Bucheggberg

Dorfläden hoffen auch nach der Coronakrise weiterhin auf lokale Einkäufe

Bäcker- und Konditormeister Christian Ingold stellte in der Coronakrise ein verändertes Einkaufsverhalten fest.

Bäcker- und Konditormeister Christian Ingold stellte in der Coronakrise ein verändertes Einkaufsverhalten fest.

Unter dem Eindruck der Coronakrise verzeichneten die Dorfläden im Bucheggberg mehr Umsatz.

Der Bucheggberg ist umgeben von zahlreichen Einkaufszentren – beginnend beim Shoppyland in Schönbühl bis weiter in Biberist, Grenchen und Büren an der Aare. Einkäufe der Buechibärger wurden bislang häufig in Verbindung mit dem Hin- oder Rückweg zu oder von der auswärtigen Arbeitsstelle getätigt.

Unter dem Eindruck der Coronakrise änderte sich das Einkaufsverhalten indes abrupt. «Wir erlebten wesentlich höhere Kundenzahlen», berichtet Bäcker- und Konditormeister Christian Ingold aus Lüterkofen-Ichertswil.

Er bietet neben Backwaren aller Art auch eine Auswahl an Lebensmitteln und für Stammkunden einen Hauslieferdienst. In dieser Woche will er seinen Kunden mit einer gebackenen Überraschung für ihre Treue danken.

Es wurde mehr eingekauft und mehr gekocht

Bedeutend mehr Umsatz ergab sich auch bei Marianne und Ruedi Meister, die ihr 290 Quadratmeter grosses Geschäft als «Lebensmittel-Vollversorger für den täglichen Bedarf» in Messen als Denner-Partner führen. Für Miriam Ruch-Trittibach (Dorfladen und Café Lüterswil-Gächliwil) sind die Gründe für den spürbaren Zuwachs an Kundschaft klar.

Das bestätigt auch ihr im Geschäft mitarbeitender Vater Urs: «Die Bevölkerung hat grossen Respekt vor dem Virus, fürchtete sich vor Ansteckung und mied die Anonymität von Einkaufszentren mit Publikumsandrang». «Unsere Kundschaft hat die Nähe zu unseren Dorfläden und deren hygienische Kalkulierbarkeit wieder schätzen gelernt.»

Nicht nur aus Solidarität mit den lokalen Anbietern wurde mehr eingekauft, sondern weil durch Homeoffice und Homeschooling viele Familien zu Hause blieben und regelmässig verpflegt sein wollten. Mehr gekocht wurde auch, weil die Restaurants coronabedingt geschlossen waren.

In der Krise auch neue Kunden gewonnen

Mehrheitlich Angehörige seiner Stammkundschaft aus Messen doch auch etliche Neukunden aus der Region, die übersichtliches und dezentrales Einkaufen schätzten, sah Peter Moser von der gleichnamigen Feinbäckerei und Confiserie in Messen. Neben Backwaren umfasst sein Angebot Lebensmittel und Früchte, die er auch in einem Hauslieferdienst anbietet.

Zudem hatten auf Anmeldung hin Personen aus den Risikogruppen im Geschäft die Möglichkeit, geschützt in Randzeiten einzukaufen. Mit dem vermehrten Bedarf der Kundschaft an Lebensmitteln konnte die Schliessung seines angegliederten Cafés finanziell zumindest etwas kompensiert werden.

Mehr Kunden verzeichnete auch die von Hedi und Urs Zürcher geführte Dorfmetzg in Messen. «Auf Catering, unser zweites wichtiges Standbein sowie auf die Fleischlieferung an Restaurants mussten wir aber leider verzichten, was uns schon eine kräftige Umsatzeinbusse bringt», sagen beide.

Zudem ist das für diesen Sommer geplante Turnfest in Messen abgesagt, und auch weitere von Zürchers belieferte Outdoor-Festaktivitäten finden nicht statt. «Wir können die dadurch entstandenen finanziell schmerzlichen Verluste zum Glück tragen, weil wir fast ohne zusätzliches Personal auskommen.»

Man hoffe, bisherige und neu gewonnene Kunden vor allem durch die Qualität der Produkte zu überzeugen und auch zukünftig zu halten.

Deutlich mehr Einkäufe bewältigte auch die Volg-Filiale in Schnottwil, die laut Geschäftsführerin Sabrina Schluep über ein Komplett-Angebot an Lebensmitteln sowie einen Heimliefer-Onlineshop verfügt.

Die beiden Bäcker Ingold und Moser stellen sich mit dem Übergang in die «neue Normalität» auf wieder leicht sinkende Verkaufszahlen ein. «Aber vielleicht findet trotz wieder zunehmender Mobilität doch ein gewisses Umdenken statt, das zu spürbarer Nachhaltigkeit führen könnte.»

Die Dorfläden erleben mehr Wertschätzung

Die Bevölkerung habe gemäss Ruedi Meister die Dorfläden und ihr Angebot vor Ort wieder schätzen gelernt und dies auch in dankbaren Worten den Ladenbetreibern und ihren kräftig geforderten Laden-Teams gegenüber zum Ausdruck gebracht.

Er habe sich nicht nur über die Solidarität gegenüber den örtlichen Detaillisten, sondern über diejenige zwischen den Generationen sehr gefreut. In Messen etwa waren Mitglieder eines «Helfer-Pools» im Einsatz, die für Senioren einkauften. Bewährt habe sich auch, dass im Geschäft Bestellungen zusammengestellt und über eine Monatsrechnung bezahlt werden konnten.

«Dass das Dorfleben durch die weiteren Lockerungen und durch die Öffnung der Restaurants wieder Schwung bekommt, ist ein weiterer Gewinn für uns alle», zeigen sich Geschäftsinhaber erfreut.

Auch wenn gegenwärtig nur die Hälfte der Sitzplätze im Café besetzt werden könne, sei dies, so Peter Moser, doch ein wichtiger Schritt zurück zum normalen Leben. Und weiterhin möchten alle Dorfläden vor allem mit ihrem persönlichen Service überzeugen.

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