Subingen

«Drogenpfarrer» soll ein halbes Jahr absitzen – und hofft auf Milde

Hier lebte Pfarrer A. W.

Hier lebte Pfarrer A. W.

Er hat als «Drogenpfarrer» Schlagzeilen gemacht. Nun steht fest, wie der Gottesmann für seine Verbrechen büssen soll.

Jetzt ist klar, was dem Pfarrer droht, der bis Februar 2015 dem Pfarrkreis Subingen-Aeschi vorstand. Er soll mit einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten bestraft werden. Davon sollen gemäss der Forderung der Staatsanwältin 8 Monate vollzogen und 19 Monate bedingt gewährt werden. Dies bei einer Probezeit von 2 Jahren. Die Zeit, die der Mann in Untersuchungshaft verbrachte, werden angerechnet. Das geht aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vor, die der az Solothurner Zeitung vorliegt. Geht es nach den Strafverfolgern, soll er ein halbes Jahr hinter Gitter.

Die Gerichtsverhandlung am Bezirksgericht Bülach ist auf den 20. April angesetzt. Diese wird nötig, weil die Richter die im abgekürzten Verfahren ausgehandelte bedingte Freiheitsstrafe als zu mild beurteilten. Die Staatsanwaltschaft musste eine neue, schärfere Anklage verfassen.

Flüge für Drogenkuriere gebucht

Vorgeworfen werden dem Mann Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz respektive die mehrfache Gehilfenschaft dazu, sowie mehrfach versuchte Geldwäscherei. Konkret buchte er mehrere Flüge von Brasilien in die Schweiz für Drogenkuriere. Er habe wissen oder zumindest in Kauf nehmen müssen, dass es sich um Drogentransporte handelt. Zudem überwies der Pfarrer an verschiedene Personen Tausende von Franken, die mutmasslich aus Drogengeschäften stammen. Beendet wurde das Treiben am 15. Dezember am Flughafen in Kloten. Dort verhaftete ihn die Polizei, als er einen Drogenkurier aus Brasilien mit drei Kilo Kokaingemisch im Gepäck abholte und mit seinem Auto nach Basel fahren sollte.
Gehandelt hatte der Deutsche auch damals im Auftrag einer befreundeten Frau. Er hoffte, sie würde ihm danach endlich ein gewährtes Darlehen zurückbezahlen. Die Frau wird am 20. April ebenfalls vor Gericht stehen. Sie wird weit härter angefasst und soll wegen mehrfachen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz und versuchter Geldwäscherei vier Jahre ins Gefängnis – unbedingt.

«Ich habe nie Drogen gesehen»

Das Pfarrhaus am Summerhusweg hat der Angeklagte inzwischen verlassen. Die Schriften aber liegen immer noch in Subingen. Mit seiner Frau wohnt er derzeit in einer Übergangswohnung. «Etwas Festes haben wir noch nicht gefunden», sagt der Theologe. Eine Rückkehr nach Subingen sei aber unwahrscheinlich.

Der Gerichtsverhandlung blickt er gebannt entgegen. «Ich wünsche mir natürlich nicht, dass es zu einer unbedingten Freiheitsstrafe kommt. Aber etwas ändern daran könnte ich ja nicht.» Der 45-Jährige hofft, dass die Strafe im Bewährungsbereich bleibt, vor allem wegen seiner Frau, einer Marokkanerin, für die es problematisch würde. «Sie spricht zwar recht gut deutsch, aber für die Wohnungs- und Stellensuche wäre es besser, wenn ich nicht im Gefängnis bin.»
Der ehemalige Pfarrer betont, an den Drogengeschäften nicht aktiv beteiligt gewesen zu sein. «Ich hatte null Eigeninteresse.» Die mit angeklagte Frau kannte er schon seit einigen Jahren, er habe ihr immer wieder geholfen. Mit der Zeit sei zwar die Frage aufgetaucht, ob die Ticketbuchungen und Geldtransfers unsauber sein könnten. Wirklich gewusst habe er aber nichts. «Ich habe nie Drogen gesehen.»

Zukunft als Pfarrer fraglich

Am verhängnisvollen Tag am Klotener Flughafen habe er zwar kein gutes Gefühl gehabt, den Drogenkurier aufgrund verschiedener Umstände dann aber doch abgeholt. So sei er auch nicht total überrascht gewesen, als die Polizei zuschnappte. Informiert über die Geschäfte sei er nicht gewesen. «Ich hatte nicht den Mut, ihr zu sagen, dass mir das zu heiss ist.» Die Frau meinte, er solle ihr vertrauen, es sei zu seinem Guten.

Er würde gerne weiterhin als Pfarrer arbeiten, war bereits an zwei Bewerbungsgesprächen in der Ostschweiz. Aufgrund des offenen Verfahrens, auf das er die Pfarreien hingewiesen hat, wurde er nicht berücksichtigt. Derzeit arbeitet er zwecks Umschulung in einer kaufmännischen Praxisfirma der regionalen Arbeitsvermittlung. So lange das Verfahren läuft, sagt er, sei eine Pfarrstelle wohl unwahrscheinlich.

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