Anklageschrift
Drogenkurier brachte Kokain – der Subinger Pfarrer holte ihn ab

Der reformierte Subinger Pfarrer, der seit Mitte Februar von seiner Arbeit freigestellt ist, sollte einen brasilianischen Drogenkurier vom Flughafen Zürich-Kloten nach Basel fahren. Die Staatsanwaltschaft fordert eine zweijährige Haftstrafe.

Rahel meier
Merken
Drucken
Teilen

Seit Mitte Februar ist der reformierte Pfarrer A. W. aus Subingen freigestellt. Er sass von Mitte Dezember bis Mitte Februar in Zürich in Untersuchungshaft, weil er «in Drogengeschäfte» verwickelt war (wir berichteten mehrmals). Sowohl er als auch seine Arbeitgeberin, die Reformierte Kirchgemeinde Subingen, haben seither der Presse gegenüber beharrlich geschwiegen. Nun hat aber der «SonntagsBlick» den Sachverhalt öffentlich gemacht.

Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hat A. W. «Anstalten getroffen zur unbefugten Beförderung von Betäubungsmitteln». Der «SonntagsBlick» weiss noch mehr. Der Pfarrer hatte den Auftrag, einen Mann in Zürich-Kloten abzuholen, der mit dem Flugzeug aus São Paulo kam und 2935 Gramm Kokain im Koffer hatte. A. W. sollte den Drogenkurier nach Basel bringen. Noch im Flughafen wurden die beiden aber verhaftet.

Nachdem bekannt wurde, dass der Pfarrer in Untersuchungshaft sitzt, wurde in Subingen viel getuschelt. Die wenigsten Kirchgänger trauten dem Pfarrer eine böse Absicht zu, vielmehr waren viele der Meinung, dass er «aus Gutmütigkeit in eine dumme Situation» geraten sei. Corinne Bouvard, Kommunikationsbeauftragte der Oberstaatsanwalt Zürich, hatte im Februar gegenüber dieser Zeitung bestätigt, dass der Pfarrer in Drogengeschäfte verwickelt sei, meinte aber auch: «Er ist sicher nicht der grosse Dealer.» Dies bestätigt auch das Strafmass, das bereits bekannt ist: eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Dies sei, so der «SonntagsBlick», in einem abgekürzten Verfahren von den Parteien so ausgehandelt worden. Nun muss noch das Bezirksgericht Bülach zustimmen.

Der Kirchgemeinderat äussert sich weiterhin nicht zur Sache. Kirchgemeindepräsident Thomas Kopp lässt ausrichten, dass die Anklageschrift seit Freitag vorliege und dass «der Kirchgemeinderat diese nun bespricht und dann über das weitere Vorgehen entscheidet».