In der Stube des «Seeblicks» mit dem schönen Blick auf den Burgäschisee versammelten sich fast 20 Mitglieder des Vereins Pro Wasseramt zur Generalversammlung. Zeit, aufs Wasser zu schauen, fanden sie aber nicht. Mit seiner Geldforderung an den Verein prägte Mitgründer Jürg Krämer beinahe jedes Traktandum der Versammlung. Dabei geht es um Leistungen, die Krämer aus seiner Sicht im Auftrag des Vereins ausführte, die aber vom aktuellen Vorstand um den Präsidenten Hardy Jäggi aus einem einfachen Grund bestritten werden. In der Buchhaltung des Vereins finden sich keine Belege für diese Leistungen und in den Protokollen keine Belege dafür, dass der Verein diese Arbeiten in Auftrag gab. «Der Vorstand hat gegenüber den Mitgliedern auch eine Verantwortung und kann nicht einfach Gelder sprechen für nicht belegte Forderungen», begründete Hardy Jäggi das Vorgehen an der Generalversammlung.

Dabei sagte auch Jäggi, dass die Verdienste von Jürg Krämer für den Verein Pro Wasseramt unbestritten seien. Er war Gründer und hat den Schlitten mit viel Eigenleistungen zum Laufen gebracht. Nur habe er diese Eigenleistungen nicht im Auftrag des Vereins durchgeführt, sondern aus eigenem Ansporn. Auch Kassier Thomas Rhiner bezeugte im «Seeblick», dass in der Zeit, seit der er beim Verein ist, keine Aufträge des Vereins an Krämer ergingen. «Ich wurde von ihm im Bereich Immobilien in den Verein reingeholt. Es ging ihm dabei immer um Suchoptimierung im Internet. Ich habe den Nutzen davon nicht gesehen, aber das hat er immer freiwillig gemacht. Da gab es nie einen Auftrag des Vereins», so Rhiner.
Krämers Forderung beläuft sich auf 40 000 Franken. Mit diesem Geld habe er in der Startphase den Aufbau des Vereins mit Konzept, Websites sowie einer NRP-Eingabe (Neue Regionalpolitik) vorfinanziert. 20 000 Franken seien Sponsoring. In einem rechtzeitig vor der Versammlung eingereichten Antrag forderte er, dass er entweder weiterhin für Werbung und Suchmaschinenoptimierung mit 800 Franken jährlich bezahlt wird oder dass die angebliche Schuld von 20 000 Franken zurückbezahlt wird. «Ich wäre bereit, mich mit 10 000 Franken abfinden zu lassen und auf den Rest zu verzichten», schreibt er weiter im Antrag.
An der Versammlung ergänzte er den Antrag mit angeblichen Belegen, die er ausgegraben habe. Warum er diese dem Verein nicht schon im Vorfeld zur Verfügung stellte, immerhin wurde er dazu mehrmals mit eingeschriebenem Brief aufgefordert, blieb sein Geheimnis. Die Belege selber sind kaum rechtsgenüglich, handelt es sich doch um Aufstellungen oder tabellarische Darstellungen sowie um Dankesschreiben von Kollegen, aber nicht um konkrete Belege oder gar um Belege von Vereinsaufträgen. Zudem sagte Krämer, dass er seinerzeit von Vorstandsmitgliedern dazu aufgefordert worden sei, die Schulden des Vereins bei ihm aus der Buchhaltung zu eliminieren, ansonsten der Verein Konkurs gehen müsste. So sei zu erklären, dass später diese Beträge nicht mehr in der Buchhaltung des Vereins Pro Wasseramt auftauchten.

Jäggi schritt zur Abstimmung über Krämers Antrag. Zu den Anträgen von Krämer, 800 Franken jährlich oder 10 000 Franken pauschal, gesellte sich ein Antrag aus der Versammlung. Für Krämers Leistungen sollen 2019 weiterhin 800 Franken budgetiert werden, und bis zur nächsten Generalversammlung sei abzuklären, welche Forderungen von Krämer rechtens sind. Doch alle drei Anträge wurden abgewiesen. Da nützte auch Krämers Drohung nichts: «Wenn Ihr mich abschiesst, werden 20 Mitglieder mit mir austreten.»

Der Verein wird auch im nächsten Jahr von Hardy Jäggi, Gemeindepräsident von Recherswil, präsidiert. Im Vorstand wirken zudem die Gemeindepräsidenten von Horriwil, Martin Rüfenacht, Bolken, Jeannette Baumgartner, und Aeschi, Stefan Berger, mit. Vorwärtskommen will der Vorstand in diesem Jahr beim Aufbau von Datenbanken für die Vereinswebsite. Diese Arbeit sei 2018 in den Hintergrund geraten wegen der Energie raubenden Auseinandersetzung mit Jürg Krämer, so Hardy Jäggi.