Drei Höfe
Die Gemeinde möchte wachsen, aber schrittweise und mit Mass

Im «Chrüzfeld» in Heinrichswil könnten 25 neue Einfamilienhäuser gebaut werden. An der Gemeindeversammlung wurde dem Kauf der Parzelle zugestimmt.

Marlene Sedlacek
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Die Tannenbaumkultur bleibt bestehen, aber die alten Gewächshäuser müssten den Neubauten weichen.

Die Tannenbaumkultur bleibt bestehen, aber die alten Gewächshäuser müssten den Neubauten weichen.

Rahel Meier

Um nur 43 Personen ist die Gemeinde Drei Höfe in den letzten 20 Jahren gewachsen. Das räumliche Leitbild sieht weiterhin eine moderate Entwicklung der Bevölkerung vor. Doch ohne eine gewisse Bautätigkeit würde die Einwohnerzahl schrumpfen. Dies ist für die Gemeindepräsidentin Daniela Häberli keine Option. Denn um die Schule zu erhalten, Tagesstrukturen auf die Beine zu stellen oder die Anbindung an den öffentlichen Verkehr zu gewährleisten, sei eine bestimmte Bevölkerungsanzahl nötig, ist sie überzeugt.

Vorkaufsrecht für eigene Bevölkerung

Mit dem Kauf des Gewerbelands Chrützfeld der Wyss Samen und Pflanzen AG sieht Häberli eine riesige Chance, diese massvolle Entwicklung fortzusetzen. Die Gemeinde hätte die Möglichkeit, die parzellierten Grundstücke nicht alle gleichzeitig zu veräussern. Dabei würde der eigenen Bevölkerung ein Vorkaufsrecht eingeräumt.

Eine Zusicherung vom Amt für Raumplanung für die Umzonung des Gewerbelands in eine Wohnzone W2 liege vor, bestätigte Häberli. Auf dem 11'000 Quadratmeter grossen Landstück sollen zirka 25 Parzellen entstehen, legte Uriel Kramer (W+H AG) dar. Ziel sei es, mit der Überbauung Wohnraum für junge Menschen und Senioren zu fördern. Dafür soll eine Bebauungsstudie in Auftrag gegeben werden, welche der Bevölkerung wieder zur Mitwirkung präsentiert würde.

Keine Urnenabstimmung für den Kauf

An der Gemeindeversammlung galt es nun, über den Landkauf für 1,28 Mio. Franken abzustimmen. Dies für das Grundstück und einen Landstreifen zwischen Heinrichswil und Hersiwil für die Erstellung eines sicheren Fuss- und Velowegs entlang der Kantonsstrasse. Aus der Versammlung tauchten einige Zweifel am Vorhaben auf. Einzelne kritisierten die Lage. «Zu weit von der Schule weg», «gegen aussen statt gegen innen verdichtet», waren Voten.

Eine Neueinzonung eines anderen Grundstücks sei beim Kanton jedoch schwierig durchzubringen, befürchtete Kramer. Hingegen sei eine Umzonung von Gewerbe- zu Wohngebiet möglich.

Eine Einwohnerin fand es nicht repräsentativ, wenn ein kleiner Teil der Bevölkerung über einen so hohen Betrag abstimmt. Sie beantragte eine Urnenabstimmung, dem jedoch nur sieben der 42 anwesenden Stimmbürger und Stimmbürgerinnen folgten, was das geforderte Drittel verfehlte. Mit 36 Ja- und zwei Nein-Stimmen befürwortete der Souverän den Landerwerb.

Ertragsüberschuss für 2020

Finanzverwalterin Jacqueline Wenger präsentierte die Jahresrechnung 2020, die bei Ausgaben vom 2,745 Mio. Franken mit einem Ertragsüberschuss von 389'726 Franken ­abschloss. Dieses gute Resultat sei vor allem durch die Kostentreue und den hohen Beitrag aus dem Finanz- und Lastenausgleich zustande gekommen, erklärte die Gemeindepräsidentin. Zudem lagen die Steuereinnahmen 174'000 Franken über dem Budget. Die Investitionen beliefen sich netto auf 105'807 Franken.

Kennzahlen zur Rechnung 2020 Drei Höfe

Rechnung 2019 Rechnung 2020
Erfolgsrechnung
Gesamtaufwand 2’723 2’745
Gesamtertrag 3'181 3’134
Jahresergebnis 458 389
Steuereinnahmen nat. Pers. 2’064 2’044
Steuereinnahmen jur. Pers. 15 43
Übrige Steuereinnahmen 119 108
Gesamtabschreibungen (inklusive Spezialfinanzierung) 56 58
Investitionsrechnung
Investitionsausgaben 369 144
Investitionseinnahmen 96 38
Nettoinvestitionen 273 106
Weitere Kennzahlen
Steuerfuss nat. Pers. 115 115
Steuerfuss jur. Pers. 100 100
Selbstfinanzierungsgrad 190 424
Eigenkapitaldeckungsgrad 126 139
Netto-Vermögen pro Kopf 4’490 5’011

Zustimmung erhielt auch der Antrag des Gemeinderates, den Mindestkaufpreis für das alte Schulhaus Heinrichswil zu senken. Angesichts des desolaten Zustands der Liegenschaft habe sich kein Käufer für 550'000 Franken gefunden, erklärte Gemeinderätin Rosalie Stettler. Es liege jedoch eine Finanzierungszusicherung einer jungen Familie für 520'000 Franken vor.

Eine konsultative Abstimmung zeigte mit 33 Ja-Stimmen eine Akzeptanz der Bevölkerung für die Aufstockung der bestehenden Mobilfunkantenne auf. Die Swisscom plant, die Antenne der Salt im Mösli um fünf Meter zu erhöhen und eigene Anlagen anzubringen.