Im Gang des Restaurants Hirschen in Günsberg hängen über ein Dutzend Farbfotos von hübschen Kreationen aus Obst und Gemüse: Aus Wassermelonen geschnitzte Blumenreliefs und Schriftzüge, aus Butterkürbissen fein herausgearbeitete Vögel, Steinböcke und Hirschköpfe oder üppige Arrangements mit Rosenblüten aus Randen, Rüben und blauen Kartoffeln, ergänzt mit realistischen Figürchen und Gegenständen aus vergilbtem Bierrettich.

«Viele Gäste wissen gar nicht, dass die Sachen von mir stammen», lächelt der Wirt Stephan Wüthrich, obwohl auch beim Stammtisch ein inzwischen recht umfangreiches Fotobuch mit seinen gesammelten kochartistischen Werken aufliegt.

Mit geschärftem Löffel ans Werk

Die Kochartistik widmet auch Skulpturen aus Butter Eis oder Schokolade. Wüthrich haben es aber vor allem die Fruchtschnitzereien angetan. Darauf aufmerksam wurde der Koch vor acht Jahren, als er mit seinem damaligen Chef die Gastronomie-Fachmesse Igeho in Basel besuchte.

Tief beeindruckt sei er etwas länger vor einem Thailändischen Stand mit Kochartistik stehen geblieben, woraufhin ihn sein Chef ermutigt habe, selber so etwas zu probieren. 

Mit zum Skalpell zurück geschliffenem Schnitzer, geschärftem Löffel und mit auf seine Bedürfnisse abgewinkelten und nachgeschliffenen Messern schälte er als erstes aus einer Wassermelone einen prächtigen Schwan, der als Fruchtschale diente.

Später schaffte er sich professionelle Werkzeuge und einige Bücher an, manche aus Thailand und China, wo diese Kunst eine lange Tradition hat. «Ich kann zwar nicht alle lesen», schmunzelt Wüthrich, «aber die Bilder sind sehr inspirierend.»

Mittlerweile hat der 31-Jährige seine Technik verfeinert und komponiert erstaunlich detaillierte Arrangements. Eine Rosenblüte schnitzt er in etwa sechs Minuten aus einer Rande. An einem zwei Meter langen Blumenbrett, wie er es für ein Gemeindeessen drapiert hat, arbeitet er bis zu 30 Stunden. Trotzdem bleibt er realistisch: «Verglichen mit den Kunstwerken Chinesischer Schnitzer bin ich ein 1.-Klässler.»

Ein besonderes Geschenk

Pro Jahr bekommt Stephan Wüthrich sechs bis acht Anfragen für grössere Objekte, etwa für Ausstellungen in der Growa oder Feste und Bankette im eigenen Haus. Er habe sogar schon nach St. Gallen geliefert, betont Stephan Wüthrich, «obwohl ich keine Werbung mache.» Auch ohne Anfrage schmückt er mittlerweile alle seine Dessertbuffets auf diese Weise, «das gehört heute zu meinem Ton.»

Und obwohl er die Stunden nie verrechnen könne, lohne sich die Arbeit für ihn: «Es ist einfach schön, wenn ein 80-Jähriger an seinem Geburtstagsessen zu mir in die Küche kommt und sagt: «Merci! So etwas habe ich noch nie geschenkt bekommen.»