Inkwilersee
Die Verlandung stoppen: Ohne Massnahmen verschwindet der See

Für die Sedimententnahme beim Inkwilersee braucht es eine kantonale Nutzungsplanung.

Rahel Meier
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Mit der Entwässerung in den sogenannten Geotubes, hat man vor zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Mit der Entwässerung in den sogenannten Geotubes, hat man vor zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht.

Rahel Meier

Der Testlauf vor zwei Jahren war erfolgreich. Darum soll im Herbst mit der Sedimententnahme im Inkwilersee gestartet werden. Ein 55 Seiten starkes Konzept zeigt Massnahmen auf, mit denen die Verlandung des Sees gestoppt werden soll. Diverse kleinere und grössere Massnahmen sind schon länger umgesetzt. Die Sedimententnahme ist eine der Hauptmassnahmen. Da es sich dabei um einen «Eingriff mit grossen Auswirkungen» handelt, mussten die Behörden einen kantonalen Erschliessungs- und Gestaltungsplan erarbeiten.

Infoveranstaltung für Interessierte

Es wurden sowohl Wünsche, als auch kritische Äusserungen angebracht

«Kritische Fragen sind erwünscht», meinte Philipp Staufer an der Infoveranstaltung am Dienstagabend. Und sie kamen. So wollte eine der Anwesenden wissen, warum man das Wasser in den See zurücklaufen lasse, ohne es von den Nährstoffen zu befreien. «Die Nährstoffe sind ja das Problem.»

Der grösste Teil der Nährstoffe sei im Sediment gebunden und werde zurückgehalten. Wolle man auch die im Wasser gelösten Stoffe herausfiltern, brauche man Chemie, was auch nicht erwünscht sei. Ob mit der Entnahme nicht der Seespiegel gesenkt werde? Auch das Entfernen der See- und Teichrosen wurde kritisch hinterfragt. Weniger, dass es gemacht werden muss, als die Art und Weise, die vorgesehen ist.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Zwischenlagerung des Sedimentes, die in den Geotubes sehr viel Platz beanspruche. Ob man andere Varianten geprüft habe? Am meisten diskutiert wurde über die vorgeschlagene Ersatzmassnahme in der Seehostet.

Befürchtungen, dass es Rückstau in den Drainagen geben könnte, oder auch Nachbarparzellen vernässt würden, wurden laut. Schliesslich wurde auch die Finanzierung angesprochen. Befürchtungen, das Projekt werde teurer als ursprünglich veranschlagt, wurden geäussert. Unverständlich war zudem für viele der Anwesenden, dass der Inkwilersee auf der Solothurner Seite unter Schutz steht, im bernischen Teil aber nicht.

Als Wunsch wurde weiter geäussert, dass der Weg rund um den See auch auf der Solothurner Seite saniert werden sollte. «Oft ist er sehr sumpfig und kann kaum begangen werden.»

Dieser wurde am Dienstagabend den interessierten Anwohnern präsentiert. «Die kantonalen Fachstellen und die Umweltverbände haben wir bereits früher in die Erarbeitung des Planes einbezogen», erklärt Philipp Staufer (Leiter Abteilung Wasser, Amt für Umwelt, Kanton Solothurn).

Rund 15'000 Kubikmeter Schlamm sollen in einem 15 Meter breiten Gürtel rund um den ganzen See entnommen werden. Dabei muss ein Abstand von zwei Metern zum Wasserröhrichtgürtel eingehalten werden. Zudem darf nicht mehr als einen Meter tief abgesaugt werden, damit die archäologischen Fundstellen erhalten bleiben. Zur Sedimententnahme darf in die Ufervegetation eingegriffen werden, ebenso müssen geschützte Seerosen entfernt werden. «Wir werden die Seerosen in bestimmten Bereichen stehen lassen, damit sie sich von dort aus wieder verbreiten können», erklärt Staufer. Damit Flora und Fauna so weit als möglich geschont werden, wird die Sedimententnahme auf das Winterhalbjahr beschränkt und erfolgt zwischen Anfang Oktober und Ende Februar.

Installationen bleiben stehen

Die Installationen für den Saugbagger und die Lagerung des Schlamms werden schätzungsweise zweieinhalb Jahre stehen bleiben. Dadurch ergeben sich auch gewisse Einschränkungen für die Bevölkerung. Der Parkplatz auf der Bolkner Seite des Sees wird während dieser Zeit nicht nutzbar sein. «Wir zeigen mit dem Gestaltungsplan auch die Erschliessung und die Parksituation auf», so Stauffer. Es werde einen provisorischen Parkplatz geben und der Zugang zum See sei gewährleistet. Da es rund um den See sensible Böden gibt, können schwere Maschinen und Lastwagen nur über die definierten Wege zu- und wegfahren.

Mit der Planung werden auch die Flächen definiert, die für die Entwässerung und die Lagerung des Sedimentes genutzt werden sollen. «Man muss sich vorstellen, dass da rund 100'000 Kubik Schlamm-Wasser hin und her fliesst. Das Wasser, das zurück in den See geht muss sauber sein.» Der Versuch vor zwei Jahren hat die früheren Untersuchungen bestätigt und aufgezeigt, dass das Sediment qualitativ hochstehend ist. Es wird deshalb von Landwirten aus der Region abgenommen und auf die Felder ausgetragen.

Feuchtgebiet schaffen

Mit dem Gestaltungsplan werden nicht nur die Grundlagen für die Sedimententnahme geschaffen. Gleichzeitig sollen auch die Bestimmungen zum kantonalen Naturreservat Inkwilersee, die aus dem Jahr 1949 stammen, revidiert und den heutigen Ansprüchen angepasst werden. Zudem werden die Unterhalts- und Pflegemassnahmen festgelegt.
Weil mit der Entnahme des Sedimentes in die Ökologie rund um den See eingegriffen wird, müssen Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen ausgeführt werden. «Wir möchten in der sogenannten Seehostet ein Stück Drainage freilegen und so ein Feuchtgebiet schaffen, das zwischen März und Juni vielen Kleinlebewesen Raum bieten würde.» Dieser Bereich sei speziell dafür geeignet, weil es dort wegen der Vernässungen im Winter sowieso Einschränkungen für die Landwirtschaft gebe.

Der Inkwilersee gehört zu zwei Kantonen. Im Kanton Solothurn muss der Gestaltungsplan aufgelegt werden, damit die Sedimententnahme ausgeführt werden kann. Im Kanton Bern reicht eine Baugenehmigung. Staufer hofft, dass es während der öffentlichen Auflage keine Einsprachen gibt. «Dann könnten wir im Oktober mit den Arbeiten beginnen.»