Drei Höfe / Hersiwil
Die neue Kuratorin in der Galerie Näijerehuus ist erstmals in der Rolle der Gastgeberin


Franziska Kindler Liechti will als Kuratorin die Galerie Näijerehuus Hersiwil bekannter machen. Die ausgebildete Schauspielerin freut sich darauf, anderen die Bühne zu überlassen.

Vanessa Simili
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Franziska Kindler: Leiterin Näijerehuus Hersiwil.

Franziska Kindler: Leiterin Näijerehuus Hersiwil.

Hansjörg Sahli

In ihre neue Aufgabe ist Franziska Kindler Liechti (53) eher zufällig reingerutscht, über berufliche Kontakte ihres Mannes. «Ich habe vernommen, dass das Näijerehuus über ein Jahr lang eine Nachfolge für Georg Schmid suchte», erzählt sie bei einem Treffen im denkmalgeschützten Haus. Auch sie war auf der Suche. Nach einer neuen Aufgabe. «Jetzt, da die Kinder mit Ausnahme des jüngsten Sohnes alle erwachsen sind, habe ich Lust auf etwas Neues», so Kindler Liechti.

Obwohl sie bisher beruflich nicht direkt mit der bildenden Kunst zu tun hatte, freut sich die ausgebildete Schauspielerin auf ihre neue Rolle als Gastgeberin im Näijerehuus. Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern knüpfen, Ausstellungen organisieren, Gäste willkommen heissen und ein Team von Helferinnen und Helfern koordinieren – das liegt ihr. «Das Familiäre und Unkomplizierte des Näijerehuus sagt mir sehr zu», so Kindler Liechti. Anders als ihr Vorgänger ist sie von der Stiftung Pro Hersiwil in einem flexiblen 20 Prozent-Pensum angestellt.

Neue Ideen für den Kulturort

Ihre erste Ausstellung im Näijerehuus hat sie mit Margarita Flad aus Balsthal und Melanie Knolmayer aus Jegenstorf vorbereitet. Die beiden Künstlerinnen seien ihr aufgefallen, als sie in den Unterlagen und Publikationen geblättert habe, die sie von Georg Schmid übernommen hat. Bereits beim ersten Treffen mit den Künstlerinnen habe sich bestätigt: «Ich mag Geschichten. Die Geschichten dieser beiden Frauen, ihre Persönlichkeiten, beeindrucken mich.»

Dass sie als Kuratorin hier den Künstlerinnen und Künstlern die Bühne überlässt, ist ihr bewusst. Mehr noch, sie freut sich darauf. Neu erscheint ihr das nicht. Als Mutter sei sie sich gewohnt, anderen eine Plattform zu geben. «Zu schauen, wer was braucht und was wie entstehen kann, das gibt mir Kraft.» Mit dieser Haltung hat sie bereits im Februar begonnen, sich einzulesen und einzuleben. «Hier gibt es viele Möglichkeiten unter anderem auch die, den Kulturort bekannter zu machen», ist sie überzeugt.

Eine Idee, die bereits Form annimmt, liegt im Bereich der Jugendförderung. Mit ihrer Nichte Katharina Liechti aus Luterbach plant sie eine Ausstellung für Junge, die künstlerisch tätig sind. «Katharina hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, genauer am Institut für Lehrberufe, diesen Sommer ihren Master of Arts abgeschlossen und hilft mit, dieses Projekt aufzuziehen», so Kindler Liechti.

Im Näijerehuus wollen sie Arbeiten der jungen Künstlerinnen und Künstler ausstellen und verkaufen – und dabei auf die übliche Provision verzichten. «Die Ausstellenden bringen ihre Freunde mit, und dadurch kann die Reichweite vergrössert werden. Spezifisch für dieses Projekt gelte es noch Sponsoringpartnerschaften zu finden», so Kindler Liechti.

Grossstadtjahre in London und München

Als Schauspielerin war Kindler Liechti in den vergangenen Jahren immer wieder in Produktionen in der Region und darüber hinaus zu sehen, etwa mit der Theatergruppe Burgdorf, an den Freilichtspielen Solothurn, im Theater an der Effingerstrasse, Bern, und im Schloss Jegenstorf.
Kindler Liechti ist in Riedholz aufgewachsen.

Nach einem Studienjahr in Bern, in den Fächern Englisch und Deutsch, zog es sie nach einem Sommerkurs über Shakespeare nach London an die Academy of Performing Arts. Eine weitere Ausbildung an der Schauspielschule Zerboni in München und erste Engagements folgten. Während der Schwangerschaft des zweiten Kindes kehrte Kindler Liechti zurück in die Region, wo ihr Mann bereits damals als Physiker selbstständig tätig war. Seit 2001 lebt sie mit ihm und den vier Kindern zwischen 13 und 24 Jahren in Oekingen «in einem Haus mit einem grossen, wilden Garten».

Hinweis: Vernissage der Ausstellung Margarita Flad und Melanie Knolmayer: Freitag 20. August, 19 Uhr. www.n-h.ch

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