Dorfpolitik
Luterbach möchte die Bevölkerung einbeziehen – sie soll auch bei den Kommissionen mitreden

Jetzt will Luterbach eine neue Kommissionen gründen, um etwa 2068 energieautark zu werden.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen
Energieautark: Auf Luterbacher Gemeindegebiet verläuft beispielsweise eine Fernwärmeleitung.

Energieautark: Auf Luterbacher Gemeindegebiet verläuft beispielsweise eine Fernwärmeleitung.

MT

Luterbach hat einen Zukunftsrat und Luterbach hat seinen Gemeinderat vor vier Jahren nicht verkleinert, sondern im Gegenteil vergrössert. Die Absicht, die diese beiden Behördenänderungen begleitete, war es auch: «Wir wollen mehr Einwohnerinnen und Einwohner in die Belange der Gemeinde miteinbeziehen», wie Gemeindepräsident Michael Ochsenbein es formuliert.

Das ist nicht der einzige Grund, aber auch ein wichtiger für die nächste Initiative. Luterbach soll mehr Kommissionen erhalten. «Es ist nicht so, dass die Leute nicht mitwirken wollen», vermutet Ochsenbein. «Das oft propagierte Desinteresse hat auch eine gewisse Logik. Es gibt immer weniger politische Ämter.» Etliche Kommissionen seien beispielsweise in der Werkkommission zusammengefasst worden, und Schulkommission oder Finanzkommission wurden abgeschafft.

Vernehmlassung in der Bevölkerung

Die Schaffung neuer Kommissionen war bis jetzt erst in der Arbeitsgruppe der Fraktionspräsidenten ein Thema. Der Gemeinderat ist noch nicht involviert. Und bereits geht der Gemeindepräsident an die Öffentlichkeit und startet eine Art Vernehmlassung im «Azeiger». Er fragt, welche Aufgaben die neuen Kommissionen übernehmen sollten. «Die Einwohnerinnen und Einwohner sollen schon in der Entstehung der Kommissionen miteinbezogen werden», begründet er das Vorgehen, und wer weiss, vielleicht würden sich bereits Interessierte finden.

Teils verschiedene Beweggründe haben zu den Vorschlägen für die neuen Kommissionen geführt. Die Märet-Kommission könnte das Dorfleben mit einem Monatsmarkt – als Beispiel – attraktiver machen. «Wir haben eine Gemeinderätin, die beruflich als Marktfahrerin unterwegs ist und diese Idee einbrachte», erklärt der Gemeindepräsident.

Ein eher kümmerliches Dasein friste der Umweltschutz innerhalb der Planungs- und Umweltschutzkommission. «Jetzt hat der Zukunftsrat aber ein Ziel gesetzt. Luterbach soll in 50 Jahren Energie autark sein. Da lohnt es sich, eine eigenständige Kommission dafür einzusetzen.» Ähnlich verhalte es sich mit dem Thema Alter. «Wir hatten früher schon mal eine Gruppe, die sich mit Altersanliegen auseinandersetzte.» Die Sozialkommission beschäftige sich aktuell mehr mit dem
Sozialwesen und weniger mit Altersfragen. Deshalb wird im «Azeiger» gefragt, welche Aufgaben eine Senioren-Kommission übernehmen soll.

Eine vierte Kommission soll das Thema Integration beackern. «Der Kanton hat das Aufgabengebiet Start. Integration aufgegleist, das bisher ein Projekt der Gemeindeverwaltung ist.» Im Bildungsbereich sei die Gruppe «Eltern mit Wirkung» tätig, die in der Integration tätig ist und Kontakte schafft. Und auch der Gemeinderat habe diesbezüglich Wünsche. «Wir wollen Menschen, die kommen und bleiben und die wir möglichst schnell integrieren sollten. In den Vereinen, in der Dorfgesellschaft. Das gilt für alle Zuzüger.» Hier sei man aber in den letzten Jahren nicht vorangekommen. Deshalb lohne es sich, eine Integrationskommission zu gründen, die sich dieser Aufgabe annimmt. Die Kommission soll aber ihre Aufgaben selber erarbeiten.

Noch sei nichts entschieden, schreibt der Gemeindepräsident in seinem Aufruf zur Vernehmlassung. «Alles kann man verändern und auch ablehnen.» Er sei aber überzeugt, dass es in Luterbach Menschen gibt, die Interesse haben werden, die neuen Felder zu beackern.