Wildtiere
Diese Fotoausstellung öffnet Augen

Im Schweizerischen Museum Jagd und Wild auf Schloss Landshut in Utzenstorf bringt die Ausstellung «Grenzenlose Wildnis – Tiere auf Wanderschaft» neue Erkenntnisse.

Gundi Klemm
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Einmalige Fotos von Florian Schulz. zvg

Einmalige Fotos von Florian Schulz. zvg

Florian Schulz

Bis zum 16. Oktober ist im neuen Kornhaussaal (s. Zweittext) eine Sonderausstellung mit Fotos des international anerkannten und ausgezeichneten Naturfilmers Florian Schulz erstmalig in der Schweiz zu sehen. Der Deutsche arbeitet seit vielen Jahren in Nordamerika und zeigt mit seinen Fotos unberührte Landschaften in «grenzenloser Wildnis», wo Millionen von Wildtieren noch auf ihren seit der Eiszeit angestammten Wegen zu Lande, zu Wasser und in der Luft ungehindert wandern können. Die Bilder der Ausstellung im Kornhaussaal wirken wie betörende «Augenöffner».

Kornhaussaal wurde aufwendig renoviert

Mit der Ausstellung «Grenzenlose Wildnis – Tiere auf Wanderschaft» wurde der sanierte Kornhaussaal als Bestandteil des gesamten Landshut-Ensembles der Öffentlichkeit übergeben. Bisher fanden saisonale Sonderausstellungen im Schloss-Dachstock statt, der nur durch eine steile Wendeltreppe zu erreichen war. Spenden aus der Bevölkerung, der Gemeinden der Unteren Emme und von zahlreichen Organisationen haben dazu beigetragen, dass der Saal wieder in Betrieb genommen werden konnte. Die kantonale Denkmalpflege begleitete alle Arbeiten in dem 1725 als Anbau an die mittelalterliche Schlosswehrmauer errichteten Gebäude. Im Herbst stehen weitere bauliche Erneuerungen an, die dann den direkten Zugang aus dem Saal zum Museum für Wild und Jagd ermöglichen. (Gku)

«Bei uns hier in Europa und besonders in unserer kleinräumigen Schweiz sind die uralten tierischen Wanderstrecken durch Siedlungsdichte und Verkehrswege zerschnitten und häufig blockiert», führte Ausstellungskurator Andreas Ryser, Mitarbeiter des für Landshut zuständigen Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern, bei der Ausstellungseröffnung in die Thematik ein. «Für Tiere ist das Wandern aber unverzichtbar durch den Wechsel der Jahreszeiten, durch Nahrungssuche und Fortpflanzung.» Die Botschaft der Ausstellung, die bisher nur in Bozen zu sehen war, lautet: Lasst uns gemeinsam diese wunderbare Vielfalt des Lebens auf unserer Erde erhalten.

Problem: Inseldasein

Biologen warnen schon lange, dass tierische Fernwanderungen, wie sie am Jurasüdfuss etwa Wildschweine oder Hirsche unternehmen, auf grosse Hindernisse stossen. Natürlich gibt es inzwischen einzelne Tierbrücken über die eingezäunte Autobahn. Doch das Problem liegt weiterhin im Inseldasein einzelner Waldgebiete. Die inzwischen vorangetriebene Vernetzung von Wald- und Feldflächen könnte die Isolation von Tierpopulationen und deren genetische Verarmung verhindern. Eine Multimediastation im Ausstellungssaal vermittelt anhand von Beispielen aus den Alpen spannendes Hintergrundwissen über das Verhalten einheimischer Wildtierarten.

Mensch und Wildtier

Als wichtige Ergänzung zur Sonderausstellung versteht sich die Präsentation der Sammlung «Wild und Mensch in der Kulturlandschaft» in weiteren Stockwerken des Schweizer Museums für Wild und Jagd, das ebenfalls in Schloss Landshut beheimatet ist. Ein Nebeneinander von Mensch und Wildtier kann nur so funktionieren, indem menschliche Aktivitäten auf tierische Lebensbereiche Rücksicht nehmen. «Es braucht grosses Verständnis von Menschen, dass sie Tieren wie hierzulande Wolf oder Bär Raum zubilligen», wirbt Florian Schulz für eine kreative Form des Wildtiermanagements. Übrigens: US-Präsident Obama bediente sich eines von Schulz gedrehten Filmausschnitts über den Norden von Alaska, um dort Gebiete vor den Auswirkungen von Ölförderung zu schützen. Schulz arbeitet seit langem mit «National Geographic», BBC Wildlife» und «GEO» zusammen. Entstanden sind dabei beeindruckende Fotodokumentationen.

Infos: www.schlosslandshut.ch