Etziken
Diese Komposition erweckt Erinnerungen an Spanien und Rosenduft

Die Musikgesellschaft Etziken spielte ein unterhaltendes Konzert und danach eine Komödie auf der Theaterbühne.

Hans Blaser
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Die Neue (Sabrina Stampfli) und der Jubilar (Roland Steiner) in einer Szene der Komödie «Hüt isch Sälbschtbedienig».

Die Neue (Sabrina Stampfli) und der Jubilar (Roland Steiner) in einer Szene der Komödie «Hüt isch Sälbschtbedienig».

Eigentlich ist es erstaunlich, dass man diesen Marsch nicht öfter hört. Nun hat ihn die Musikgesellschaft Etziken wiederentdeckt und aus der Versenkung geholt. Mit diesem «Hugo Schaad-Marsch» von Edouard Röthlisberger fand sie die gewünschte, schneidige Eröffnung.

Damit war sie bereit für die erste Herausforderung. Von Walter Liechti zum 75 Jahr-Jubiläum eines Seminarhotels geschrieben, entpuppte sich «Spirit of Lihn» als interessante Komposition. Das ist nicht nur durch ihre drei verschiedenen Tempi zu erklären. Auch innerhalb der Sätze werden jeweils abwechselnd ganze Instrumentengruppen hervorgehoben. So entsteht mehrfach der Eindruck einer Art von Dialog. Es passiert also musikalisch einiges in diesem Werk. Das vermochte die Gesellschaft auch aufzuzeigen.

Die nachfolgende Polka mochte sich vielleicht als Erholung angehört haben. Auch wenn das Tempo eher gemächlich schien, war Konzentration gefordert.

«Gilberte de Courgenay»

Ein Konglomerat von Namen verbindet sich mit der Komposition, die in die Pause führte. Sie heisst «Gilberte de Courgenay». Bekannt geworden ist das Lied durch Hanns In der Gand. Dieser Liedersammler und -sänger wurde 1882 als Ladislaus Krupski in Erstfeld geboren. Er hat das Lied nur verbreitet. Komponiert und getextet haben es die beiden Militärtrompeter Robert Lustenberger und Oskar Portmann gemeinsam. Schliesslich taucht noch der Name Klaus Butterstein auf. Er hat die gewählte Blasmusikversion arrangiert.

Den zweiten Konzertteil begannen die Etziker mit dem Opus 236 von Emile Waldteufel (1837–1915). Er nannte den Konzertwalzer korrekt «Espana». So nannte sein Landsmann Emmanuel Chabrier seine Rhapsodie, die er 1883 aus Erinnerungen aus seiner Spanienreise schrieb. Sie diente Waldteufel als Grundlage zu dieser – beachtlich gemeisterten – Herausforderung für die Etziker.

Auch wenn das ihre Fans vielleicht anders sehen, viel an musikalischer Aussage vermochte Frank Bernaerts aus «Lady Gaga – The Famous Showmix» in über 8 Minuten Spieldauer nicht zu extrahieren. Da gaben «Meine böhmische Liebe» von Andy Schreck für Franz Watz und sogar «S’Zündhölzli» von Mani Matter für Mario Bürki als Arrangeure schon mehr her. Und auch der Vergleich in dieser Hinsicht mit «Jungle Dixie» fiel zu dessen Gunsten aus. Ihn hat der Komponist Mario Bürki selber für die üblichen Besetzungen instrumentiert.

Für die erste Zugabe blieben die Etziker mit Mario Bürki zwar beim gleichen Komponisten, aber nicht beim gleichen Dirigenten, da übernahm Vizedirigentin Gabi Dietrich das musikalische Kommando. Für diesen «Twenty-Five Rock» behändigte sich Dirigent Ruedi von Arx ihr Althorn. Genau dieses Instrument spielt er nämlich in seinem Leben als aktiver Musikant andernorts auch. Für die zweite Zugabe nahmen beide ihre angestammte Position wieder ein.

Auch für diese nutzten sie die Komposition eines Schweizers. Nach dem Berner war es nun ein Ostschweizer. Roger Ender ist der Dirigent der Stadtmusik Bischofszell. Eine seiner Kompositionen wurde gerade rechtzeitig fertig für die Eröffnung der Bischofszeller Rosen- und Kulturwoche im Juni 2015. Das brachte ihn zum passenden Titel dafür. Er nannte sie «Rosenduft aus Bischofszell». Die Musik brachten die Etziker gekonnt in die Halle, den entsprechenden Duft schaffte sie aber nicht.

Musikanten in den Hauptrollen

Wie andere Vereine hat auch die Musikgesellschaft Etziken seit Jahren eine eigene Theatergruppe. Da ist sie aber nicht ein Anhängsel des Vereins. Fast alle haben vorher schon das ganze Konzert auf ihrem Instrument bestritten, wenn sie nachher in ihre Rollen schlüpfen. Diesmal gehörten sie zur zweiaktigen Komödie «Hüt isch Sälbschtbedienig». Geschrieben hat sie 2002 der Post Mail-Mitarbeiter, Regisseur und Schauspieler Martin Willi (1964). Es ist seine Nummer 47 auf der Liste, die derzeit unglaubliche 66 Theaterstücke umfasst. Das gefällige Stück wurde unter der Regie von Urs Müller gewohnt sicher interpretiert. Dabei erlebte die Perkussionistin Sabrina Stampfli als Callgirl Corinne Fischli ihre gelungene Theaterpremiere. Gleichzeitig feierte Fähnrich Roland Steiner als Tierpfleger Fritz Widmer seine 35. Theaterrolle.