Biberist
Dieser Landwirt spart durch die Wärme frischer Milch Strom

Viele Programm fördern eine nachhaltige Landwirtschaft. Eines davon ist eine Anlage für Wärmerückgewinnung aus der Milch. Damit spart der Biberister Landwirt Erhard Senn seit Anfang Juni auf seinem Hof Strom.

Marina Stalder
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Erhard Senn aus Biberist: «Jeder muss selbst seinen Teil zu einer höheren Energieeffizienz beisteuern.»

Erhard Senn aus Biberist: «Jeder muss selbst seinen Teil zu einer höheren Energieeffizienz beisteuern.»

Hanspeter Bärtschi

Durch die zunehmende Automatisierung in der Landwirtschaft hat sich nicht nur die Produktion, sondern auch der Energieverbrauch der Bauern erhöht. So muss nach dem Melken die Milch im Milchtank von den anfänglich etwa 38 Grad auf 4 Grad abgekühlt werden. Ebenso müssen Melkanlagen, Melkgeschirr und Milchtank nach jeder Benutzung mit heissem Wasser aus einem Elektroboiler wieder gereinigt werden. Für diese Vorgänge wird viel Energie benötigt.

Um Energie einzusparen, können Milchwärmerückgewinnungsanlagen eingebaut werden. Bei solchen Anlagen wird der frischen Milch die Wärme entzogen und danach eingesetzt, um das Brauchwasser auf zirka 50 bis 55 Grad Celsius aufzuheizen. So braucht es weniger Energie zur Erhitzung des Brauchwassers als auch zur Kühlung der Milch.

In Zusammenarbeit mit dem Bund fördert die Firma AgroCleanTech AG mit ihrem Programm «Wärmerückgewinnung aus der Milch» die Energieeffizienz in der Landwirtschaft. Und zwar werden einmalige Förderbeiträge für die Installation von neuen Wärmerückgewinnungsanlagen ausgezahlt. Je nach Jahresmilchproduktion sind dies zwischen 1100 und maximal 2500 Franken. Gesamthaft sollen damit in der ganzen Schweiz rund 4,9 Gigawattstunden elektrische Energie pro Jahr eingespart werden; so viel, wie 1400 Schweizer Haushalte durchschnittlich verbrauchen.

Nicht alle erhalten Beiträge

Die Wärmerückgewinnungsanlage von Erhard Senn aus Biberist erwärmt das Brauchwasser auf 60 Grad. «Man könnte das Frischwasser sogar auf 80 Grad erwärmen. Aber das schädigt den Kompressor so sehr, dass er dann wahrscheinlich schon nach 4 statt 15 Jahren wieder ausgewechselt werden muss», erzählt der innovative Landwirt.

Senn wollte die Anlage bereits 2010, als der ganze Stall neu erbaut wurde, installieren. Er musste das Projekt aber aus finanziellen Gründen aufschieben. Nun hat er im Juni die Anlage installiert und ist sehr zufrieden. «Ich kann zwar noch nicht sagen, wie viel Strom wir bis jetzt gespart haben, aber wir konnten seither die Leistung nutzen, die uns auch versprochen wurde.» Versuche an verschiedenen Höfen konnten aufzeigen, dass durch die Milchwärmerückgewinnungsanlage rund ein Drittel an elektrischer Energie gespart werden kann.

Seit rund einem Jahr können sich Solothurner Bauern nun um einen Förderbeitrag für eine Wärmerückgewinnungsanlage bewerben. Damit Bauern in Solothurn Fördergelder erhalten, müssen sie aber gewisse Auflagen erfüllen. So müssen sie mehr als 50 000 Kilogramm Milch jährlich produzieren, über eine Hofabfuhr der Milch verfügen und schon einen Milchtank sowie einen Elektroboiler in Betrieb haben. Bauern, die bereits über eine Wärmerückgewinnungsanlage verfügen, können im Nachhinein keine Fördergelder beantragen.

Senns Wärmerückgewinnungsanlage kostete ungefähr 6000 Franken. Aufgrund der Jahresmilchproduktion seiner 48 Kühe von rund 370 000 Kilogramm Milch wurden ihm rund 1700 Franken zugesprochen. Amortisiert ist die Anlage durch ihre hohe Effizienz bereits in fünf bis acht Jahren.

Nachhaltige Landwirtschaft

Von den 520 Solothurner Milchbauern sind dem Solothurner Bauernverband rund zehn Betriebe bekannt, die im Rahmen des Wärmerückgewinnungsprojekts bereits eine solche Anlage installiert haben. Bei fünf weiteren steht die Installation nach aus. Die Entscheidung, eine solche Anlage zu installieren, würde durch die Beiträge der AgroCleanTech AG durchaus gefördert, meint Andreas Schwab vom Solothurner Bauernverband. Er ist dort zuständig für das Projekt Wärmerückgewinnung aus der Milch im Kanton.

Die Wärmerückgewinnung ist aber nur eines der vielen Programme, die eine nachhaltige Landwirtschaft fördern sollen. «Wir gleisen momentan mehrere Projekte auf. So gehört zum Beispiel auch die ökologische Nutzung von Traktoren zu einer nachhaltigen Landwirtschaft», erklärt Andreas Schwab.

Auch Erhard Senn bedeutet Nachhaltigkeit viel. Er verfügt nebst der Wärmerückgewinnungsanlage auch über Solarpanels und einen Regenwassertank. «Es ist wichtig, dass in dieser Hinsicht etwas läuft und man etwas unternimmt. Nur wenn jeder selber seinen Teil beisteuert, wird sich die heutige Situation auch zum Besseren verändern.»

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