kleider und Schuhe an
Schmuck mit Opalen glitzert in der Vitrine

Neueröffnung von Ralphs Place in Niederwil

Hanspeter Bärtschi

«I’m just a Gigolo», singt der tätowierte Rocker und schnippt dabei mit den Fingern im Takt. Ralph Güntlisberger ist ein waschechter Biker mit langen Haaren, Piercings und einer rauchigen Stimme. Nur fühlt er sich musikalisch eben nicht nur im Bluesrock, sondern auch im Swing und sogar in einem erfolgreichen Jodlerclub namens «Heimweh» zu Hause.

Der durch seine Teilnahme bei «The Voice of Switzerland» bekannt gewordene Musiker hat nun eine Bar eröffnet. Und zwar in Niederwil. Viel zu abgelegen, um eine gut besuchte Bar zu betreiben? Von wegen. An der Eröffnung von «Ralph’s Place», wie er seine Bar taufte, hätten 300 Menschen versucht, sich in das doch eher kleine Lokal zu drängen. Dieses befindet sich an der Hauptstrasse und ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet worden, wobei die Details meist etwas mit Motorrädern zu tun haben.

So entstand «Ralph’s Place»

Aus den Lautsprechern erklingt «Cryin’» von Aerosmith. Auf der Theke steht ein Shotglas in Totenkopfform, an der Wand hängen Kunstwerke aus Schraubenschlüsseln. Trotzdem fühlt man sich hier, auch ohne Bikerstiefel und tätowierte Oberarme, auf Anhieb wohl. Denn das Lokal ist in warmen Farben gehalten, wurde sorgfältig eingerichtet und mit Kerzen dekoriert. «Egal, ob jung oder alt, Frau oder Mann: Hier sind alle willkommen», sagt Ralph Güntlisberger feierlich und breitet dabei seine Arme aus, als möchte er seine Gäste auf der Stelle umarmen.

Seine herzliche Art scheint sich herumgesprochen zu haben. «Ich war überrascht, wie unterschiedlich die Leute sind, die sich hier wohlfühlen», erzählt Güntlisberger und winkt einem vorbeifahrenden Traktor hinterher. Sein Blick ist stets auf die Strasse gerichtet, aus jedem zweiten vorbeifahrenden Auto winkt ihm jemand zu. Die Bindung zu Menschen aus der Region sei ihm sehr wichtig. «Man muss mit den Leuten aus seiner Umgebung arbeiten», erklärt er. So entstehe ein Netzwerk, ein Geben und Nehmen unter Freunden. Der Käse und die Trockenwurst für sein Apéroplättli kommen vom Gummenhof in Niederwil, die Besitzer kenne er persönlich. «Die beiden sind übrigens auch Biker», sagt er lächelnd.

Kontakte knüpfen

Seine eigene Harley ist für die Eröffnung der Bar sozusagen mitschuldig. «Die Idee zu ‹Ralph’s Place› kam mir während einer Biketour. Samt Konzept, es war wie eine Eingebung», erinnert sich Güntlisberger. Das Lokal war früher eine Bäckerei und stand schon längere Zeit leer. So habe er sich an den Umbau gemacht und jeden Tag an der Verwirklichung seines Traumes gearbeitet. Hilfe habe er dabei keine gehabt, ausser im letzten Monat vor der Eröffnung Anfang Juni, «da hat mir ein guter Freund geholfen».

Auch seine Töchter unterstützen ihn und helfen ihm manchmal beim Ausschenken aus. Ihm sei wichtig, dass man in seiner Bar soziale Kontakte knüpfen und pflegen könne. Überall gingen die Beizen zu, «die Leute wissen ja gar nicht mehr, wo sie sich treffen sollen», so Güntlisberger. Hier habe man die Gelegenheit, sich mit Freunden auf ein Bier zu treffen oder eine Kaffeepause einzulegen.

Klar habe er auch Whiskey und Wodka im Sortiment – «und zwar nicht irgendeinen Fusel» – aber der Alkoholkonsum stehe in seiner Bar nicht im Zentrum. Bei der Frage nach der Drinkempfehlung des Hauses verschwindet Güntlisberger hinter der Theke und kommt zwei Minuten später mit einem Apéroglas in der Hand zurück, welches mit frischer Pfefferminze dekoriert ist. «Da drin ist selbstgebrannter Kirsch und trotzdem schmeckt er wie Hugo», verkündet er. Der Drink heisst übrigens Ladykiller. Na dann, cheers.