Lohn-Ammannsegg

Diese Firma hat die Krisenjahre überstanden

Dominic Andres (44) führt seit 2002 die Andres AG. Sein Grossvater gründete die Firma.

Dominic Andres (44) führt seit 2002 die Andres AG. Sein Grossvater gründete die Firma.

Die Präzisionsdrehteileherstellerin Andres AG aus Lohn-Ammannsegg kämpft an gegen die Uhrenkrise und den starken Franken – jetzt zeichnet sich eine langsame Verbesserung der Auftragslage ab.

«Ich gehe davon aus, dass wir das Gröbste ausgestanden haben», sagt Dominic Andres. Er führt seit 2002 die Andres AG in Lohn-Ammannsegg. Der 44-jährige Unternehmer blickt zuversichtlicher als auch schon in die Zukunft. Das vor 61 Jahren von seinem Grossvater gegründete Familienunternehmen für Präzisionsdrehteile hat nämlich eine schwierige Phase hinter sich.

Die verhaltene Aufbruchstimmung ist beim Rundgang durch die Produktionshallen spürbar. Der Maschinenpark, bestehend aus 25 vollautomatischen CNC-Anlagen und 28 konventionellen Langdrehautomaten, scheint gut ausgelastet zu sein. Es ist eine Symbiose von älterer, bewährter Technologie und absoluter Hightech-Produktion.

Die Mitarbeitenden arbeiten konzentriert, um Kleinstteile – von Auge kaum sichtbar – bis einige Zentimeter grosse Drehteile herzustellen. Es riecht zwar leicht nach Öl, aber die saubere und sehr helle Werkhalle erinnert mehr an einen Bürotrakt oder an ein Labor als an einen typischen Décolletagebetrieb früherer Jahrzehnte.

«Komplett eingebrochen»

«Zwei Entwicklungen haben uns mehr als Bauchweh bereitet», blickt Andres zurück. Der starke Franken sei immer eine Herausforderung gewesen, aber die Aufhebung der Wechselkursuntergrenze im Januar 2015 zum Euro habe einen massiven Preisdruck ausgelöst.

Zwar liege der Anteil der direkt exportierten Güter derzeit bei nur 30 Prozent. «Aber indirekt kommen unsere Teile zu über 90 Prozent im Ausland zum Einsatz», so Andres. Die Schweizer Kunden hätten denn auch umgehend Preisreduktionen gefordert, um ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der ausländischen Konkurrenz erhalten zu können.

Gleichzeitig kämpft der Familienbetrieb gegen die Folgen der seit zwei Jahren andauernden Uhrenabsatzkrise. «Die Aufträge aus der Branche sind komplett eingebrochen.» Dabei trage diese Branche normalerweise rund zehn Prozent an den Gesamtumsatz bei.

Die Uhrenfirmen würden vermehrt Teile selber fertigen und die hohen Lagerbestände abbauen. «In Krisenzeiten trifft es immer zuerst die Zulieferer, die sozusagen als verlängerte Werkbänke benutzt werden», beobachtet der Unternehmer.

Noch stärker litt der Betrieb jedoch unter der Banken- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009, welche die Konjunkturentwicklung massiv dämpfte. Dominic Andres ist überzeugt: «Ohne den zehn Jahre zuvor erfolgten Einstieg in die Medizinaltechnik hätte unsere Firma diese Krise wohl kaum überlebt.»

Medtech-Nischenmärkte

Von 2010 bis 2015 konnte die Andres AG den Umsatzanteil in der Medizinaltechnik-Branche kontinuierlich steigern. Heute bilden die Medtechfirmen mit einem Anteil von über 50 Prozent am Gesamtumsatz die Hauptkundengruppe. Dazu gehören auch alle «Grossen» im Raum Solothurn. Hier liefert die Andres AG ein breites Sortiment für die Traumatologie, von hochpräzisen Teilen für Instrumente und Implantate, so etwa auch komplette Knochenschrauben.

Obwohl diese Branche ebenfalls wegen zunehmenden regulatorischen Auflagen – «das führt zu stetig steigenden Anforderungen und anspruchsvoller Planung auch für die Teilelieferanten» – kein Schlaraffenland mehr ist und derzeit ein wenig lahmt, will Dominic Andres schwergewichtig daran festhalten. «Es gibt interessante Nischenmärkte, in die wir vorstossen wollen.» Beispielsweise in den Bereichen Augenheilkunde, Dentalmedizin oder Endoskopie.

Im Bereich der Spezialitäten sieht er generell Chancen für einen typischen Schweizer Zulieferer wie die Andres AG. Er sagt: «Wir müssen uns auf komplexe, anspruchsvolle Teile konzentrieren und uns von den ‹08/15-Teilen› verabschieden.»

Keine Entlassungen

In den Krisenjahren sei es gelungen, jeweils zumindest eine schwarze Null zu schreiben, sagt Dominic Andres nicht ohne Stolz. Und dies bei einem Umsatzrückgang von über einem Drittel. Noch wichtiger aber ist dem Unternehmer, dass er keine Entlassungen aus wirtschaftlichen Gründen habe aussprechen müssen.

Im vergangenen Jahr sei es möglich gewesen, die Delle mit dem Abbau von Ferien und Überzeiten zu überbrücken. Und die Anfang des Jahres 2017 eingeführte Kurzarbeit sei inzwischen wieder aufgehoben worden. Die Andres AG beschäftigt unverändert 20 Mitarbeitende.

Die Firma, welche ihre Teile vom beschaulichen Lohn im Wasseramt in die ganze Welt verschickt, profitiert offensichtlich von der sich langsam erholenden Weltkonjunktur. «Beim Auftragseingang zeichnet sich eine Verbesserung ab», meldet Andres, ohne allerdings in Euphorie zu verfallen.

Im zweiten Halbjahr 2017 sollten Umsatz wie Ertrag steigen und für 2018 sagt der Patron eine weiter verbesserte Entwicklung voraus. Dominic Andres sagt: «Wir haben die Krise überstanden; auch weil das Unternehmen finanziell auf gesunden Füssen steht.»

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