Aetigkofen
Die Vögel ziehen – noch

Die kalte Jahreszeit kommt, die Zugvögel gehen. Auf der Aetigkofer-Egg lud der Natur- und Vogelschutzverein Bucheggberg am Samstag dazu ein, das Wunder des Vogelzugs gemeinsam zu beobachten und Vögel zu zählen.

Lea Reimann
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Blick in Richtung Nordosten: Die Vögel sollen möglichst früh erkannt werden.

Blick in Richtung Nordosten: Die Vögel sollen möglichst früh erkannt werden.

Lea Reimann

«Etwa achtzig Ringeltauben!», ruft Ornithologe Konrad Eigenheer. Während ungeübte Augen am Himmel weit und breit noch keinen Vogel ausmachen können, beginnen die Vogelkundigen mit dem Fernrohr vor den Augen zu fachsimpeln. Sogleich werden die achtzig Ringeltauben in ein Buch eingetragen, in welchem jede Stunde des Tages in eine einzelne Spalte unterteilt ist. So hat man die genaue Übersicht, welche Vogelarten zu welcher Uhrzeit gesichtet wurden – und kann zudem mit den vorjährigen Zugvogeltagen im Buch vergleichen.

«Wir schauen in Richtung Nordosten, um die Vögel, die von dort kommen, möglichst früh zu erspähen», erklärt Paul Storchenegger, Co-Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Bucheggberg. «Gänse oder Kormorane fliegen in einer typischen V-Form, um den Luftwiderstand gering zu halten.» Finken hingegen sammeln sich in lockeren Schwärmen. Andere Arten wiederum drängeln sich dicht, um Greifvögeln keine Chance zu lassen.

Verschwindet der Vogelzug?

«Ringeltauben haben wir heute Morgen am meisten gesehen», berichtet Paul Storchenegger. Aber die Vielfalt der gesichteten Arten ist gross. Besonders häufig waren Buchfink, Kernbeisser und Singdrossel, aber auch Turmfalken, Bachstelzen, Kormorane und Lerchen habe man erspähen können. Dennoch sei die Bilanz eher rückläufig. «In den letzten Jahren haben wir am Zugvogeltag immer weniger Tiere gezählt», so Storchenegger. Das habe vermutlich damit zu tun, dass sich der Vogelzug mit dem Klimawandel nach hinten verschoben habe. Es könnte aber noch schlimmer kommen. Wegen der milderen Winter gebe es für Zugvögel immer weniger Anlass, in den Süden zu fliegen. «So ist es möglich, dass es in fünfzig oder hundert Jahren keinen Vogelzug mehr gibt, weil die Vögel hier in Mitteleuropa bleiben», erklärt Paul Storchenegger. Der Distelfink beispielsweise, früher ein typischer Zugvogel, bleibe schon heute teilweise den Winter über hier.

Augen und Ohren offen halten

Als am Himmel plötzlich ein auffälliges Geräusch ertönt, zücken die Vogelbeobachter wie auf Kommando wieder ihre Ferngläser. «Das sind Buchfinken, die erkennt man oft bereits an ihrem Ton.» Storchenegger ist fasziniert vom Naturwunder Vogelzug und es sei eine Freude, dieses miterleben zu dürfen – die Bilanz der gezählten Tiere stehe dabei im Hintergrund. Viel wichtiger sei es, Leute zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck hat der Verein Infotafeln aufgestellt und Materialien bereitgelegt. Immer wieder kommen Interessierte vorbei, informieren sich und blicken auch selbst einmal durch die Ferngläser. In geselliger Atmosphäre mit Gebäck und Tee kommt man schnell ins Gespräch. Und das ist wichtig, denn in Sachen Vogelschutz kann jeder Einzelne seinen Beitrag leisten. «Zum Beispiel, indem man entsprechende Pflanzen fördert», empfiehlt der Natur- und Vogelschutzverein und bietet dazu auch gerne Hilfe an. Bäume mit Beeren, so etwa Holunder, seien für Vögel sehr wertvoll, damit sie sich in den Monaten vor der Reise ein Fettpolster anlegen können. So kann den Zugvögeln geholfen werden, damit sie sich im Herbst voller Energie auf ihre strapaziöse und gefahrenvolle Reise in Richtung Süden begeben können.

Die Bilanz zum Zugvogeltag mit gesamtschweizerischer Statistik ist unter www.birdlife.ch einsehbar.