Die Chancen, dass die Gemeinde Zuchwil dem Investor Swiss Prime Anlagestiftung die Widi verkauft, sind merklich gestiegen. «Ich bin begeistert von den Plänen. Da sieht man, dass es nicht dumm ist, auch mal länger zu überlegen», so einer der bisher schärfsten Kritiker, Patrick Marti (SP).

Er ist ein wichtiger Vermittler zwischen der Gemeinde und dem Fussballclub, der heute auf der Widi trainiert und spielt, und der sich bisher gegen den Verkauf stemmt. Bald findet das finale Gespräch zwischen den Verantwortlichen des Fussballclubs und dem Sportzentrum statt, wo der Club eine neue Heimat finden soll. Vielleicht beeinflussen die vorgestellten Pläne die Gespräche positiv.

Am Ende entscheidet aber die kommende Gemeindeversammlung über den Verkauf. Vor eineinhalb Jahren ging dieser beinahe bachab. Der Souverän entschied sich an der Gemeindeversammlung gegen den Verkauf. Erst ein Rückkommensantrag am Ende, nachdem viele Gegner des Verkaufs der Versammlung bereits den Rücken gekehrt hatten, bewahrte die Investoren vor einer totalen Blamage. Das Geschäft ging nochmals zurück an den Gemeinderat.

Der Riverside Park

So hatte nun der Gemeinderat die Gelegenheit, Einsicht in die weiterführenden Pläne des Investors zu erhalten, inklusive einer von Prime Site Anlagestiftung bezahlten Planung für die gemeindeeigene Widi. Diese, und da musste auch der Vertreter des Investors seine früheren Vorstellungen korrigieren, erbrachte Überraschendes. «Zuerst dachte ich, wir starten das Projekt im Osten, jetzt beginnen wir im Westen», so Thomas Grossenbacher, Swiss Prime Anlagestiftung.

Und: «Anfangs sind wir davon ausgegangen, die Widi zu überbauen.» Doch der Masterplan, der auf dem empfohlenen Projekt eines Studienauftrages mit vier Teams beruht, sieht hier etwas anderes vor. Die Widi soll als verbindender Grünraum zwischen dem Wald und dem Aareraum Teil eines öffentlichen Riverside Parks werden.

Von der Wiese für die Fussballer zum öffentlichen Park für die Zuchwiler, das könnte der Weg des umstrittenen Landstücks sein. Der Riverside Park soll aber nicht ein Zückerchen für ein Ja zum Verkauf sein. Der Grünraum ist wesentlicher Bestandteil des gesamten Projektes. Er soll fingerartig von der Aare aus in das neue Quartier eindringen und das Bild einer Wohnlandschaft im Grünen festigen.

Promenaden und Plätze

Das Riverside-Areal könnte nicht weniger als das Gegenstück zum ähnlich grossen Areal der Solothurner Altstadt flussaufwärts werden, so die Idee von Ute Schneider, Direktorin des internationalen Architekturbüros KCAP, welches im Studienwettbewerb obenaus schwang.

Das gesamte Areal ist unterteilt in drei Bereiche, Grünraum, Wohnen und Arbeiten. Verschiedene Gebäude wie Stadthaus, Hofhaus, Mehrfamilienhaus und sogar ein Hochhaus (30 Meter) sind wie zufällig im Winkel der bestehenden, riesigen Fabrikhalle im Areal verteilt. Die Gebäude stehen untereinander in Beziehung und sie bilden Zwischenräume aus, die unterschiedlich wahrgenommen werden.

Auffallend sind zwei Promenaden, die in Süd-Nord-Richtung zum Park oder zur möglichen Anlegestelle an der Aare führen. Im Endzustand sind zwei Plätze zwischen den Arealen Wohnen und Arbeiten sowie im Areal Arbeiten geplant.

Gebaut wird in vier Etappen. Der Zeithorizont beträgt 15 bis 20 Jahre und mehr. Die letzte Etappe kann nur ausgeführt werden, wenn der nördliche Hallenteil zurückgebaut ist. Dort laufen aber Mietverträge noch bis über 2030 hinaus. Möglich sind der Bau von 450 bis 590 Wohnungen für über 1000 Menschen. Entstehen könnten zudem rund 250 Arbeitsplätze. Diese Zahlen sind natürlich vorläufige Schätzungen.

Grün sind auch die Ampeln

Im Zusammenhang mit dem Masterplan wurde dem Gemeinderat auch eine Wirkungsanalyse vorgestellt. Welche Auswirkungen hat das neu entstehende Quartier auf Zuchwil? Untersucht wurden acht Bereiche von der Entwicklung des Images von Zuchwil bis zu den Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in der Gemeinde.

Dabei stehen in allen acht Bereichen die Ampeln auf Grün mit Ausnahme des Verkehrs, die auf Gelb leuchtet. Grün heisst positive Wirkung, gelb keine Wirkung und rot negative Wirkung. Beim Verkehr ist eine Zunahme zu erwarten, aber die beiden Knoten Aarmatt und Juraplatz können diese Zunahme problemlos verkraften, so die Verfasser der Wirkungsanalyse.

Zu Wachstum in der Gemeinde riet Ortsplaner Walter Weber, der das Räumliche Teilleitbild zum Areal Riverside vorstellte. «Sonst geschieht das Wachstum in den anderen Gemeinden, und wir haben einzig den Verkehr von dort zu unseren Arbeitsplätzen.»

Das Teilleitbild richtet sich im Wesentlichen nach dem vorgestellten Masterplan. Im Gegensatz zu den Investoren wünsche die Gemeinde aber einen grösseren Anteil Stockwerkeigentum. Zudem verlangt das Teilleitbild ein Mobilitätsmanagement, damit das vom Investor propagierte Ziel, ein Auto-unabhängiges Wohnen und Arbeiten im Quartier, auch erreicht werden kann.

Der Gemeinderat nahm die Information zur Kenntnis und gab das Teilleitbild mit 21:1 Stimmen bei einer Enthaltung frei zur Vorprüfung und zur öffentlichen Mitwirkung.