Ja, die Malerei, sie lebt noch – immer wieder neu ausformuliert und ausgeschöpft. Das zeigt sich auch in den stattlichen Bildszenarien des 30-jährigen Jakob F. Rieder, der seine malerische Ausbildung mit dem Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen hat. Man muss sie auf sich wirken lassen, allein wegen der Opulenz der Bildgrösse und der energisch sich fügenden malerischen Geste.

Jakob F. Rieder setzt voll auf die anekdotische Möglichkeit einer ungestümen, dabei durchaus bewussten Pinselführung, um die Betrachtenden in suggestive Universen zu entführen. Denn auch in diesen Malereien treibt der junge Künstler das vertraute Spiel mit der Wahrnehmung und illustrativer Inspiration.

«In jedem Dschungel findet sich ein Fleck Zivilisation», postuliert der Künstler im Titel dieser Serie und lässt zwischen den informellen Farbbewegungen figurative, räumliche und andere gegenständliche Fragmente aufblitzen oder eben nur vermuten. Phänomene, einem Lidschlag des Erkennens gleich in einer unfigurativ komponierten Wahrnehmung von Farbe und freier Form.

Pfiffig und offen schauen

Klassisch in Öl auf Leinwand konzipiert und verdichtet der Solothurner Künstler durchaus prozessorientiert rätselhafte und fiktive Situationen mit Pinsel und Farbe, und überlässt die visuelle Freiheit und Kreativität zur freien Interpretation. «Wie schwer ist es doch, einen Apfel zu sehen», stellt Rieder fest und meint, man müsse nur vigilant und aufgeschlossen ins Bildgeschehen schauen.

Die künstlerische Welt der Dinge ist ein reiches Biotop, das aus dem alltäglichen Mikrokosmos ebenso schöpft wie aus einer individuellen Kreativität. Davon zeugen auch die vielfältigen Inhalte und Formate von Nathalie Papatzikakis aus Olten. Sie zeigt in ihrer ersten Ausstellung, wie sich filmische und dramaturgische Bildideen – sie studierte Film- und Theaterwissenschaft – zeichenhaft und installativ neu formulieren lassen. Immer auf dem Grat von gestalterischem und situativem Konzept bespielt Nathalie Papatzikakis verschiedene Bedeutungsebenen ihrer Gedankenwelten.

Stets bleibt ihren Arbeiten eine allegorische Spannung unerwarteter und untergründiger Metaebenen: Mit einer Analogkamera aufgenommene Schwarzweissfotos von in Schwemmholz arrangierten Extremitäten oder floral arrangierten Gartenskulpturen wirken wie düstere Filmstills alter B-Movies. Installationen – insbesondere mit alten Schränken – erzählen über kunstgeschichtliche Verweise hinaus aus dem Fundus fiktionaler, skurriler bis märchenhafter Inszenierungen. Kleine Glasviolen, gefüllt mit natürlichen und synthetischen Materialien, oder Pflanzliches in Plexiglas eingeschweisst, agieren als zukünftige Relikte – ein künstlerischer Kosmos kreativer Betrachtungen.

Unerschöpfliche Suche

Der Solothurner Franco Müller zeigt sich typisch in den metaphysischen Stimmungen, kryptischen Grenz- wie Zwischenwelten, schattenhaften Architekturen, irrealen urbanen Situationen und nicht fassbaren Fragmenten in scheinbar totaler Auflösung. Seine Arbeiten inszenieren eine unerschöpfliche Faszination an der wandelbaren Materialität und Wirkung der Farben, des Farbauftrags, gesteigert zur variationsreichen Bildgestaltung mit verschiedenen, digitalen Techniken. Seine vertrauten Landschaftsmomente sind letztendlich die unerschöpfliche Suche nach Bildraum und -tiefe, Licht und Schatten, Bewegung und Ruhe, wenn sich die Dynamik der Acrylfarbstrukturen als informelle Geste zu irrealen Momenten verselbstständigt.

In der Hinterglasmalerei gibt der Farbfluss die suggestive Geschichte vor, Pinsel und der Künstler hinterlassen manipulative Spuren. Die digitale Verwandlungsfähigkeit des Bildes lässt Utopien entstehen, um die Wahrnehmung erkennbarer Situationen zu hinterfragen, die nicht identisch mit dem Ursprungsbild sind. Fotografische Bildebenen auf feinporige Blachen gedruckt verschieben Realitäten zu unwirklichen Assoziationen jener science- fiktionalen Dramaturgien, wenn der Künstler aus realen imaginäre Wirklichkeiten kreiert.