Am Freitag startete die Verhandlung gegen einen 51-jährigen selbst ernannten Tierschützer am Regionalgericht Oberland in Thun. Dem Mann wird gross angelegter Betrug vorgeworfen. In den Jahren 2012 und 2013 sammelte er im grossen Stil Spendengelder für den Aufbau von Tierambulanzen, unter anderem in Gerlafingen. Dazu verteilte er über 200'000 Flugblätter mit Einzahlungsscheinen und präsentierte sich mit einem professionellen Webauftritt als aktiver Tierretter. Konkret warb er damit, alte Rettungswagen kaufen zu wollen und sie zu Tierambulanzen umzubauen. Aber schon damals kamen Zweifel an seinen Aktivitäten auf, denn die Spenden gingen direkt auf das Privatkonto des Angeklagten.

Tatsächlich hat der Angeklagte drei Ambulanzen gekauft für 14 000 Franken, sie aber nie umgebaut. Insgesamt sollen rund 120 000 Franken in die Finanzierung seines Lebensunterhalts geflossen sein. Der Angeklagte behauptete vor Gericht, es handle sich nicht um vorsätzlichen Betrug, weil er wirklich vorgehabt habe, die Tierambulanzen aufzubauen, wie «Radio 32» berichtet. Aber er habe die Übersicht verloren und ihm sei alles über den Kopf gewachsen. Die Gerichtspräsidentin bezweifelte allerdings, dass der Angeklagte jemals den Aufbau von Tierambulanzen vor hatte.

Ursprünglich sollte die Verhandlung bereits im Juli stattfinden, wurde jedoch verschoben. Die Anklageschrift gegen den dubiosen Tierschützer geht über Betrug hinaus und umfasst insgesamt 16 Punkte. Ihm wird unter anderem «fahrlässige einfache Körperverletzung», missbräuchliches Verwenden von Kontrollschildern», «Entziehen einer Polizeikontrolle», «Fahren trotz entzogenem Führerausweis» und eine Übertretung gegen das Umweltschutzgesetz vorgeworfen. Das Urteil wird am kommenden Mittwoch erwartet.