Drei Höfe
Landschaften als Ausdruck innerer Bilder

Die Solothurner Franziska Leuppi und Martin Tresch stellen im Näijerehuus in Hersiwil aus.

Vanessa Simili
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Franziska Leuppi und Martin Tresch.

Franziska Leuppi und Martin Tresch.

Vanessa Simili

Eine Vernissage im herkömmlichen Sinne durfte es noch nicht sein. Stattdessen fand in einem kleinen, fast familiären Rahmen die Eröffnung der aktuellen Ausstellung im Näijerehuus statt. Rund ein Dutzend Besucherinnen und Besucher nutzten die Möglichkeit einer persönlichen Begegnung mit den Solothurner Kunstschaffenden Franziska Leuppi und Martin Tresch.

Zwei Gemeinsamkeiten vorneweg: Beide malen seit jeher. Und beide vorwiegend Landschaften. Als Jugendliche sei für Franziska Leuppi früh klar gewesen, dass sie einen Beruf erlernen will, in dem sie auch zeichnen kann, sagt sie. Als Porzellanmalerin hat sie die feine Handwerkskunst erlernt, deren Spuren in ihren Bildern immer wieder zu erkennen sind.

«Es sind Stimmungen, die mich faszinieren, ein bestimmtes Licht, eine Landschaft, die mich fesseln»,

so Leuppi, die heute als Sozialpädagogin tätig ist.

Auf der Leinwand, etwa beim Modellieren mit der Ölfarbe, entwickle sich das Bild in manchmal ungeahnte Richtungen. Die Landschaft, die sie anfänglich inspirierte, wird dann ergänzt durch Elemente aus ihrer eigenen inneren Bilderwelt; sie legen sich wie ein Film darüber, und es entstehen Bilder, die Georg Schmid in seiner Ansprache «Traumbilder» nennt. «Traumbilder» deshalb, weil sie mystische Elemente beinhalten, die tatsächlich etwas Traum- oder Fabelhaftes, manchmal gar Symbolhaftes enthalten. Etwa dann, wenn sich auf einem Winterfeld Wölfe tummeln. Während der Coronazeit habe sie versucht, auch das Positive zu sehen, beispielsweise wie sich die Umwelt aufgrund der Massnahmen langsam zu erholen begann. «Und ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn wir wieder Wölfen begegnen würden.»

Landschaft wird zur Seelenlandschaft

Während Leuppi mit feinem Pinselstrich nach einer detailreichen, manchmal märchenhaft anmutenden malerischen Umsetzung strebt, abstrahiert Tresch. Sein virtuoser Pinselstrich scheint sich im Duktus beinahe zu verselbstständigen. Meist in Öl, teilweise auch in Mischtechnik auf Leinwand, Holz oder Karton, zeigen die ausgestellten Bilder Tessiner Landschaften. Dort, im Bleniotal zwischen Biasca und Lukmanierpass, verbringt Tresch viel Zeit, in einem Haus, das seit 70 Jahren in Familienbesitz ist. Er malt dort draussen im Garten, in der Natur, aber auch ab Fotografie. Die sichere Hand scheint sich von Zeit zu Zeit fast gänzlich von der Vorlage zu befreien. Es sind innere Bilder, die sich in der Abstraktion erst manifestieren. Die Landschaft wird manchmal zur Seelenlandschaft, in dem Sinne, als dass das gemalte Bild als Akt einer Expression, eines inneren Ausdrucks zu verstehen ist. Und je freier die malende Hand, desto stärker entfaltet sich die den Bildern innewohnende Kraft. Martin Tresch hat nach vielen Jahren als Drogist und Inhaber einer Drogerie in Solothurn parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit die Schule für Gestaltung in Bern besucht und die Techniken der bildenden Kunst von Grund auf erlernt; er pflegt sie bis heute.

Die aktuelle Ausstellung ist die zweitletzte, für die Georg Schmid verantwortlich zeichnet. Er hat die Eröffnung zum Anlass genommen, seine Nachfolgerin Franziska Kindler aus Oekingen vorzustellen. Sie wird ab August 2021 sämtliche Aktivitäten organisieren.

Hinweis
Die Ausstellung ist bis zum 16. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Fr 17–20 Uhr, Sa/So 14–17 Uhr. Das Konzert mit Helmut Zipperlen und Thomas J. Steinbeck am 2. Mai, 17 Uhr, kann voraussichtlich stattfinden. Es stehen 30 Plätze zur Verfügung. Um Anmeldung wird gebeten, telefonisch unter 079 282 73 40 oder per E-Mail an georg.schmid@bluewin.ch.