Mit Elektro-Auto unterwegs
Dieser Lommiswiler ist begeistert vom emissionsfreien Fahren

Der Gastautor Kosta Urosevic aus Lommiswil ist überzeugt, dass mit der Elektro-Autotechnologie unsere Welt besser wird – ökologisch, wirtschaftlich und politisch.

Kosta Urosevic*
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Kosta Urosevic ist ein Fan von Elektroautos.

Kosta Urosevic ist ein Fan von Elektroautos.

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Im Jahr 2011 hatten meine Frau und ich uns entschlossen, eines der ersten in Grossserie hergestellten Elektro-Autos, den voll elektrischen Kleinwagen von Mitsubishi I-Miev, zu kaufen. Der damalige Kaufpreis von über 40 000 Franken – übrigens ist er heute für die Hälfte zu haben – bedurfte einer gehörigen Portion Idealismus, um die damaligen ökonomischen Kosten-Nutzen-Realitäten zu überblenden. Die Begeisterung fürs lautlose, schnelle und emissionslose Fahren hielt an. Wer einmal elektrisch fährt, will nicht mehr zurück zum Verbrenner. Das bestätigen 97 Prozent aller Elektroauto-Besitzer. Mit einer Alltags-Reichweite um die 100 km lassen sich aus der Region Solothurn mit diesem voll alltagstauglichen Kleinwagen alle grösseren Schweizer Städte erreichen. Mit dem heute gut ausgebauten Schnellladenetz (E-Mobility) ist es fast wie das Nachtanken an einer Tankstelle.

*Kosta Urosevic

Der Lommiswiler Kosta Urosevic reagiert mit diesem Meinungsartikel auf einen Wochenkommentar in der Solothurner Zeitung vom 27. Februar von Chefredaktor Theodor Eckert. Kosta sagt, er gehöre mit seiner vierköpfigen Familie zu den ersten voll elektrisch fahrenden «Elektro-Auto-Alltags-Pionieren» der Schweiz. Der Autor ist Export Manager eines schweizerischen KMU, welches Armaturen herstellt. Er meint: «Ich kann mir den Tesla (knapp) leisten und behaupte, 10 Prozent der Arbeitnehmer der Schweiz könnten dies ebenso schon heute. Wer täglich wie ich auf der A1 sieht, wie viele ähnlich teure fossile, übermotorisierte, meist aus deutscher Produktion stammende Auto-Dinosaurier in der Preisklasse eines Tesla auf unseren Schweizer Strassen unterwegs sind, muss doch zur Überzeugung kommen, dass nicht nur die Personen aus den Chefetagen grosser Schweizer Konzerne heute einen Tesla fahren könnten.» (szr)

Per Smartphone-App sind alle Ladestationen schweizweit beschrieben. Eine Fahrt ins Tessin mit dem Mitsubishi I-Miev ist ohne Probleme und ohne stundenlanges Nachladen möglich. Ebenso gibt es in der Golf-Preisklasse heute bereits Fahrzeuge zu kaufen (Renault Zoe, Nissan Leaf), die mit 150 km Alltagsreichweite und der Nutzung von Schnellladestationen ein vollwertiger Ersatz zum Preis eines normalen PW, wie ihn die schweizerische Durchschnitts-Familie fährt, werden können. Die Nachladezeit von ungefähr 5 Stunden an einer normalen 230-V-Steckdose unseres Mitsubishi I-Miev, den wir als Kurzstreckenfahrzeug für die meisten Alltagsfahrten von unserem Wohnort aus nutzen, war eigentlich immer nur eine Sache der Planung. Dafür wurde man mit fast null variablen Kosten belohnt. Eine Ladung beim I-Miev kostet rund 2 Franken, und damit fährt man 100 km weit. Die Kilometerkosten sind damit um einen Faktor 3 günstiger als jedes öV-Billett für die gleiche Wegstrecke, und das pro Person.

Mittlerweile hat der Mitsubishi 80 000 km drauf und fährt sich immer noch wie neu. Von Verschleiss ist fast nichts zu spüren. Auch in Sachen Wartungskosten sieht die Sache nach fünf Jahren sehr positiv aus. Die Reichweiten-Kapazität der Batterie hatte nach 4 Jahren stark nachgelassen. In unserem I-Miev waren Lithium-Ionen-Akkus der ersten Generation verbaut. Mitsubishi wechselte den Traktionsakku auf Garantie. Damit war das Auto wie neu und hatte durch die neueren Zellen eine grössere Reichweite als beim ersten Auslieferungszustand.

Selbst wenn man den Preis für einen neuen Akku einkalkuliert hätte (12 000 Franken), so wäre man unter Berücksichtigung der Wartungs- und Treibstoffkosten in etwa gleichauf mit einem herkömmlichen Verbrenner-Auto in 4 Jahren 80 000 km weit gekommen. Und die rund 5000 Liter Benzin die zig Tonnen CO2, die bei der Verbrennung verursacht worden wären, gab es als Einsparung gratis dazu.

Die positiven Erfahrungen von 4 Jahren rein elektrischen Fahrens, die Begeisterung, die Technik von morgen schon heute zur Verfügung zu haben, bewogen mich dann im Juli 2015, einen Tesla Model S mit Dual Drive (2 Elektro-Motoren und damit 4 WD) zu kaufen.

Damit gehöre ich zu den mittlerweile 3000 Besitzern eines Tesla Model S in der Schweiz. Es ist heute das beste und fortschrittlichste Serien-Auto der Welt. Wer wie ich 130 km Arbeitspendelweg elektrisch und auf der A1 grösstenteils per Autopilot vom Tesla chauffiert wird, versteht, welchen mobilen Meilenstein Tesla auf die Strasse gebracht hat.

Auch wenn die deutschen Premium-Auto-Anbieter versprechen, «Tesla Fighter» anzubieten, so sind diese mindestens noch 5 Jahre von einer Serienproduktion entfernt. Bis dann wird Tesla elektrische Autos mit der Reichweite von 400 km zum Preis eines heutigen VW Golf anbieten. Was dann BMW, Mercedes, Porsche, Audi und Co. noch wert sein werden, wird sehr interessant sein. Es ist daher fraglich, ob sich die fossilen Treibstoff verbrennenden Auto-Dinosaurier mit der veralteten Technologie noch länger halten können. Ich meine Nein, denn der politische und der ökonomische Druck wird die gesamte Automobilindustrie auf den Kopf stellen. Das wird nicht ohne ein grosses Sterben in dieser Branche einhergehen, auch im Garagengewerbe der Schweiz.

Leider haben die Europäischen Autobauer beim Wandel zum Elektro-Auto hin schlechte Karten, denn es gibt keine nennenswerte Batterienproduktion in Europa. Der Schlüssel zum Erfolg wird aber sein, Kosten und Energiedichte der Akkus zu beherrschen. Heute kaufen die Autobauer aus Europa alle Batterien in Asien ein, und so wird es kaum möglich sein, gegenüber der Konkurrenz aus Asien und Amerika (Tesla baut die weltgrösste Fabrik in Nevada auf, nur um Batterie-Zellen dort herzustellen) wettbewerbsfähig zu sein. Ich denke, dieser plausible Zusammenhang ist in Europa weder in der Politik noch in der Automobilindustrie bisher wirklich erkannt worden.

Rein technisch spricht eigentlich nichts mehr für den Verbrennungsmotor. Er gehört ersetzt durch nachhaltigere und fortschrittlichere Elektro-Antriebs-Technologien, die existieren und die, in grösseren Stückzahlen hergestellt, schon heute im Preis mithalten können. Kurzfristiges Denken, um kurzfristige Profitmaximierung zu erzielen (man denke an VW und den Abgasbetrug), haben dazu geführt, dass Europa den Wandel fast vollkommen verschlafen hat.

Die im letzten Jahr steil angestiegenen Absatzzahlen bestätigen den Trend, dass Elektro-Autos der grosse, neue Auto-Hype werden. Im letzten Jahr hat Tesla das Luxus-Limousinen-Segment der Schweiz zu 90 Prozent beherrscht. Das bedeutet, normale Verbrenner-Autos in dieser Klasse sind kaum noch verkauft worden. Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, dass ein neuer Autohersteller dazu in der Lage wäre? Und das fast ohne Kaufanreize für Elektro-Autos, wie dies in anderen Ländern Europas üblich ist.

Ich bin viel geschäftlich in Asien und im Mittleren Osten unterwegs und weiss aus eigener Erkenntnis, dass viele unserer grossen weltpolitischen Probleme (Kriege, Flüchtlingskrisen, Unterdrückung von Demokratiebewegungen) direkt mit der Förderung und dem Handel von fossilen Energieträgern zusammenhängen.

Jedes Mal, wenn irgendwo in der Schweiz ein Auto betankt wird, dann profitieren indirekt auch der IS und die entsprechenden Regimes, die in ihrer rückständigen Art voller Korruption und Unterdrückung baldmöglichst abgeschafft werden müssen. Meist ist der Ölreichtum eines Landes der «Schmierstoff» dieser Regimes, die Machtstrukturen am Laufen zu halten.

Das ist aus meiner Sicht neben dem besorgniserregenden Klimawandel aufgrund unseres hemmungslosen Gebrauches von fossilen Energieträgern der wichtigste Grund, dem Gebrauch von Öl für die individuelle Mobilität Adieu zu sagen. Die Welt wird dadurch ein Stück besser.