Biberist
Drei Künstler stellen ihre Werke im Schlösschen Vorder-Bleichenberg aus

Marianne Flück-Derendinger, Dimitra Charamandas und Esti Frei in gemeinsamer Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg.

Eva Buhrfeind
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Hanspeter Baertschi

Es sind wirklich ausgesprochen unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen, die sich im Schlösschen Vorder-Bleichenberg unter dem eher freien Titel «Following structure» zusammengefunden haben: Marianne FlückDerendinger, Dimitra Charamandas und Esti Frei. Drei sehr eigene Bildsprachen, die zeigen, wie gestalterisch frei der bildnerische Anspruch sein kann.

Unverkennbar sind wie immer die Frauenbilder von Marianne Flück. Schlicht in der nativen Expressivität auf einige wenige intensive Posen reduziert, sind die Körper Ausdruck einer unerschöpflichen Auseinandersetzung mit dem Holz und damit mit der Bildfindung im Material.

Hier zeigt Marianne Flück-Derendinger kleine und kleinste Figuren: Mütter, ausgeprägt weiblich, meist handlich gross, kräftig gefärbt in Rot oder Blau, die ihre im Holz naturbelassenen Kinder umarmen, schützen, lieben, sie aber auch tragen, mühsam schleppen.

Die typischen, dominierenden Hände stehen für Hülle und Schutz, für Stärke und Gefühl, während die übergrossen Füsse Bodenhaftigkeit versinnbildlichen.

Muttersein, das zeigen diese Figuren – die kleineren Arbeiten sind aus alten Spielholzklötzen geschaffen – einerseits als vertrautes Wechselspiel von mütterlicher Liebe und Bürde, mütterlicher Intensität und kindlicher Reinheit.

Andererseits ist ihnen eine vom Alltäglichen losgelöste Ästhetik zu eigen, ihre Frauenfiguren sind immer auch starke, in sich geschlossene Frauen. Auf sich selbst konzentriert scheinen sie nicht von dieser Zeit und doch gegenwärtig.

In den Bildtafeln, hier sind ihre Frauenfiguren als feingliedrige Konturen geritzt, spielt Marianne Flück zeichnerisch mit einer inneren akrobatischen Bewegtheit. Auch diese Frauen sind Momente der Befindlichkeiten und Gefühle.

Dimitra Charamandas – sie war im Frühjahr in Balsthal zu sehen – lotet in ihren Bildern Grenzsituationen zwischen einer definitiven Geschichte – meist sind es philosophische Recherchen über Erlebtes – und einer sich auflösenden malerischen Stimmung aus.

Dazu mäandert sie in ihrer malerischen Haltung zwischen Regel und Bruch, zwischen objektiven und subjektiven Betrachtungen – inhaltlich wie formal, malerisch eindeutig oder sich entziehend.

Das eine Thema hier ist die Natur, landschaftliche Ereignisse, Kräfte und Verschiebungen, Spannungen unter der Oberfläche, Spuren auf der Oberfläche, von Menschen hinterlassen, die aufeinander wirken. Fragmentarische Momente, die sie aus dem Kontext herauslöst, malerisch neu zusammensetzt und so das gewohnte Sehen irritiert.

Mit auf Tücher geschriebenen Texten gibt die junge Künstlerin dezente Hinweise auf ihre nicht immer offensichtlichen Bildabsichten. Das andere Thema sind Menschen, Räume, Orte.

Hier nimmt sie Erlebtes und malt im Atelier das gebliebene Bild: Momentaufnahmen, die sie aus dem Kontext herauslöst, reduziert oder mit abstrakten Elementen objektiviert. Das Eindeutige wird zu einer neuen, individuellen Lesbarkeit inszeniert.

Einen Kontrapunkt setzt Esti Frei mit ihren poetisch-filigranen Inhalten. Schlichte, weich konturierte Körper, amorphe oder geometrische Gebilde scheinen in den meist monochromen Bildhintergründen zu schweben, leicht verborgen unter feinsten Geflechten, zarten Nestern und kokonartigen Netzwerken aus mit dem Stift gezogenen oder dem Messer hineingekratzten, fadengleichen Linien, oft im zarten Kontrast weisser und grauer Nuancen.

Getragen von kaum merklichen Schwingungen erreichen diese variationsreichen Bildgeschehen eine gewisse mystische Tiefenwirkung, deren Spannung gleichzeitig eine leise, ästhetisierte Harmonie erzeugt.

Esti Frei, in Deitingen geboren und aufgewachsen, in Sellenbüren/Stallikon beheimatet, bevorzugt bei ihrer Malerei die direkte Arbeit mit den Händen, Pinsel setzt sie nur selten ein.

Sie möchte den Mal-Akt sichtbar und taktil spürbar machen, wenn sich in ihren Bildern der intensive Prozess zu einem vielschichtigen Ganzen entwickelt: ein Netzwerk aus Lebenslinien und Lebensfurchen, verwobener Natur und deren Geheimnissen.

Ihr bevorzugtes Material ist das Öl, die Farbpalette entspricht mit den gedeckten Tönen, in die sie auch schon mal Lachsfarben, Blau oder Grün hineinspielen lässt, selbst mit kräftigeren Farben den differenzierten Stimmungen.

Bis 6. 12. Mi und Do 16–19 Uhr, Sa und So 14–18 Uhr. Matinee Sonntag, 22. 11., 11 Uhr, mit Lia Sells Fish. Performance & DJ-Set, Freitag 4. 12., 18 Uhr, Laura Maj & DJ D.O.B.

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