Unterstützung
Die Wasserämter Jugend hat eine Stiftung

Früher wurden Ferienkolonien und Mütterferien im «Alpenblick» in Aeschi bei Spiez organisiert, heute werden Projekte finanziell unterstützt.

Urs Byland
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Bernadette Umbricht-Schwaller (Lohn Ammannsegg) und Hermann Gehrig (Aeschi) führen die Stiftung mit viel Engagement.

Bernadette Umbricht-Schwaller (Lohn Ammannsegg) und Hermann Gehrig (Aeschi) führen die Stiftung mit viel Engagement.

Hanspeter Bärtschi

Projekte von oder für Wasserämter Kinder und Jugendliche erhalten von der Stiftung Alpenblick finanzielle Unterstützung. Die Liste der Unterstützten reicht vom Jugendsportlager Zuchwil über die Ludothek Gerlafingen bis zur Jungwacht/Blauring-Gruppe Derendingen.

Im Jahr 2018 profitierten beispielsweise 21 Organisationen von einem finanziellen Zustupf. Verwalter Hermann Gehrig aus Aeschi erzählt mit leuchtenden Augen vom Wirken der Stiftung und insbesondere von deren Geschichte und deren Gründern.

Ein Geschenk von der Pro Juventute

Den Blick auf die Alpen können nicht alle Wasserämter geniessen. Deshalb stellt sich die Frage, warum diese Stiftung diesen Namen trägt. Fündig wird man in Aeschi bei Spiez. Dort führte der Stiftungsbezirk Kriegstetten der Stiftung Pro Juventute, mitgegründet 1912 von Ulrich Wille junior, hitlerfreundlicher Sohn von 1.-Weltkrieg-General Ulrich Wille, seit 1943 das Ferienhaus Alpenblick. Es diente als Hort der Erholung für Kinderkolonien und Mütterferien.

Bezirkssekretär war damals Albin Bracher. Oberst Bracher ging einen Schritt weiter, gründete die Stiftung Ferienversorgung im Bezirk Kriegstetten und nutzte die Gelegenheit, als Pro Juventute nicht weiter Interesse am «Alpenblick» hatte.

Ulrich Wille, immer noch und bis zu seinem Tode 1959 am Ruder der Pro Juventute, sowie Zentral sekretär Otto Binder (Mitbegründer der Schweizerischen
Jugendhefte) übertrugen das Ferienhaus Alpenblick im Jahr 1950 Brachers Stiftung.

In den folgenden Jahren besuchten Hunderte von Kindern aus dem Wasseramt und Mütter aus der ganzen Schweiz Ferienkolonien im Ferienhaus Alpenblick. «Bracher wollte Gutes tun», sagt der heutige Verwalter Gehrig. Vielleicht getreu dem Zitat von Heinrich Pestalozzi, das sich im Jahresbericht 1963 findet: «Wer Gutes tun kann, und es nicht tut, dem ist es Sünde.»

Zum Frühstück gab es Haferbrei mit Zimtzucker

Im Jahr 1966 endete die Präsidentschaft von Albin Bracher. 1967 übernahm in der Person von Peter Kammermann eine engagierte Figur den Posten des Verwalters der Stiftung und des «Alpenblicks».

In seinem Bericht 2003 zum 60-Jahr-Jubiläum schreibt er von seinen Erinnerungen, war er doch selber auch als Kind 1950 in einer Ferienkolonie im «Alpenblick».

Die Kinder wurden früher jeweils noch vom Schularzt

als «ferienbedürftig» gemeldet, denn die Plätze in den Kolonien waren wohl Mangelware. Zu Beginn und Ende der Kolonie wurde das Gewicht der Kinder gewogen. Man wollte den Erfolg in Form von Gewichtszunahme vermelden können. Zum Frühstück gab es Haferbrei mit Zimtzucker und nur am Sonntag Konfibrot. Für die Kolonien wurde im Wasseramt Gemüse gesammelt. Der Nachmittag begann mit Liegezeit in den Zimmern bei absoluter Ruhe.

Oberst Bracher war dafür besorgt, dass die Kinder jeweils gratis auf den Niesen fahren konnten. Teller mussten leer gegessen werden. Es gab organisierte Kartenschreibstunden, verbunden mit der Hoffnung, ein Fresspäckli zu erhalten. Finanziert wurden die Kolonien mit obligatorischen Beiträgen der Wasserämter Gemeinden, Elternbeiträgen und Spenden.

Aber auch die ansässigen Unternehmer liessen sich nicht lumpen. Das erste Fernsehgerät mit Zimmerantenne wurde an einer offiziellen Übergabe durch die Spenderin, die Autophon AG, überreicht. Wasserämter Industrie und Gewerbe unterstützte die Renovation des «Alpenblicks» massgeblich.

Hausverkauf und Zweckänderung der Statuten

Doch das Interesse an den Ferienkolonien im «Alpenblick» schwand. 1974 war das erste Jahr ohne festes Personal im «Alpenblick». Damals wurden neben den Ferienkolonien und den Mütterkolonien erstmals Klassenlager aus dem Wasseramt durchgeführt. Sechs Jahr später wurde keine Mütterkolonie mehr durchgeführt. 1984 gab es keine Kolonien mehr. Damals mieteten elf Gruppen den «Al- penblick». Drei Jahre später erhielt die Stiftung den neuen Namen «Wasserämter Stiftung Alpenblick Aeschi bei Spiez». Aber bereits 1991 wurde das Haus für 800'000 Franken verkauft.

1993 genehmigte der Regierungsrat eine Zweckän derung der Stiftung und den neuen Namen Stiftung Alpenblick der Wasserämter Jugend. Fortan sollen Jugendgruppen und Jugendorganisationen des Bezirks Wasseramt finanzielle Hilfe erhalten sowie private Einrichtungen zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Der ursprüngliche Zweck konnte mangels Immobilie nicht mehr verfolgt werden.

Das Ferienhaus «Alpenblick» in Aeschi bei Spiez existiert heute nicht mehr. Es wurde abgebrochen für eine grössere Überbauung.

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