Dass sich in einem Dorf gleich vier Kandidaten für ein Amt zur Wahl stellen, das ist nicht selbstverständlich. Stefan Keller (Parteilos), Linda Walter-Naef (FDP), Beat Späti (FDP) und Fritz Lehmann (SVP) möchten sich am 23. September ins Gemeindepräsidium wählen lassen. Am Mittwoch erschienen deshalb rund 100 Neugierige im Bellacher Turbensaal, die diese vier Personen näher kennen wollten. Durch den Abend führten Livia Middendorp, Redaktorin Radio 32, und Urs Byland, Redaktor der Solothurner Zeitung.

Die Neuwahl des Bellacher Gemeindepräsidenten ist nötig geworden, weil Amtsinhaber Roland Stadler im vergangenen März überraschend verstarb. Seither führt der langjährige Gemeinderat Fritz Lehmann (SVP) den Vorsitz in der Gemeinde.

Holpriger Start

Los ging es mit einem holprigen Start: Die Moderatoren wollten mit einem Wahlbarometer beginnen und stiessen dabei bei den Leuten im Saal auf Unverständnis. Niemand im Saal wollte sich exponieren.

Bei der Vorstellung der Kandidaten nahm der Abend dann aber Fahrt auf. Beat Späti (FDP) bezeichnete sich als bodenständigen Handwerker: «Ich arbeite mitten im Dorf und stehe mitten in der Gesellschaft.» Stefan Keller (Parteilos) arbeitet als Coach und bezeichnet sich als Gleitschirmabenteurer. Linda Walter-Naef (FDP) ist Lehrerin. Sie würde bei einer Wahl ihre Stelle künden und sich ganz dem Amt als Gemeindepräsidentin widmen. Fritz Lehmann (SVP) hat seinen Landwirtschaftsbetrieb an den Sohn übergeben und weiss als Gemeindepräsident ad Interim bereits, was ihn erwarten würde.

Leere Wohnungen

Bei den diskutierten Themen zeigte sich, dass die vier Kandidaten gar nicht so weit auseinander liegen. Alle vier möchten den Lehrwohnungsbestand senken und die Gemeinde für gute Steuerzahler attraktiver machen. «Bellach ist ein gutes Dorf für uns Rollstuhlfahrer», sagte zum Beispiel Stefan Keller, «hier kann man problemlos die öffentlichen Verkehrsmittel brauchen. Wenn sich das unter den Rollstuhlfahrern herumspricht, dann könnten sicher einige der heute leeren Wohnungen vermietet werden.»

Keller, der erst vor kurzem nach Bellach gezogen ist, möchte die Willkommenskultur pflegen, um gute Steuerzahler anzulocken. Linda Walter-Naef entgegnete: «Auch die Leute, die weniger Steuern zahlen, bringen dem Dorf viel.» Beat Späti schlug vor, die verkümmerten Bräuche wie zum Beispiel die «Bäucher Chilbi» wieder zu beleben, um das Dorf attraktiver zu machen.

Leidiges Thema Steuersatz

Beim Steuersatz, der derzeit bei 125 Prozent liegt, meinten alle vier: Eine Senkung in naher Zukunft wäre wünschenswert, ist aber im Augenblick nicht möglich. Linda Walter will zuerst schauen, wie sich die eidgenössische Steuerreform auswirken wird, bevor sie eine Steuersenkung in Betracht zieht.

Fritz Lehmann nannte konkrete Zahlen: «Netto wird Bellach nach der Steuerreform mit 200'000 Franken im Minus sein. Deshalb ist eine Steuersenkung im Moment kein Thema. Wir haben Schulden abzubauen und sollten Eigenkapital aufbauen.» Stefan Keller sprach sich für ein moderates Wachstum der Einwohnerzahl aus, um dank Mehreinnahmen die Rechnung zu verbessern. «Sicher nicht höher. Sobald es geht, etwas runter.» So gab Beat Späti seine Steuerprognose ab.

Kaum Unterschiede

Als es um Tempo 30 im Dorf ging, sprachen sich Linda Walter und Stefan Keller für eine generelle Einführung aus, wo immer Sicherheit und Wohnqualität gefördert werden könnten. Fritz Lehmann und Beat Späti fanden, dass Tempo 30 auf gewissen Strassen im Dorf Sinn machen könnte, es dürfe aber nicht zur Verkehrsbehinderung führen.

Bei den informellen Gesprächen nach dem Anlass im Turbensaal meinten die Bellacherinnen und Bellacher ziemlich unisono, dass keine grösseren Unterschiede bei den Ansichten der vier Kandidierenden auszumachen waren. Man beurteilte deshalb die vier durchweg kompetent und sympathisch auftretenden Personen anhand ihrer Vergangenheit: Von der Lehrerin Linda Walter-Naef erwartet man ein Engagement im Bereich Bildung und Soziales, vom Bauern und Unternehmer Fritz Lehmann realistische, pragmatische Problemlösungen und einen sparsamen Kurs, vom Gewerbler Beat Späti eine wirtschaftsfreundliche, liberale Politik.

Während sich diese drei Kandidaten seit vielen Jahren in der Bellacher Partei- und Dorfpolitik engagieren, erhofft man sich vom frisch zugezogenen, parteilosen Stefan Keller frischen Wind und einen neuen Blick von aussen, um die alten Probleme lösen zu können.