Hubersdorf
Drinks, Drogen, Sex und Internet: Schüler lassen sich informieren

Am Gesundheitstag des Sekundarschulzentrums haben Experten die Schülerinnen und Schüler über die Gefahren von Alkohol, Drogen oder Internetsucht aufgeklärt. Ohne den Drohfinger zu erheben.

Lea Schreier
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Gebannt beobachten sie den Profi: Am Gesundheitstag lernen die Jugendlichen auch, wie man alkoholfreie Cocktails mixt.Hanspeter Bärtschi

Gebannt beobachten sie den Profi: Am Gesundheitstag lernen die Jugendlichen auch, wie man alkoholfreie Cocktails mixt.Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Baertschi

«Der Boden ist schräg!» – «Ich sehe alles dreifach!» Lachend versuchen die Schüler der 7. Klasse im Sekundarschulzentrum der Gemeinsamen Schule Unterleberberg (GSU) mit den sogenannten «Alkoholbrillen» einen Parcours zu durchlaufen und verschiedene Geschicklichkeitsspiele zu meistern. Die Brillen simulieren einen Rausch – manche einen stärkeren, andere einen schwächeren. Das Experiment bildet den Abschluss eines Vortrages zum Thema Alkohol, den René Henz von der Perspektive Region Solothurn-Grenchen gehalten hat.

Im Rahmen des jährlichen Gesundheitstages befassen sich die 109 Oberstufenschüler zwischen 12 und 17 Jahren am Donnerstag unter der Leitung von diversen Experten intensiv mit den Themen Alkohol und Drogen, dem Internet, aber auch mit dem eigenen Körper und Aids. «Wir wollen nicht den Drohfinger erheben, sondern die Schüler informieren und aufklären», betont Schulleiter Jan Flückiger. Meistens würden die Schüler den Experten mehr glauben als den Lehrern. Zahlreiche Institutionen und Organisationen bieten Vorträge und Workshops an.

Die Dimensionen des Internets

Im Perspektive-Workshop diskutieren die Schüler nun mit René Henz über die digitalen Medien. «Wer besitzt ein Smartphone?», fragt Henz in die Runde. Alle strecken die Hand in die Höhe. «Und wo zu dient es dir im Alltag?», erkundigt sich Henz bei einem Jungen. Dieser antwortet: «Ich kann zum Beispiel im Klassenchat nachfragen, wenn ich bei den Hausaufgaben nicht mehr weiter weiss.» Henz entgegnet: «Stellt euch vor, als ich jung war, hatten wir noch gar keine Handys!»

An einem Beispiel zeigt René Henz den Schülern die enorme Dimension des Internets auf. «Was glaubt ihr, wie lange ich brauchen würde, um alle Youtube-Videos zu schauen, die in den letzten 24 Stunden hinzugefügt worden sind?» – «Drei Tage», «eine Woche», rufen die Jugendlichen. «Nein. Es würde zwölf Jahre dauern», erzählt Henz den verblüfften Schülern. Weiter betont der Perspektive-Mitarbeiter, wie wichtig es sei, sich stets sehr gut zu überlegen, was man im Internet schreibe oder hochlade. «Das Wichtigste, das ich euch mitgeben möchte, ist folgender Merkspruch: Einmal im Netz, immer im Netz. Vergesst das nicht!»

Carlo Wyniger klärt im Workshop über legale Drogen auf.
18 Bilder
Mit aufgesetzten Rausch-Brillen gilt es, verschiedene Aufgaben zu lösen
Die aufgesetzte Brille simuliert das Sehverhalten nach Alkoholgenuss
Die aufgesetzte Brille simuliert das Sehverhalten nach Alkoholgenuss
Selbst Händeschütteln wird schwierig
Die aufgesetzte Brille simuliert das Sehverhalten nach Alkoholgenuss
Die aufgesetzte Brille simuliert das Sehverhalten nach Alkoholgenuss
Messgerät zum Nachweis von Konsum illegaler Drogen
Workshop «Rund ums Internet». Giorgio Macaluso klärt auf
Workshop «Rund ums Internet»
Beim Workshop mit Peter Briggeler geht es um AIDS-Prävention
In diesem Workshop lernen die Schüler, wie man leckere nichtalkoholische Cocktails mixt
Die Schüler lernen, wie man leckere nichtalkoholische Cocktails mixt
Die Schüler lernen, wie man leckere nichtalkoholische Cocktails mixt
Die Schüler lernen, wie man leckere nichtalkoholische Cocktails mixt
Die selbsgemixten Cocktails schmecken

Carlo Wyniger klärt im Workshop über legale Drogen auf.

Hanspeter Bärtschi

Auch in einem anderen Schulzimmer gehts um das Internet. Giorgio Maraluso von der Swisscom spricht mit den Schülern über die «Ego-Shooter», eine Kategorie der Computerspiele, bei der ein Spieler mit Schusswaffen Gegner bekämpft. Am Beispiel vom Spieler Tim zeigt Informatiker Maraluso auf, wie man von einer Spielsucht wieder lokommt und welche Rolle dabei das Umfeld eines Süchtigen spielt.

Drogen und ihre Wirkung

Eine andere Sucht ist im Workshop von Carlo Wyniger, Mitarbeiter der Jugendpolizei Kanton Solothurn, Thema. In der Prävention für illegale Drogen werden den Neuntklässlern unschöne Bilder mit abschreckender Wirkung vor Augen geführt. Sie zeigen Menschen vor und nach dem Konsum von harten Drogen wie Crystal Meth. «Viele Drogen machen bereits nach einmaligem Ausprobieren abhängig», erklärt Wyniger. Dann kommt er auf K.-o.-Tropfen zu sprechen und erklärt deren Wirkung. «Lasst bei Partys eure Getränke unter keinen Umständen offen stehen. Und falls ihr euch unwohl fühlt, sagt es euren Freunden und wendet euch nicht an Fremde», mahnt Wyniger.

An einem Gesundheitstag dürfen auch die Themen Aids und Sexualität nicht fehlen. Peter Biggeler, der seit 19 Jahren bei der Aidshilfe Bern tätig ist, meint: «Sex ist in unserer Gesellschaft heute allgegenwärtig.» Das heisse allerdings nicht, dass die Jugendlichen besser über wichtige Aspekte informiert seien. «Die Eltern und Experten müssen sich gemeinsam mit den Jugendlichen damit auseinanderzusetzen», so Biggeler. Die Jugendlichen sind seiner Meinung nach offener geworden, sich auf ein Thema einzulassen. So hätten sie auch interessiert seinen Ausführungen über den HIV-Virus und Geschlechtskrankheiten zugehört.

Ein Highlight stellt für die Jugendlichen die «blue cocktail bar» dar: Sie können lernen, selber alkoholfreie Drinks zu mixen.

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