Noch nicht lange ist es her, als Christian Stucki am 18. Juli auf dem Weissenstein im Schlussgang gegen Bernhard Kämpf siegte und seinen 31. Kranzfestsieg sichern konnte. Auch Simon Stampfli befand sich auf dem Weissenstein und beobachtete die Schwinger als «Täfelibueb» gespannt. Der 11-jährige Jungschwinger möchte auf dem Solothurner Hausberg nämlich gerne selber einmal siegen.

Simon Stampfli hat das Schwingen vor drei Jahren auf der Herbstmesse in Solothurn kennen gelernt und war von Beginn an begeistert. «Ich ging dann nach dem Schnuppertraining auf der Messe in das Training der Jungschwinger beim Schwingklub Solothurn und schwinge seither leidenschaftlich gern.»

Erfolgreicher Turnerschwinger

Als er für das Foto in seine Schwingkleider steigt, erklärt er schnell, dass er sich für das Turnerschwingen entschieden hat. «Wir sind nur zwei oder drei junge Turnerschwinger im Klub, die anderen Jungschwinger haben sich für das Sennenschwingen entschieden.» Die Turnerschwinger treten in weissen Hosen und weissem T-Shirt auf, während die Sennenschwinger in dunklen Hosen und Edelweisshemd den Wettkampf antreten.

Bis jetzt konnte er sein Talent schon einige Male unter Beweis stellen. Bei den bis zu zehn Wettkämpfen im Jahr, an denen die jungen Sportler teilnehmen, konnte er in den letzten drei Jahren acht Zweige ergattern. Die Zweige sind das Jungschwingerpendant zu den Kränzen an den erwachsenen Schwingfesten. Die ersten 18 Prozent der Schwinger erhalten einen solchen Zweig. «Einzig die Wettkampftage sind sehr lang. Wir gehen dann um sechs Uhr morgens los und kommen um acht Uhr abends wieder nach Hause», erklärt Stephan Stampfli, der Vater von Simon.

Doch nicht nur bezüglich der Zweige unterscheiden sich die Wettkämpfe der jungen Schwinger von den älteren. «Unsere Gänge sind kürzer, als die der erwachsenen Schwinger. Zudem ist unser Sägmehlkreis kleiner. Und wir erhalten alle den gleichen Preis und haben keinen Gabentempel», erklärt Simon. Er scheint ganz in seinem Element aufzugehen, wenn er vom Schwingen spricht.

Königscamp mit den «Bösen»

Ob ausser Simon denn noch jemand in der Familie schwingt? «Nur sein älterer Bruder, aber der ist nicht ganz so ehrgeizig wie Simon», sagt Stephan Stampfli. Ehrgeizig ist Simon in der Tat, denn auch in den Ferien bleibt er aktiv. Nach warmen Tagen am Neuenburgersee und einer kleinen Verschnaufpause zu Hause geht es nächste Woche bereits weiter in das sankt-gallische Wildhaus, wo das Königscamp von Montag bis Freitag im Tal der Könige stattfindet. Dort treffen sich Jungschwinger im Alter von 10 bis 15 Jahren aus der ganzen Schweiz zum Training mit Schwinggrössen wie Jörg Abderhalden, Matthias Sempach oder der Schwingerkönigin Sonia Kälin.

Simon wird die Solothurner Jungschwinger dieses Jahr zum ersten Mal im Camp vertreten und kann es kaum erwarten. «Ich freue mich nicht speziell auf einen Teil des Camps, sondern auf das Schwingen allgemein und auf das ganze Camp», sagt der 11-Jährige.

Welcher «Böse» sein grosses Schwingeridol ist, kann Simon nicht sagen. Vielleicht wird er aber in Zukunft selber zum «Bösen», wenn er weiterhin so erfolgreich schwingt.