Am 20. August 1967 wurde auf einer Selzacher Anhöhe das «Schänzli» als in seiner Holzkonstruktion bescheiden wirkendes Haus der reformierten Gemeinde eingeweiht. Bis dahin hatten die reformierten Christen, die in Selzach seinerzeit schon fast 1000 Mitglieder umfassten, dank Entgegenkommen der katholischen Pfarrei ihre Gottesdienste in der katholischen Kirche gefeiert. Schon damals gab es nämlich im Dorf ein ökumenisches Zusammenwirken der Konfessionen, das bis heute anhält.

Um dem Wunsch nach einem eigenen Zentrum zu entsprechen, das in Protokollen der damaligen Planungsverantwortlichen liebenswürdig als «Wohnstube der Reformierten» bezeichnet wird, startete der reformierte Gemeindeverein eine grosse Sammelaktion. In jeder reformierten Familie im Dorf stand ein Kässeli. Das dadurch Ersparte sowie ein umfangreicher Basar ergaben wichtige Beiträge an die Baukosten von rund 150'000 Franken.

Für 40'000 Franken konnte das auf dem Areal «Schänzli» für kirchliche Aktivitäten angebotene Grundstück erworben werden. Die Projektentwicklung lag in den Händen von Roger Nyffeler, der mit Blick auf einen später möglichen Kirchenbau stets betonte, dass es sich beim Gebäude nur um ein Provisorium handle. Dank Eigenleistung der Gemeindemitglieder, in deren Reihen sich viele Handwerker befanden, nahmen die Planungen ganz im Sinne des Gemeindevereins und seines Präsidenten Adalbert Stoll Gestalt an.

Lebhaftes Gemeindeleben

«Von Anfang an war unser ‹Schänzli› stets voller Aktivitäten», weiss Anna Scheiber, Nachfolgerin von Stoll als Präsidentin des Gemeindevereins. Vor zwei Jahren übergab sie die Leitung des Gremiums, das sich jetzt Kirchenkreis-Team (KKT) nennt, an Ariane Zellweger.

Denn der Kirchenkreis setzt sich aus Selzach und Lommiswil zusammen, zählt inzwischen 1400 Angehörige und befindet sich unter dem Dach der Kirchgemeinde Solothurn. «Wir haben hier bei uns immer eine Balance zwischen lokaler Eigenständigkeit und der Gemeinschaft der fünf Einzelgemeinden in der Gesamtkirchgemeinde gefunden», betont Anna Schreiber, die gerade als deren Vizepräsidentin verabschiedet wurde.

Weil der Weg nach Solothurn eben doch etwas weiter ist, blühte im Kirchenkreis Selzach-Lommiswil ein lebhaftes Gemeindeleben. Bis heute finden alle Lebensalter vom Kleinkind bis zum Senior hier ansprechende Angebote. «Viele Anlässe wie etwa Hochzeiten, Konfirmationen oder Beerdigungsgottesdienste feiern wir aber weiterhin, weil das der Tradition entspricht und zudem mehr Raum gibt in der katholischen Kirche», erläutert Pfarrer Otfried Pappe, der in Selzach wohnt und beide Orte betreut.

So findet wechselseitig am Sonntagmorgen im «Schänzli» oder im Lommiswiler Gemeindehaus ein Gottesdienst mit anschliessendem Kirchenkaffee statt. Und Begegnungen in interessanten Themengruppen, in Unterricht, Bildungs- und Kulturveranstaltungen gebe es im Jahresverlauf in Hülle und Fülle. «Zu unserem grossen Glück engagieren sich bei uns viele freiwillige Helferinnen und Helfer», sagt Pappe, die «alle Basics» in der kirchlichen Arbeit ermöglichen würden.

«Wir sind ganz gut aufgestellt»

Im Verlauf der Jahre wurde das «Schänzli» drei Sanierungen unterzogen, die das Gebäude innen und aussen – weit entfernt von einem «Provisorium» – zu einem Schmuckstück machen. Hervorzuheben sind die drei farbigen Fenster, die der Künstler Roman Candio 1986 für den Kirchenraum schuf.

Besondere Aufmerksamkeit zieht auch der 1988 errichtete Glockenstuhl neben dem «Schänzli» auf sich, dessen Glockenton auf das Geläute der örtlichen katholischen Kirche abgestimmt ist. «Wir sind ganz gut aufgestellt», freuen sich Anna Schreiber, die im Gespräch die wegen Ferien abwesende Anna Zellweger vertritt, und Otfried Pappe. Dies auch im Hinblick auf das Festprogramm am Jubiläumswochenende.

Es umfasst neben einer Ausstellung zur «Schänzli»-Baugeschichte ein buntes Angebot am Samstag, 26. August, ab 14 Uhr, das von Trommelworkshop, Kasperlitheater, dem Flohmarkt für Kinder, dem Kirchencafé, vielfältigen Verpflegungsmöglichkeiten bis zur Filmvorführung reicht. Das Abendprogramm lädt ein zu gefälliger Musik, Wein und Grilladen. Und wie immer bei den Reformierten sind alle willkommen. Im Mittelpunkt am Sonntag, 27. August, stehen der Festgottesdienst um 10 Uhr und das anschliessende Paella-Essen im Festzelt.