Jetzt denkt man bereits darüber nach, die erste Etappe der Wohnungen im «Egelmoos» nicht nur zu sanieren, sondern komplett neu und zeitgerecht zu bauen.

Seit 1969 ist Bruno Küng Verwalter der Genossenschaft Alterssiedlung. Auch seit bald 40 Jahren engagiert sich Ivo Bracher in der Genossenschaft. Vor ihm war sein Vater eine der treibenden Kräfte der ersten Etappen und der Planung des Altersheimes in Biberist. «Wir haben viel bewegt», sind sich die beiden einig. Tatsächlich hat Biberist mit dem «Läbesgarte» eine Institution mit Vorzeigecharakter. 110 Betten für pflegebedürftige Menschen, 57 Bonacasa-Seniorenwohnungen mit Dienstleistungen, die Spitex für das Dorf und für die Menschen im «Läbesgarte», der Mittagstisch für die Schulkinder und ein öffentliches Restaurant gehören dazu. Viele Vereine nützen die Räumlichkeiten und das Catering für ihre Generalversammlungen. So werden jährlich rund 200 Veranstaltungen im «Läbesgarte» durchgeführt.

Postulat im Gemeinderat

Begonnen hat alles 1961 mit einem Postulat von Gottfried Kaiser, der im damaligen Gemeinderat forderte, dass «die Frage der Erstellung von Alterswohnungen zu prüfen» sei. Aber erst am 14. Juni 1968 wurde die Genossenschaft Alterssiedlung gegründet. In der Genossenschaft waren die Einwohnergemeinde, die Bürgergemeinde die katholische und die reformierte Kirchgemeinde und die Papierfabrik Biberist vertreten. Dazu kamen einige Privatleute.

Ein Jahr später wurde der Spatenstich für die erste Etappe der heutigen Alterssiedlung Egelmoos ausgeführt. Gebaut wurden damals 14 Zwei-Zimmer- und 24 Ein-Zimmer-Wohnungen. Dazu kamen eine Abwartswohnung und eine Wohnung für eine Pflegerin. Noch heute hat die Spitex deshalb ihren Sitz im Egelmoos. In der Chronik der Genossenschaft Alterssiedlung Biberist, die 1989 geschrieben wurde, ist nachzulesen, dass die Wohnungen für 130, beziehungsweise 160 Franken im Monat vermietet wurden. «Wir haben bewusst einkommensschwache Senioren bevorzugt. So haben wir auch Subventionen für den Bau der Wohnungen erhalten», erklärt Bruno Küng. Die erste Etappe kostete 1,95 Mio. Franken. Das Land konnte im Baurecht von der Einwohnergemeinde übernommen werden.

Weitere Etappen folgen

Bereits 1973 wurde ein Mahlzeitendienst eingerichtet, der durch die örtlichen Frauenvereine geführt wurde. Im Januar 1978 zogen die Mieter in die Wohnungen der zweiten Bauetappe ein. Dieses Mal wurden 30 Zwei-Zimmer-Wohnungen gebaut. Sechs davon sind speziell invalidengerecht gestaltet.

1980 ist in Protokollen des Vorstandes der Genossenschaft nachzulesen, dass «Biberist eine über dem Durchschnitt liegende Überalterung aufweist. Pflegebedürftige Senioren müssen teilweise ausserkantonal in Heimen untergebracht werden.» Trotzdem wurde 1983 zuerst die dritte Etappe im Egelmoos, mit weiteren 20 Zwei-Zimmer-Wohnungen, gebaut. Im neuen Haus fand auch das Egelmoos-Pintli Platz. Bereits da zeigte sich auch, dass die Ein-Zimmer-Wohnungen im ältesten Haus der Genossenschaft, nicht mehr so einfach vermietet werden konnten. «Das ist noch heute so. Diese Wohnungen sind teilweise auch an junge Menschen vergeben. Oder an Leute, die nur vorübergehend in der Region arbeiten und dann weiterziehen», erklärt Küng. Weil die Gemeinde Genossenschafterin ist, sind auch Asylbewerber eingemietet.

Und dann doch noch ein Heim

Bereits in den Gründungsstatuten der Genossenschaft Alterssiedlung stand, dass der Bau eines Alters- und Pflegheimes möglich sein soll. Und so sprach man in Biberist schon bald vom Bau eines «Pflegestützpunktes», der auch Dienstleistungen nach aussen erbringen sollte.

Auch hierfür brauchte es wieder einiges an Vorarbeiten. 1986 wurde die Genossenschaft Alters- und Pflegeheim Biberist gegründet. Diese war eine Tochtergesellschaft der bereits bestehenden Genossenschaft Alterssiedlung. «Die Neugründung erfolgte vor allem, um die Finanzierung sicherzustellen», so Ivo Bracher. 1989 wurde das Heim eröffnet. Bewilligt waren 60 Zimmer. Zwar wurde das Gebäude zweistöckig erstellt, betrieben werden durfte aber nur das Erdgeschoss. «Da mussten wir halt in die Trickkiste greifen», schmunzelt Bracher. «Die Genossenschaft Alterssiedlung baute im obersten Stock Zimmer aus und vermietete sie dann der Genossenschaft Alters- und Pflegeheim.»

Nach aussen wurden deshalb im «Läbesgarte» zu Beginn zwei Heime betrieben. Ein Altersheim und ein Pflegeheim. Mit der Zeit wurde deutlich, dass die Plätze im Altersheim immer weniger nachgefragt wurden. Auch die Vorstandsmitglieder konnten sich selbst nicht vorstellen, dereinst in ein Altersheim zu ziehen. «An einer Strategiesitzung haben wir dann beschlossen, unser Konzept nochmals grundsätzlich zu ändern.» Das wiederum war die Geburtsstunde von «Bonacasa».

Dienstleistungen inklusive

Heute befinden sich auf dem Areal 57 Bonacasa-Wohnungen. 51 davon sind Eigentumswohnungen und weitere 6 gehören der Genossenschaft Läbesgarte. Die erste Etappe der Wohnungen wurde 2005 erstellt. Die nächsten Bauten kamen 2012. Konkret können die Bewohner – müssen aber nicht – Dienstleistungen des Heimes nützen. Im Bedarfsfall haben die Bewohner die Möglichkeit, sich durch Spitex pflegen zu lassen. «Viele können so bis zu ihrem Lebensende in der Wohnung bleiben», meint Sascha Gelbhaus (Geschäftsführer). Das Haupthaus des «Läbesgarte» wiederum wird nur noch als Pflegeheim geführt, und hat heute auch eine Demenzabteilung.

Seit zehn Jahren gehört auch die ehemalige Spitex Biberist unter das Dach des «Läbesgarte». Damals fusionierte die Spitex Biberist mit dem «Läbesgarte». Die Fusion hat sich laut Gelbhaus bewährt. Die Anzahl der Pflegestunden habe sich seit 2004 von 10'000 auf 33'000 erhöht. Gleichzeitig wurde aber der Gemeindebeitrag pro geleistete Pflegestunde von 40 auf durchschnittlich 14 Franken gesenkt. Unter dem Strich zahle Biberist heute weniger für die Spitexleistungen.

Blick in die nächsten 20 Jahre

Und weil die Welt sich ständig verändert, ruht auch der Genossenschaftsvorstand nicht. «Zurzeit beschäftigt uns die Sanierung der Wohnungen im Egelmoos», erklärt Ivo Bracher. In der Zwischenzeit habe man sich dazu entschieden, das älteste Gebäude abzureissen und neue Wohnungen zu erstellen. «Die Kosten für den Neubau sind nicht wesentlich teurer, als für eine Sanierung. Wenn wir sanieren, dann haben wir aber nur eine halbe Sache», erklärt Ivo Bracher. Man habe eine Studie erstellen lassen, die das ganze Quartier und alle Häuser der Alterssiedlung miteinbezieht. Ein wichtiger Teil sei dabei auch das «Egelmoos-Pintli». Auch dieser Treffpunkt könnte modernisiert werden. Ein weiteres Thema sei es, die Senioren besser zu vernetzen, und sie vermehrt aus ihren Wohnungen und der Einsamkeit zu holen. Auch hier habe man eine Studie in Auftrag gegeben, die die Bedürfnisse der nächsten 20 Jahre evaluiere.

Nur eines hat die Genossenschaft «Läbesgarte» nicht geschafft. «Wir wollten immer parallel zum Betrieb mit den Senioren eine Kindertagesstätte einrichten, um Alt und Jung zusammenzubringen.» Das sei bisher nicht gelungen. Anderseits bestehen enge Kontakte zur Schule Bleichematt und zur Mehrzweckhalle.