Drei Höfe
Abstrakte Malerei zweier Künstlerinnen im Näijerehuus

Mit einer gut besuchten Vernissage startete die Ausstellung «Begegnung von starken Frauen und Farben» von Margarita Flad (Balsthal) und Melanie Knolmayer (Jegenstorf) im Näijerehuus. Zu sehen sind abstrakte Malereien zweier Künstlerinnen.

Vanessa Simili
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Arbeiten von Margarita Flad im Näijerehuus.

Arbeiten von Margarita Flad im Näijerehuus.

Hanspeter Bärtschi / Solothurner Zeitung

Franziska Kindler Liechti konnte an die 40 Besucherinnen und Besucher zu ihrer ersten Vernissage in Hersiwil begrüssen. Der Start war im Dachraum, wo Christoph Studer auf der Gitarre mit musikalischen «Tapas» die Vernissage eröffnete.

Hier entfalten Margarita Flads Bilder eine unbändige Kraft. Vorherrschend sind Rot- und Gelbtöne, eine Gruppe von drei Bildern aber bewegt sich in der Palette eines satten, kräftigen Blaus: «Sirenengesang» ihr Titel. Energiegeladen und wuchtig vermögen sie den Raum zu füllen.

Eines der Bilder in sattem, kräftigen Blau: «Sirenengesang» ist der Titel.

Eines der Bilder in sattem, kräftigen Blau: «Sirenengesang» ist der Titel.

Hanspeter Bärtschi

Arbeiten entstanden während der Pandemie

Die rot-gelben Bilder gehören zur Serie «Phoenix», die Flad für die Gruppenausstellung «überleben» von Ende 2020 im Schlösschen Vorder-Bleichenberg Biberist gemalt hat. Ein Vogel, der in Flammen aufgeht und aus seiner Asche neu aufersteht. Diese Arbeiten sind genauso wie die blaue Werkgruppe während der Pandemie entstanden. Es sind mit Acryl auf Leinwand gemalte und gespachtelte Bilder, die der Betrachterin mit einer gewaltigen Dynamik begegnen.

Aufeinandertreffen von Figuren

Begegnung ist der Künstlerin denn auch ein Thema; fünf Bilder mit dem gleichnamigen Titel nehmen das Thema explizit auf. Mitten in der abstrakten Komposition von kräftigen Farben sind deutlich Konturen von Figuren zu erkennen.

Neben dem Aufeinandertreffen der Figuren an sich scheint die Malerin die entstehende Energie und Dynamik der Gruppe aufzugreifen. Das, was in zwischenmenschlicher Hinsicht geschieht, wenn Menschen einander begegnen.

Atelier steht in Balsthal

Geometrisch komponierte, kantige menschliche Figuren auf schmalen Stelen aus Plexiglas ergänzen die Ausstellung. Auch die Tuschezeichnungen im hinteren Teil des Dachraums zeugen von einem In-Bewegung-Sein, einer inneren Kraft und Dynamik.

Franziska Kindler Liechti.

Franziska Kindler Liechti.

Hansjörg Sahli

Die im Elsass geborene Künstlerin arbeitet heute in Balsthal, in einem, wie Kindler Liechti sagt, beeindruckenden Atelier auf drei Stockwerken. Einige ihrer Arbeiten sind in öffentlicher Hand, etwa im Schulhaus Falkenstein, Balsthal. Andere sind öffentlich zugänglich, wie etwa in der Raiffeisenbank, Balsthal, der SoBa-Schalterhalle, Balsthal, der UBS, Olten sowie in der Kaffeehalle, Solothurn.

Aufgrund eines Bruchs an der Bandscheibe konnte Margarita Flad nicht an der Vernissage teilnehmen.

Mehrschichtig in die Tiefe

In einem zweiten Teil bittet Kindler Liechti das Publikum in die ehemalige Wohnung des Näijerehuus. Hier sind Melanie Knolmayers Werke zu sehen. Diese zeugen ebenfalls von Stärke, wenn auch in einer ganz anderen Weise. Es sind leisere Bilder, die durch eine Mehrschichtigkeit sowohl in der Farbpalette als auch in der Themenvielfalt eine Tiefe entwickeln.

Melanie Knolmayer in der ehemaligen Wohnung des Näijerehuus.

Melanie Knolmayer in der ehemaligen Wohnung des Näijerehuus.

Hanspeter Bärtschi

Kindler Liechti fragt an der Vernissage nach dem Schlüsselmoment, in dem Talent zu Leidenschaft werde. «Bei Melanie Knolmayer ist das mit fünf Jahren passiert», sagt Kindler Liechti. «Als sie von Wien, ihrem Geburtsort, ins Norddeutsche Kiel umziehen musste». Hinter sich lassen musste sie nicht nur ihr Kleinkinderumfeld, sondern auch ihre beste Freundin Helga, ist zu erfahren.

«Um dieses einschneidende Erlebnis zu verarbeiten, musste Melanie zeichnen. Auf meterlangem Computerpapier mit den gelochten Rändern hat sie meterlange Zeichnungen gemacht, immer mit ähnlichen Sujets: Helga und sich, sich und Helga, der Umzugswagen und ihr Haus in Wien.»

Später, im Teenager-Alter, ein erneuter Umzug, diesmal von der Ostsee nach Bern. «Mehrere Unfälle prägten ihr noch junges Leben, ständige Schmerzen führten zum Abbruch eines Medizin-Studiums.» Das grosse Interesse von Kindler Liechti für die Lebensgeschichten ihrer Ausstellenden manifestiert sich auch in ihrer Ansprache.

Immer wieder Frauenfiguren

Mehrheitlich abstrakt, mit einer grossen Farbpalette, reich an Nuancen, malt Knolmayer mit Acryl und Ölfarbe, sie verwendet darüber hinaus auch Tusche, Kreide, Kohle, Steinmehl, Asche, Bitumen und Wachs. In den vielschichtig gemalten Bildern tauchen immer wieder Frauenfiguren auf, mal sind es mehr oder weniger deutlich zu erkennende Körper, mal Gesichter, genauer Mädchengesichter – in die Malerei hineingezeichnet.

Melanie Knolmayer zeichnet immer wieder unbewusst Figuren.

Melanie Knolmayer zeichnet immer wieder unbewusst Figuren.

Hanspeter Bärtschi

So unterstreicht die Künstlerin an der Vernissage denn auch ihre intuitive Arbeitsweise dahingehend, dass manchmal Sujets entstünden, die sie beim Malen gar nicht bewusst beabsichtigt habe.

Ausstellung bis 12. September 2021 zu sehen. Konzert von Mark Rudin am 29.8., 17 Uhr. Szenische Lesung «Genie und Wahn – in Wort und Ton» am 5.9., 18 Uhr. Weitere Infos unter www.n-h.ch.

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