Luterbach
Dorfbewohner schreiben Geschichte

Die Vernissage zum neuen Band von «Heitere und besinnliche Dorfgeschichten»in Luterbach zog 180 Interessierte an.

Agnes Portmann-Leupi
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Der Dorfpfarrer (Michael Ochsenbein) hat mit dem frechen Mundwerk von Verdingbub Köbi (gespielt vom 70-jährigen Kurt Ochsenbein) so seine Mühe.

Der Dorfpfarrer (Michael Ochsenbein) hat mit dem frechen Mundwerk von Verdingbub Köbi (gespielt vom 70-jährigen Kurt Ochsenbein) so seine Mühe.

Michel Lüthi

Die Idee für den Band 6 der Luterbacher Buchreihe gab eigentlich Elisabeth Pfluger. Die Volkskundlerin und Sagensammlerin erzählte im Dorf Geschichten über Luterbach. Erfreulich stellte sich dabei heraus, über welch verborgenes Wissen die Dorfbewohner selber verfügen.

Diese schlummernden Fähigkeiten rüttelte der Verein Historisches Erbe (VHE) wach. Die neun Vereinsmitglieder – Armin Gugelmann, Jürg Nussbaumer, Kurt und Michael Ochsenbein, Bernd Schultis, Markus Schwab, Stephan Srsa, Rolf Weber und Hans Peter Zuber – versandten daher Briefe und Mails an die Dorfbewohner, um Geschichten für das geplante Buch zu erhalten. «Das Echo war überwältigend, einfach phänomenal», freut sich der Gemeindepräsident Michael Ochsenbein noch heute. «Bei späteren Treffen zu einem Gläschen Wein und gutem Essen sprudelten die Worte der Eingeladenen», erzählte er.

Daraus entstanden ist ein lesefreundlicher und reich illustrierter sechster Band «Es war einmal in Luterbach – Heitere und besinnliche Dorfgeschichten». Nicht weniger als 68 Personen haben entweder als Autoren die Geschichten selber verfasst oder aber ihre Anekdoten geliefert.

Vernissage mit Theateraufführung

Müsterchen aus dem Buch las Pfarrer Rolf Weber vor. Er berichtete von Noldi Müllers schwerem Unfall, dem dabei beide Hände abgerissen wurden. Dieser habe aber weiter am Dorfleben teilgenommen. Seine Erklärung, warum er an Festen weiterhin den Grill bediene, war: «Ich bin der Einzige, der sich dabei nicht die Finger verbrennen kann.»

Verdingbub Köbi findet bei einer Familie mit fröhlichen Kindern Unterschlupf.

Verdingbub Köbi findet bei einer Familie mit fröhlichen Kindern Unterschlupf.

Michel Lüthi

Zu vernehmen war, dass Käser Ernst Gerber der grösste Playboy des Dorfes gewesen sei. Kaum habe er mit seinem Gefährt angehalten und gepfiffen, seien unzählige Frauen herbeigeströmt. Das Buch ist mit über 300 Anekdoten in 14 Kapitel unterteilt, darunter: «E gschaffigi Sach», «Dorfpolitik», «Us dr Beiz» oder «Tierisch menschlich». Fünf Seiten sind dem ehemaligen Bundesrat Willi Ritschard gewidmet. Festgehalten sind Zitate wie: «Die Schweizer stehen früh auf, aber erwachen spät.»

Bei Kuchen und Wein – ganz nach dem Sinn des Gemeindepräsidenten – plauderte es sich zwischendurch sehr angeregt. Wer weiss, welche Dorfgeschichten bereits auf einen neuen Anekdotenband warten. Band 7 ist nämlich schon für das Thema «Landwirtschaft» vergeben.