Mehrfach kreuzte General Guisan den Lebensweg von Hans Ruch. Bei einem Welschlandaufenthalt arbeitete der gebürtige Liestaler nach der obligatorischen Schulzeit in einer grossen Confiserie in Lausanne, wo auch Guisan einkaufte. Und im Zweiten Weltkrieg wurde Ruch als Feldpöstler beim Generalstab eingesetzt, wo er wiederum auf General Guisan traf, den er bedienen durfte.

Aufgewachsen ist Hans Ruch mit zwei älteren Brüdern in einer Zimmerei in Liestal. Als er sechs Jahre alt war, starb seine Mutter und wenig später erkrankte auch er schwer und fehlte ein halbes Jahr in der Schule. Weil er bei der Post keine Stelle fand, lernte er Buchbinder, fand jedoch auch dort keine Stelle und kam dann doch als uniformierter Aushelfer zur Post.

Familientradition weitergeführt

Seine Einsätze bei der Post führten ihn auch an den Jurasüdfuss, und so trat er eine Stelle in Solothurn an. Im Stadttheater lernte er seine spätere Ehefrau Anna Weber, auch sie Postangestellte, kennen.

1945 heirateten der Baselbieter Protestant und die katholische Bellacherin und zogen ins elterliche Haus an die Lommiswilstrasse. Hans Ruch wurde zum Posthalter in Bellach gewählt und führte so die langjährige Tradition der Familie seiner Frau weiter. Seit 1864 standen deren Grossmutter, Mutter und sie selbst nämlich im Dienste der Post Bellach.

1946 kam Sohn Hans-Jörg zur Welt, 1949 Sohn Peter – der allerdings kurz nach der Geburt verstarb. 1950 bezog die kleine Familie ein neues Haus an der Dorfstrasse 1, wo – wie damals üblich – auch das Postlokal eingemietet war. 1952 kam dann Tochter Barbara zur Welt. 20 Jahre später war das Postbüro zu klein für die aufstrebende Gemeinde, und Post und Gemeinde errichteten gemeinsam das neue Post- und Gemeindehaus.

Nach 44 Jahren Arbeit bei der Post, davon 38 als Posthalter in Bellach, wurde Hans Ruch pensioniert. Gerne unternahm er mit seiner Frau Reisen ins Engadin und in die Innerschweiz zu seinen Kindern und Grosskindern. Er traf sich zudem wöchentlich mit seinen Kollegen zur Jass- oder Kegelrunde und half mit, beim Aufbau des Dorfmuseum Bellach. Gerne verfolgte er auch die Auf- und Abstiege des FC Bellach, aber auch die Erfolge des FC Basel und von Roger Federer.

Als seine Ehefrau hilfsbedürftig wurde, pflegte er sie, bis sie ins Altersheim Ischimatt eintrat. Dort besuchte er sie jeden Tag und pflegte zudem mit viel Liebe sein Haus und seinen Garten. Als sie dann im Jahr 2004 92-jährig verstarb, organisierte er sich einen Mittagstisch in der «Linde», wo sich schon bald Kollegen dazugesellten. Mit 90 zog er in eine Alterswohnung und vor fünf Jahren ins Zentrum Leuenmatt.

Zwar schwinden die körperlichen Kräfte von Hans Ruch und er musste kleinere gesundheitliche Rückschläge annehmen. Obwohl er nicht mehr so gut hört und im Rollstuhl sitzt, ist er immer noch am Geschehen in der Welt interessiert und freut sich jeden Tag am Leben. Er telefoniert gerne und pflegt wenn immer möglich den Kontakt zu seiner Familie und seinen Freunden. Täglich liest er die Solothurner Zeitung und hat noch keine Abstimmung verpasst. Mit seiner geselligen und humorvollen Art hat er auch schnell Anschluss im Heim gefunden. (rm/mgt)