Strukturen
Drei unterschiedliche Wasserversorgungen machen in Aeschi völlig Sinn

Eine Gemeinde, drei Dorfteile und drei Wasserversorgungen. Das ist Alltag in Aeschi. Und das ist noch nicht alles: Niederdruckversorgung und private Quellrechte kommen zusätzlich dazu. Die Strukturen sind historisch gewachsen und machen für die Beteiligten und die Behörden durchaus Sinn.

Rahel Meier
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Die Wasserversorgung für Burgäschi liegt in einer Quellschutzzone am Waldrand. Hier wird sie begutachtet von Stefan Berger (links, Gemeindepräsident Aeschi), Roger Brügger (Gemeinderat), Daniel Luterbacher (Brunnenmeister Wasserversorgung Burgäschi) und Konrad Murer (Brunnenmeister Aeschi, rechts).

Die Wasserversorgung für Burgäschi liegt in einer Quellschutzzone am Waldrand. Hier wird sie begutachtet von Stefan Berger (links, Gemeindepräsident Aeschi), Roger Brügger (Gemeinderat), Daniel Luterbacher (Brunnenmeister Wasserversorgung Burgäschi) und Konrad Murer (Brunnenmeister Aeschi, rechts).

Rahel Meier

Relativ einfach präsentiert sich die Situation in Aeschi. Kein Pumpwerk, kein Reservoir, nur Leitungen, mit denen Wasser vom Zweckverband äusseres Wasseramt (ZWäW) bezogen wird. Seit wann dies so ist? Vermutlich seit der Wasserturm in Etziken 1931 gebaut wurde. Weder Gemeindepräsident Stefan Berger noch Brunnenmeister Konrad Murer können sich an etwas anderes erinnern.

Zwar gebe es in Aeschi durchaus auch Quellen oder alte Sodbrunnen. Mitten im Dorf gibt es zudem einen natürlich Wasseraufstoss, der in einem Becken aufgefangen wird. Und via Niederdruckleitung der Brunnengenossenschaft werden einige Brunnen gespeist.

Keine Hydranten

Der Dorfteil Burgäschi hat eine komplett eigenständige Wasserversorgung und ist auch für den Notfall nicht mit einer anderen Wasserversorgung gekoppelt. «Im Sommer 2003, als es so heiss war, kamen wir an die Grenzen mit nur noch 75 Minutenliter Wasser. Im Normalfall sind es bis zu 270 Minutenliter. Das reicht eigentlich gut für uns alle», erklärt Brunnenmeister Daniel Luterbacher. Die Quelle der Burgäscher liegt am Waldrand in der Grenzregion des Steinhof und der bernischen Gemeinde Seeberg und ist von einer Quellschutzzone umgeben.

Sommerserie Wasser

Wasser gibt dem Wasseramt seinen Namen. Die Hälfte der Bevölkerung des Kantons Solothurn bezieht ihr Trink- und Brauchwasser aus dem Wasseramt. Wir gehen in einer Serie den völlig unterschiedlichen Facetten des Wassers nach.

Bereits erschienen sind: Teil 1: Grundwasser (20. Juli), Teil 2: Die Arbeit des Brunnenmeisters (27. Juli).

«Wir waren vermutlich die ersten, die hier nach Wasser gesucht haben, denn wir haben die ergiebigste Quelle.» Vor rund 150 Jahren dürfte das Wasser, das aus einem Sandstollen nach aussen kommt, bereits gefasst worden sein. Vergrössern könnte man, so Luterbacher, allenfalls die Kapazität des Reservoirs, das nur gerade 40 Kubikmeter gross ist und gleich neben der Quellfassung liegt.

Speziell ist, dass die Wasserversorgung in Burgäschi fast ganz ohne Strom funktioniert. Es ist eine sogenannte Niederdruckwasserversorgung. Dank des Gefälles von 54 Metern haben die Burgäscher trotz der Distanz von fast zwei Kilometern, die es zu überwinden gilt, einen Druck von rund 5 bar in ihren Leitungen, was ausreicht. Im Dorf gibt es keine Hydranten. Vor einigen Jahren mussten zwei Löschwasserbecken gebaut werden, für den Notfall. Dies war eine Auflage der Gebäudeversicherung. Und seit rund zehn Jahren wird das Wasser im Reservoir mit einer UV-Lampe bestrahlt. Damit werden Keime abgetötet. «Deswegen mussten wir auch Strom ins Reservoir ziehen.»

Viele private Nutzer

Der Steinhof wird heute mit Wasser der EWK Herzogenbuchsee AG versorgt. 1968 bauten die Berner ein Reservoir, und die meisten Einwohner auf dem Steinhof nutzten die Gelegenheit, die rund 20 Häuser, die damals standen, dort anzuschliessen. Vorher nutzen die Steinhöfer die vielen Quellen. Weit über zehn sind es. Eine der Quellen gehörte der Gemeinde und die Häuser im Dorfkern bezogen das Wasser dort. Nicht nur die Burgäscher nutzten das Wasser aus dem Steinhof. Auch die Kirche Seeberg und Hermiswil und Bettenhausen bezogen ihr Wasser aus der solothurnischen Exklave.

Noch heute gibt es Haushalte auf dem Steinhof, die nicht an der allgemeinen Wasserversorgung angeschlossen sind und nur Quellwasser haben. Und es gibt auch Einwohner, die noch vom Jahr 1947 wissen. «Da hatten wir kein Wasser mehr», erklärt Landwirt Franz-Sepp Widmer, dessen Vater Josef oft davon erzählte. Widmer bezieht sein Wasser selbst aus einer privaten Quelle, kann aber auf die Wasserversorgung umstellen, wenn es nötig ist. «Man muss Sorge tragen zum Wasser», meint Widmer nachdrücklich. Es sei ein Privileg, Wasser von einer Quelle nutzen zu dürfen. Er habe deshalb auch einiges in die Neufassung seiner Quelle investiert. «Da wir sie nur zu dritt nutzen, müssen wir Arbeiten und die Kosten auch zu dritt tragen.»

12 Hydranten gibt es in der Zwischenzeit im Steinhof. In der Gemeinde wurde in den letzten Jahren viel gebaut, und die neuen Häuser sind alle an der Wasserversorgung angeschlossen. Trotzdem mussten auch hier Löschwasserreserven angelegt werden. Und auch eine Druckwasserhöhungspumpe wurde von der Gebäudeversicherung ebenfalls vorgeschrieben.

Wasser wurde oft knapp

Der Burghof im Ortsteil Burgäschi ist ebenfalls erst seit wenigen Jahren an der öffentlichen Wasserversorgung angehängt. Vorher hatten Aeschlimanns nur eine Niederdruckversorgung. «Aber das Wasser wurde im Sommer oft knapp», so Ernst Aeschlimann. «Ich hatte meist noch Wasser, aber alle anderen nicht mehr, da ich der Erste bin, der an der Leitung angehängt ist.» Der letzte der 18 Brunnen steht immerhin auf der Höhe der katholischen Kirche.

Während das Leitungsnetz in Aeschi digital erfasst ist, wissen auch die Brunnenmeister teilweise nicht, wo die alten Leitungen in Burgäschi oder auf dem Steinhof durchführen. Nicht schlecht staunten die Baggerfahrer, als sie letztes Jahr bei den Sanierungsarbeiten im Chlöpfibeerimoos eine alte Wasserleitung ausgruben. «Diese ging früher quer durch das Naturreservat», weiss Daniel Luterbacher. Zuerst war es eine Holzleitung, dann ein Eisen- und später ein Gussrohr. 1974 wurde dann ein Kunststoffrohr vom Steinhof herab gelegt.

Solidarische Haftung

Trotz der komplett unterschiedlichen Wasserversorgungen zahlen die Einwohner der drei Dorfteile genau den gleichen Wasserpreis. Das wurde bei der Fusion zwischen Burgäschi und Aeschi so vereinbart und auch bei der Fusion mit dem Steinhof wieder so gehandhabt. «Unser Wasser wäre vielleicht etwas günstiger als das in Aeschi», meint Daniel Luterbacher. «Aber wenn wir ein Leck flicken müssen, dann hätten wir nicht genügend Reserven, um das zu bezahlen und müssten den Wasserpreis unverhältnismässig hoch anheben.» Deshalb mache es Sinn, alle gleich zu behandeln.