«Wir haben es nicht so mit dem Feiern von Jubiläen.» Edwin, Danielle und Patricia Villiger hätten das 50-Jahr-Jubiläum der Villiger Treuhand AG (Biberist) beinahe vergessen. Dabei gäbe es gute Gründe für ein Fest: Die erfolgreiche Übernahme der Firma durch die zweite Generation beispielsweise.

Dass die Firma seit vielen Jahren in Biberist ist, hat allerdings auch ein bisschen mit Zufall zu tun. Edwin Villiger ist im Kanton Aargau aufgewachsen, hat ein Handelsdiplom gemacht und ein Praktikum auf einer Bank angehängt. Nach sechs Jahren bei der Bank, drei davon an der Börse, wollte er eigentlich in England arbeiten. Da dies nicht zustande kam, hat er schliesslich eine Anstellung in einem Treuhandbüro in Morges angenommen.

Der Liebe wegen kam er aber bald nach Luterbach, wo er zehn Jahre lang die Raiffeisenbank führte. Schon damals arbeitete er parallel dazu als Treuhänder. «Dank guter Beziehungen konnte ich dann ein Treuhandbüro in Biberist übernehmen, weil der damalige Inhaber verstarb. Für mich war das ein Glücksfall, weil ich schon länger den Wunsch hatte selbstständig zu werden», meint Edwin Villiger.

Zweites Standbein aufgebaut

Villiger hat das Personal und die Liegenschaft des Vorgängers übernommen und zusätzlich weitere Leute eingestellt. Als zweites Standbein neben dem Treuhandbereich hat er eine Immobilienabteilung aufgebaut. Dazu gehört heute vor allem das Verwalten von Liegenschaften.

Villigers Töchter Danielle und Patricia haben beide Wirtschaft studiert. Beide sind diplomierte Wirtschaftsprüferinnen und zugelassene Revisionsexpertinnen. Danielle zog es gleich nach der Matur an die HSG in St. Gallen. Nach dem Studium arbeitete sie fast 20 Jahre lang in grossen internationalen Firmen in Zürich und. «Mein ganzer Lebensmittelpunkt hat sich so nach Zürich verlagert», erklärt sie. Anders war es bei Patricia, die in Bern studierte und ihre Wurzeln trotz fünf Jahren Arbeit in Zürich immer in der Region Solothurn hatte.

«Für mich war klar, dass meine Töchter sich irgendwann entscheiden müssen, ob sie das Treuhandbüro übernehmen wollen oder nicht», meint Edwin Villiger dazu. Gedrängt habe er sie nicht dazu, was Danielle und Patricia schätzten. «Er hat sich von dem Moment, in dem wir beide die Firma übernommen haben, zurückgezogen. Bei Fragen war er da, aber er hat sich nie eingemischt», meinen die beiden übereinstimmend.

Patricia stieg vor rund achtzehn Jahren in das Unternehmen ihres Vaters ein. «Ich wollte herausfinden, ob mir die Arbeit überhaupt gefällt.» Sie habe als ganz normale Angestellte im Grossraumbüro begonnen und musste sich vor allem im Immobilienbereich einarbeiten. Nach einigen Jahren war sie bereit und übernahm sukzessive die Geschäftsleitung. Auch das war wieder ein Lernprozess. «Angestellt zu sein ist nicht dasselbe, wie ein Unternehmen selber zu führen.» Im Jahr 2012 kam dann auch Danielle nach Biberist und so übernahmen die beiden Schwestern die Leitung gemeinsam.

Kontakte pflegen

«Als ich anfing, wurden die Buchhaltungen noch von Hand geführt», so Edwin Villiger. Irgendwann wurde dann der erste Computer angeschafft. «Die Digitalisierung wird sicher noch weiter Einzug halten», so Patricia Villiger. Permanente Weiterbildung sei deshalb unabdingbar. Zu spüren bekomme man im Treuhand-Bereich auch die immer restriktiver werdenden Vorgaben vonseiten des Bundes.

Trotzdem blicken Danielle und Patricia Villiger zuversichtlich in die Zukunft. «Wir durften ein gesundes und gutes Unternehmen übernehmen. Viele unserer Kunden haben wir seit Jahrzehnten. Zudem sind wir innerhalb der Firma breit abgestützt.»

Tatsächlich sei nicht nur das Treuhandbüro von der zweiten Generation übernommen worden, auch bei vielen langjährigen Kunden sei die jüngere Generation eingestiegen. «Wir arbeiten vor allem für kleine und mittlere Unternehmen», so Danielle Villiger. Dabei werden alle klassischen Bereiche einer Treuhand-Firma abgedeckt. Auch bei Firmenumstrukturierungen oder Beratungen für Nachfolgeregelungen kann die Villiger Treuhand AG helfen. Heute beschäftigt das Unternehmen 14 Leute, die sich zehn 100-Prozent-Stellen teilen. «Wir bilden auch immer Lehrlinge aus», so Patricia Villiger.

Den beiden Schwestern ist es wichtig, den bestehenden Kundenstamm und einen guten Kontakt zu pflegen. «Wir werden sicher in der Zukunft noch etwas wachsen. Aber wir wollen ein gesundes Wachstum, in dem wir unsere jetzigen Strukturen beibehalten und die Qualität garantieren können.»