Risikoreiches Geschäft

Dieser Solothurner erfüllt sich den Traum vom eigenen Wein im Bucheggberg

Die ersten Riesling-Silvaner-Trauben können geerntet werden.

Die ersten Riesling-Silvaner-Trauben können geerntet werden.

Für den Winzer Carlo Bernasconi aus Solothurn erfüllt sich der Traum eines Rebberges im Bucheggberg. Eine beinahe schon schicksalhafte Begegnung mit dem Handchirurgen Ulrich Abbühl nach einem Arbeitsunfall machte dies möglich.

Es dauerte eine Weile, bis Carlo Bernasconi den vor zwei Jahren bestockten Rebberg erweitern durfte. In der letzten Woche aber stand der Bagger am künftigen Rebberg in der Nähe vom Restaurant Bismarck in Küttigkofen, bereitete das Terrain vor und erstellte eine Kofferung für den Zufahrtsweg. Ein langer Weg geht dem Ende zu. «Das erste Baugesuch habe ich selber gemacht, aber damals war ich etwas blauäugig», sagt der 34-jährige Familienvater. Es gab Einsprachen, und bald war Bernasconi auf professionelle Hilfe angewiesen.

Nachdem die Einsprachen gütlich bereinigt werden konnten, dabei ging es um zwei private Brunnstuben auf dem Gelände, folgte eine zweite Baueingabe und darauf erneut Einsprachen. Auch diese mussten bereinigt werden. Aber jetzt ist die Erweiterung des Rebbergs auf gutem Weg.

Einen langen Weg hat auch Carlo Bernasconi hinter sich, bis er sich Winzer nennen durfte. Ursprünglich wollte er eine Gesangsausbildung absolvieren, erhielt aber keinen Studienplatz. «Mit 25 Jahren habe ich mich entschieden, nur das zu machen, was mir Freude bereitet.» Er lernte Winzer, «weil mich das Produkt Wein faszinierte». 2009 erhielt er eine Lehrstelle in der Bündner Herrschaft. Auf dem Weingut Davaz in Fläsch konnte er das erste Lehrjahr machen, das zweite Jahr war er bei der Rebbaugenossenschaft Spiez und danach für die Forschungsanstalt Wädenswil auf dem Stützpunkt Stäfa.

Auf Umwegen

«Eine Arbeit als Winzer zu finden, war nicht ganz einfach. Wer traut das schon einem Solothurner zu.» Er musste jobben gehen. Durch einen Arbeitsunfall lernte er den Handchirurgen Ulrich Abbühl kennen. Ein Wink des Schicksals? Abbühl wohnt in Küttigkofen und pflegt um sein Haus zirka 800 Rebstöcke, weiss Bernasconi. 2012 habe Abbühl das Land am Hang in Küttigkofen in den Rebbaukataster des Amtes für Landwirtschaft Baselland aufnehmen lassen. Der Kanton Solothurn hat kein eigenes Kataster.

«Die Ausrichtung muss stimmen und die Hangneigung, es braucht genügend Wasser, genügend Sonnenstunden und nicht zu viele Nebeltage. Das sind die Kriterien für die Aufnahme ins Kataster», erklärt Bernasconi. Er habe selber 200 Rebstöcke in Solothurn an der Baselstrasse, aber die konnte er nicht ins Kataster aufnehmen lassen. «Das Terrain ist zu flach. Ich kann also nicht Wein für den Verkauf damit herstellen. Aber ich kann die Trauben für einen Grappa verwenden.» Verkauft wird sein Schnaps unter dem Label «Carlo Bernasconi Weine».

Grosse Nebenkosten

Die 2011 von Ulrich Abbühl mitgegründete Schiller Weinbaugenossenschaft Buchegg hat zum Ziel, Rebbaugebiete zu erschliessen und diese zu verpachten. Carlo Bernasconi hat sich also vom richtigen Handchirurgen behandeln lassen. Er darf aber nicht Mitglied der Genossenschaft sein, sondern muss als selbstständiger Landwirt im Nebenerwerb fungieren, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen. «Ziel war es, das Baugesuch für den Rebberg in Küttigkofen auch beim Kanton durchzubringen.»

Mitfinanziert wird das Projekt von der Rebbaugenossenschaft. Bernasconi hat noch ein Privatdarlehen aufgenommen und selber schon etliches Geld in das Projekt hineingesteckt. Kofferung, Terrainausgleich, die Sanierung der Brunnstuben und der Ingenieur kosten etwa 150'000 Franken. Die Rebbauanlage und die Bestockung der Erweiterung muss noch finanziert werden. «Am 16. Juli an der Genossenschaftsversammlung war das Geld für die Finanzierung noch nicht vollständig vorhanden. Am 21. Juli gab Abbühl grünes Licht.»

Ausfälle wegen Mäusen und Kälte

Am Rebhang wird Carlo Bernasconi künftig 1,3 Hektaren Reben bewirtschaften und mit den Trauben etwa 8000 Flaschen Wein produzieren. Der erste Teil des Rebbergs wurde 2016 bepflanzt. «Von den 28 Aren wurden sicher 20 Aren von Hand mit Rebstöcken bepflanzt. Wir waren gut 20 Leute. Es war eine Knochenarbeit.» 2017 gab es keine Ernte. 2018 tragen die Reben einen Drittel, im folgenden Jahr zwei Drittel, und 2020 sollen sie Vollertrag liefern.

Aber Mäuse und Kälte haben der Anlage zugesetzt. Gegen 50 Prozent der Rebstöcke haben es nicht geschafft. Überall, wo ein gelbes Plastikband angebracht ist, fehlt ein Rebstock. Für die Erweiterung zählt Bernasconi bei der Bestockung auf eine spezialisierte Firma. «Dann werden auch die ausgefallenen Rebstöcke nachgepflanzt.»

Biowein ist das Ziel

Im nächsten Frühling sollen die Rebstöcke gesetzt werden. «5000 Quadratmeter Blauburgunder, 1000 Quadratmeter einer Sorte mit pilzresistenteren Trauben, 2800 Quadratmeter Riesling-Silvaner, 1000 Quadratmeter Malbec, und ich wünschte mir zusätzlich die autochthone Rebsorte Lagrein aus Südtirol. Der Kanton Solothurn kennt keine Auflage in Bezug auf den Sortenanbau.» Letztere soll auf 200 Quadratmeter angepflanzt werden. «Das ergibt gleich ein Barrique-Fass.»

Seinen Wein wird Bernasconi im aargauischen Hornussen keltern. Dort hat er freie Kellerkapazität gefunden. «Da werde ich natürlich dabei sein.» Angemeldet hat er seinen Betrieb bei Bio Knospe Schweiz. Bernasconi will Bio-Wein produzieren.

Dazu muss er aber sein Team an seiner Arbeitsstelle gut vorbereiten. Seit 1. Januar 2018 ist Carlo Bernasconi Geschäftsführer im Elternbetrieb, im Restaurant Sternen an der Baselstrasse in Solothurn. Der Betrieb soll denn auch Hauptabnehmer seines Weins werden, hofft Bernasconi. Bernasconi denkt auch an einen Ausbau der Anlage. «Wenn es einen guten Wein gibt, werden weitere Landwirte mitmachen wollen. Es braucht einen Meilenstein. Ulrich Abbühl hat einen solchen gesetzt. Hier folgt ein weiterer.»

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