56 Weichen, 32 Tunnel, 23 Brücken. Und jede Menge Lokomotiven auf über 1000 Meter Schienen. Das alles befindet sich in Miniaturform im Garten von Markus Probst. Ein Henschel-Wegmann-Zug fährt in den Hauptbahnhof «Birkenfeld» ein. Das deutsche Modell mit dem lila Streifen ist eines der Lieblingsstücke des 50-Jährigen. Drei Monate hat er für die Anfertigung gebraucht.

Der Bellacher kümmert sich seit 16 Jahren um die Anlage in seinem Garten. Gleise, Züge, Bahnhofgebäude: Alles ist selbst gemacht. Ein Leuchtturm, eine Kirche und ein Viadukt vervollständigen das Bild. Ein Bild, das bis aufs letzte Detail ausgearbeitet scheint. Und doch kommt immer wieder Neues dazu. «Das ist das Schöne an der Anlage», sagt Probst. «Sie ist nie ganz fertig.»

Sind neue Teile gebaut, stehen nämlich schon wieder Renovationsarbeiten der älteren Stücke an. Wobei das nicht wirklich «Arbeit» für Probst ist. Die Freilandanlage ist sein «Ausgleich» zum Alltag. Die Eisenbahn seine Leidenschaft. «Schon als Kind war das einfach ein Highlight.»

Die Anlage ist sein Hobby

Der gelernte Zimmermann arbeitet zudem gerne im Garten. Diese Tätigkeit kann er mit der Anlage kombinieren. Und eine eigene Welt schaffen, wie er sagt. «Dabei kann mir niemand reinreden», fügt der 50-Jährige hinzu.

Diese kleine Welt von Markus Probst, erwachte Anfang April aus dem «Winterschlaf». Einige Erneuerungen standen an. Aber komplett still steht die Anlage nie. «Ich fahre immer», berichtet Probst. «Selbst bei Schnee.» Dann kommt ein Schneepflugmodell zum Einsatz, das die Schienen räumt. Im Sommer befreit eine Putzmaschine die Gleise von Blütenstaub.

Die Modelleisenbahnanlage von Markus Probst in Bellach

Die Modelleisenbahnanlage von Markus Probst

Im Verlauf des Gesprächs bleibt auch Probst selbst in Bewegung. Der Mann in der blauen Arbeitskleidung entschuldigt sich immer wieder, um nach dem Rechten zu sehen. Einmal, weil eine Lokomotive ohne Wagen losfährt. Einmal, um etwas Petroleum in die Dampflokomotiven nachzufüllen, damit wieder Rauch aus den Maschinen qualmt. Oder um dafür zu sorgen, dass es bei Verzweigungsstellen keine Zusammenstösse gibt. Auf der Anlage fahren nämlich immer mehrere Züge gleichzeitig.

Die Manufaktur ist sein Beruf

Mit der Eisenbahn fährt Probst zweispurig, einerseits als Hobby und andererseits als Beruf. Für die Anlage ist er draussen, für seine Arbeit in einer Werkstatt im Haus. Auch dort dreht sich alles um Lokomotiven. Probst leitet seine eigene Manufaktur. Er stellt Züge, Schienen und Weichen her, die er an Kunden aus ganz Europa und den USA liefert. Das Geschäft hat er von seinem Vater übernommen. «Das lag damals eigentlich auf der Hand», erinnert sich der gelernte Zimmermann an die Übernahme. «Das Geschäft lief wie verrückt.»

Heuer feiert Probst das 30-Jahr-Jubiläum der Firma. Läuft es immer noch so gut? «Ich kann davon leben», so der 50-Jährige. Seine Modelle sind nach wie vor gefragt. Schliesslich gibt es nur zwei andere Hersteller in ganz Europa.

Und Geld kommt bei Probst an zweiter Stelle. «Es reicht nicht aus, nur einen Job zu machen», weiss er. «Man muss lieben, was man tut.» Dafür schreibt er Qualität gross. «Jede Lokomotive teste ich zuerst auf meiner Anlage, bevor ich sie verkaufe», erklärt der Unternehmer.

Eine Bank habe er nicht. Die Materialkosten übernimmt Probst selbst. Seine Ware ist «Swiss Made», weil er sein Material ausschliesslich aus der Schweiz bezieht. Das werde heutzutage immer schwieriger, da die Schweiz zusehends zu einem kleinen Produktionsstandort werde.

Auch die heutige Gesellschaft befinde sich im Wandel. «Die Leute setzen eher auf Quantität als auf Qualität. Wir werden zu einer Wegwerfgesellschaft.» Auch das wirke sich auf das Geschäft aus. «Meine Generation ist begeistert von der Eisenbahn», so Probst. Einzelne junge Kunden, die Freude an den Modellen haben, gebe es heute schon noch. «Aber weil es heute Handys und so gibt, ist die Eisenbahn nicht mehr aktuell», sagt der 50-Jährige. Auch drohe zunehmend Konkurrenz aus China, die Ramschware anbiete.

Dafür hat Probst seine Stammkunden. «Bei mir dauert die Anfertigung halt etwas länger», sagt er. Daraus entstehe aber ein «massgeschneidertes» Modell. Für eine Lokomotive braucht er je nach Typ zwischen mehreren Wochen und rund drei Monaten.

Was die Zukunft bringt

Wer das Geschäft übernimmt und ob es überhaupt weitergeführt wird, ist offen. «Vielleich zeigt eine meiner Töchter noch Interesse», so Probst. Handwerk könne in der heutigen Welt schnell verloren gehen. «Ich mache jetzt einfach so lange weiter wie ich Lust und Laune habe», meint der 50-Jährige. Er hofft, dass er damit bis zu seiner Pension durchkommt. «Man weiss nie, was in der Zukunft geht.»

Zumindest für dieses Jahr stehen wieder einige Projekte an, sowohl in der Werkstatt auch im Garten. Der Bellacher will die Gebäude vom Bahnhof «Birkenfeld» erneuern. Dort macht erneut der Henschel-Wegmann-Zug mit dem lila Streifen Halt. Ein kurzer Check von Probst. Und der Zug fährt los, zu einer weiteren Runde.