Drei Höfe

Diese beiden Künstler stellen im Näijerehuus ihre Arbeiten aus

Daniel Gaemperle (links) und Jean-Pierre Gerber in den Ausstellungsräumen vom Näijerehus in Hersiwil.

Die aktuelle Ausstellung im Näijerehuus in Hersiwil zeigt unter dem Titel «Frönen» Arbeiten von Daniel Gaemperle (Kleinlützel) und Jean-Pierre Gerber (Biel). Es ist ihre zweite grössere gemeinsame Ausstellung.

Daniel Gaemperle und Jean-Pierre Gerber kennen sich seit Jahren. Ihre erste grosse Ausstellung zu zweit war 2014 im «Le Gueulard» in St. Ursanne, wo einst Kalkbrennöfen standen. Dieser Kontext war ausschlaggebend für die Entstehung von Jean-Pierre Gerbers Skulpturen «weisse Engel». Aus Beton geformt, mit einem Hauch weisser Farbe, «weiss wie der Kalkstaub, der an den Arbeitern haftete», so Gerber. Einige «Engel» sind nun auch im Näijerehus zu sehen, fünf grosse, alle zwischen eineinhalb und zwei Meter hoch, im Garten.

«Engel sieht man nicht, aber sie sind da», ist seine Überzeugung. Heutzutage mache es sich gut zu behaupten, man glaube an nichts, sagt Gerber. Er aber bekennt sich in seinen Arbeiten, allein durch die Titelgebung seiner Skulpturen. Er sieht seine Engel ohne Arme und ohne Flügel auch als Kontrapunkt in einer Gesellschaft, in der die Bezeichnung «Gutmensch» durch die Politik zum Schimpfwort geworden sei.

Synthese von Klang und Farbe

Gerber arbeitet nicht ausschliesslich plastisch. «Ich gehe immer von Zeichnungen aus», sagt der vielseitige Künstler. Über das Zeichnen habe man einen anderen Bezug zur Form als ohne. Essenziell für sein künstlerisches Schaffen ist auch die Musik. Als ausgebildeter klassischer Sänger mit Solistendiplom ist die Synthese von Klang und Farbe ein zentrales Thema. Ausgestellte Zeichnungen, Malereien und Druckgrafiken zeugen davon – und die musikalischen Improvisationen an der Vernissage zusammen mit dem Musiker Rudolf Linder (Blasinstrumente) aus Basel.

Es liegen denn auch CDs von Jean-Pierre Gerber auf; etwa «Bassarts» mit Liedern von Zwingli, Calvin und Luther, dazu gehört eine kolorierte Partitur. Eine weitere Arbeit heisst «Easter Suite». Gerber hat die von Oscar Peterson vertonte Passion Christi mit neun Sätzen für Jazztrio visuell illustriert. Das entstandene Leporello beinhaltet Druckgrafiken in den liturgischen Farben und die dazugehörige Musik auf Tonträger. Auch hier eine Zusammenführung von Musik und bildender Kunst; und offensichtlich ein Bekenntnis zum Christentum. «Es prägt einen als Kind, wenn man am Sonntag einen Choral singt», so Gerber.

Sehen als Erkenntnis

Daniel Gaemperle zeigt gross- und mittelformatige, abstrakte Malereien; klar, leicht und tief. Auf die Frage, ob er denn ausschliesslich abstrakt male, verweist er mit Schalk auf die Mathematik: Abstraktion sei eine mathematische Grösse. «Abstrakt» eine Kategorisierung also, die für seine Werke nicht greift. Wenn, dann seien seine Bilder ungegenständlich, sagt er. Schon sind wir in philosophische Überlegungen über das Sehen in der Kunst verwickelt. «Bilder sieht man erst, wenn sie gemalt sind», sagt er.

Bei der Malerei gehe es darum, etwas wahrnehmbar zu machen, was nicht sagbar sei. Er will Sehen als Erkenntnis verstanden haben. «Meine Bilder siedeln sich in einem Bereich an, in dem wir nicht gewohnt sind zu sehen», so Gaemperle. Sie thematisieren etwas Allgemeingültiges, «etwas Menschliches». Insofern also doch abstrakt, wenn man unter «Abstraktion» eine Methode zur Herausarbeitung des Wesentlichen versteht, wie es ein Lexikon der Mathematik definiert. «Es gibt Erkenntnis, die man erleben kann, aber nicht mitteilen», sagt er. Und weiter: «Malerei ist präziser als Sprache.»

Alte Stoffe mit Geschichte

Gaemperle verwendet in seinen Bildern verschiedene Techniken. Zum Teil schafft er sich seinen Malgrund ausgehend von bearbeitetem Fotopapier, druckt auf Leinwand, um dann mit Farbe aus der Spraydose und mit Asphalt zu malen. Starke Kontraste mag er. Wie auch alte Stoffe, weil sie Geschichte haben – und Geschichten. Er arbeitet gern auf altem Leinen, spannt über eine Teilfläche einen zweiten Stoff, in einigen Bildern lässt er sogar ein kleines Stück über die Leinwand lappen, wie einen Wimpel.

Dadurch entstehen zwei Ebenen, als würde er eine Mehrschichtigkeit der Leinwand implizieren. Diese Arbeitsweise bringt seine Auseinandersetzung mit Grundsätzen und mit Wesentlichem der Malerei zum Ausdruck. Vielleicht ist es diese Auseinandersetzung, die den Bildern ihre Tiefe verleiht; tief, ohne schwer zu sein.

Liederabend mit Jean-Pierre Gerber (Bass) und Ursula Weingart (Klavier) am 24. Juni, 17 Uhr, im Näijerehus.

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