Selzach

Drei Schiessanlagen und zwei Vereine - trotzdem gibts Zoff

Die Schiessanlage «Hölzli» wird derzeit nicht mehr benutzt.

Die Schiessanlage «Hölzli» wird derzeit nicht mehr benutzt.

Drei Schiessanlagen und zwei Vereine gibt es derzeit in Selzach. Die Sportschützen Leberberg mit Präsident Peter Brudermann kämpfen trotzdem verzweifelt um bessere Trainingsmöglichkeiten.

Sie gehören zu den Besten weit und breit, die Nachwuchstalente der Sportschützen Leberberg. Dies, obwohl die Trainingssituation alles andere als zufriedenstellend ist. Nun hat Schützenpräsident Peter Brudermann zwar eine Reihe von Lösungsvorschlägen, um seinen Schützlingen aus der Patsche zu helfen. Zurzeit ist es aber gut möglich, dass von diesen Vorschlägen in den kommenden Wochen einer nach dem anderen zu Grabe getragen wird. Eine kurze Übersicht, bevor es ans Eingemachte geht.

Die Sportschützen Leberberg stecken in einer schwierigen Lage, seit sie sich von den Sportschützen Selzach-Altreu abspalteten. Zwar scheint die Ausgangslage kompliziert, sie lässt sich aber in einer Reihe von Feststellungen darlegen:

  • Die Leberberger formierten sich in erster Linie neu, weil sie einen «leistungsorientierteren» Schiesssport betreiben wollten, wie Peter Brudermann sagt. Das heisst, sie haben sich den olympischen Distanzen über 10 Meter und 50 Meter verschrieben. 300-Meter-Schiessen mache rund 10 Prozent des Trainings aus.
  • In Selzach gibt es zwei 50-Meter-Anlagen. Beide gehören den Sportschützen Selzach-Altreu. Die Leberberger dürfen sie nicht mitbenützen.
  • Eine dritte Schiessanlage in Selzach bietet die Möglichkeit, Zielscheiben auf 300 und 10 Metern aufs Korn zu nehmen. Das Schützenhaus gehört der Gemeinde, welche die 300-Meter-Scheiben beiden Vereinen zugänglich macht. Der 10-Meter-Stand wird momentan nur von den Selzach-Altreuern genutzt, die die Anlage nicht teilen mögen. Hier stehen Gemeinde und Vereine in Verhandlung.
  • In Selzach gibt es für die Sportschützen Leberberg somit nur gerade Zielscheiben, die 300 Meter weit weg sind. Zielscheiben, die ihnen für ihre «leistungsorientierte» Philosophie kaum etwas bringen. Für Trainingsschüsse auf kurzen Distanzen müssen die Schützen lange Distanzen in Kauf nehmen: Sie legen zum Üben Fahrten zur Anlage Schwadernau (nahe Biel) zurück.

Drei Wege aus der Misere

Diese Situation ist für Peter Brudermann nicht tragbar. «Die Ablehnung der Sportschützen Selzach-Altreu richtet sich gegen mich», stellt der Präsident fest. «Aber unsere Nachwuchstalente leiden darunter.» Unverständlich finde er, dass die Selzach-Altreuer den 50-Meter-Stand «Hölzli» nicht verkaufen oder wenigstens zur Verfügung stellen wollen. Dieser Stand werde vom anderen Verein gar nicht gebraucht.

Das «Hölzli» zu übernehmen wäre ein möglicher Ausweg aus der Misere. Brudermann hat sich aber auch andere Lösungen überlegt. Die eine hat er in Form eines Gesuchs dem Gemeinderat vorgelegt: den Umbau von Scheiben 11 bis 16 in der gemeindeeigenen 300-Meter-Anlage auf der Rüttenen zu 50-Meter-Ständen. Das Geschäft war vergangene Woche im Gemeinderat traktandiert, wurde aber nicht behandelt. Der Rat beschloss, nicht auf das Gesuch einzutreten – was auch im Interesse Brudermanns war, wie er erklärt. Zwar hatte er mit Gemeindepräsidentin Silvia Spycher vereinbart, dass das Gesuch gleich zu Beginn des Jahres behandelt werden solle. Doch zwischenzeitlich lud die Kulturkommission zu einem Infoanlass ein (siehe Kasten). Am vergangenen Mittwoch fand dieser statt. Unter anderem ging es darum, nach den Bedürfnissen der Vereine zu fragen, auch hinsichtlich Infrastruktur.

Dort wollte Brudermann zuerst einmal seine dritte Idee präsentieren: Ein neues Vereinshaus im «Unter Leim», wo sich auch seine Sportschützen Leberberg einmieten könnten. «Wir würden dort einen 10-Meter-Stand einrichten und im Aussenbereich einen gut gesicherten 50-Meter-Stand schaffen», schwärmt er. Den könnte auch der andere Schiessverein benutzen, denn man habe ja nichts gegen die Sportschützen Selzach-Altreu. Ausserdem, so Brudermann, genügen deren 50-Meter-Anlagen ohnehin nicht mehr den Richtlinien und müssten angepasst werden. Wieso also nicht das Kurzdistanzschiessen im «Unter Leim» in einer zeitgemässen Anlage konzentrieren?

Diese Frage wollte Brudermann erst einmal in den Raum stellen, bevor der Gemeinderat Beschlüsse fälle. Besagter Beschluss, Idee Nummer zwei, hätte laut Silvia Spycher aber ohnehin wenig Chancen gehabt. «Wegen der Erweiterung der Schutzzone im Bereich Wasserfassung, von der die 300-Meter-Anlage betroffen wäre, bin ich klar der Meinung, dass wir das Schützenhaus nicht weiter ausbauen», sagt sie. «Meinetwegen hätten wir das schon an der letzten Gemeinderatssitzung beschliessen können.» Sieht so aus, als wäre das Grab für Brudermanns Vision zwei bereits ausgehoben.

«Das wird nicht klappen»

Doch wie steht es nun um Variante drei? Diskutiert wurden die Ideen der Vereine noch nicht, fasst Andreas Hänggi, Präsident der Kulturkommission, die Ergebnisse des Infoanlasses zusammen. Es wurden erst Fragebogen ausgefüllt, sagt der Organisator – und die sind noch nicht ausgewertet. Die Ausgangslage für den Gemeinderat, was die Behandlung von Brudermanns Gesuch anbelangt, hat sich damit nicht verändert. Sowieso findet Silvia Spycher, vier Anlagen für zwei Schützenvereine seien kaum realistisch. Und noch viel unrealistischer finde sie die Idee, dass sich die beiden Vereine einen Schiessstand im «Unter Leim» teilen.

«Das wird nicht klappen», beschreibt Spycher die festgefahrene Situation. «Die Sportschützen Selzach-Altreu wollen einfach nicht mehr mit Brudermann sprechen.» Sie selbst sei seit einem Jahr daran, ein Reglement für die gemeinsame Benützung der 300-Meter-Anlage zu erarbeiten, damit die Vereine dort in Frieden schiessen können. «Und ich bin immer noch nicht fertig. Ein Mittwochabend kann da kaum etwas ändern.»

Auch Andreas Hänggi sagt zum Thema bloss: «Es gibt drei Schützenhäuser in Selzach für zwei Vereine. Ich denke, die sind damit gut bedient.» Der Bau einer weiteren Anlage scheint da utopisch. Bruno Unternährer, Präsident der Sportschützen Selzach-Altreu, wollte sich zu der ganzen Angelegenheit nicht äussern.

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