Treffpunkt Einsiedelei
Die Verenaschlucht ist längst nicht mehr nur ein Ort der Stille

Die Verenaschlucht und die Einsiedelei stehen hoch im Kurs der Ausflügler aus der nahen und weiten Region.

Vanessa Simili
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In der Verenaschlucht und Einsiedelei
19 Bilder
In der Verenaschlucht und Einsiedelei
Beim Eingang zur Klause steht ein Schild mit dem Hinweis: Ort der Besinnung und Andacht.
Sie kommen auf einer Führung vorbei mit dem Trottinett.
Schlucht und Einsiedelei sind Garanten für spektakuläre und besinnliche Momente.
In der Höhle hinter der Martinskapelle
In der Höhle hinter der Martinskapelle
In der Höhle können Kerzen angezündet werden
Die Kapellen, Grotten und die Klause stehen unter kantonalem Denkmalschutz
Dies ist ein Naturschutz-Reservat
Beliebter Hunde-Trinkbrunnen
Von der Einsiedelei gehts die Verenaschlucht hinunter
Über Brücken gehts dem Weg entlang
Hunde müssen an der Leine geführt werden
Diese Jungs haben Spass am Verenabach
Im unteren Teil der Verenaschlucht geht es diesem Bächli entlang

In der Verenaschlucht und Einsiedelei

Oliver Menge

Wer den nördlichen Eingang zur Einsiedelei nimmt, wird von einer Baustelle empfangen. Eine Notbrücke führt über den Verenabach und ersetzt vorübergehend die am 21. März eingestürzte Brücke. Nichtsdestotrotz ist das Restaurant Einsiedelei an diesem kühlen Nachmittag gut besucht.

Die weisse Schürze verrät, wer hier das Sagen hat. Franz Aerni hantiert am Kohlegrill, koordiniert das Servicepersonal und nimmt sich dann Zeit für ein Gespräch. Vor 41 Jahren habe er das Restaurant übernommen, wobei damals nur die Terrasse da war. Alles andere – der Pavillon mit 100 Plätzen sowie die zwei Terrassen und das kleine Winterbeizli nebenan – sei peu à peu entstanden. «Mir war wichtig, hier etwas zu machen, das in diese Idylle passt», so Aerni. Er hatte gerade die Wirteprüfung gemacht, als er vor der Entscheidung stand, das Restaurant zu übernehmen. Dass es in seinem Besitz ist, sei «sein Riesenglück». Denn hier habe er viel selber gebaut. Und viel gekämpft, bis es zum heutigen Restaurant Einsiedelei geworden ist. Aerni erzählt von Erlebtem, Erträumtem und Erreichtem – und von seinem Architekturmodell aus Schokolade, um damit seine Idee des Restaurants zu visualisieren.

Serie: Treffpunkte

Wo sind die Hotspots in der Region? Wo gehen die Menschen gerne hin und lassen sich auf Begegnungen ein? Wir haben Hotspots besucht. Der vierte Teil widmet sich der Verenaschlucht und der Einsiedelei.

Unsere Bewertung:

Erholung: Orange Ampel
Unter der Woche vielleicht tatsächlich ein Ort der Besinnung und Andacht. Am Wochenende aber nicht besonders still und erholsam.

People: Grüne Ampel
Die besondere Atmosphäre zieht Besucher jeden Alters mit den unterschiedlichsten Interessen an. Regionale und weit Angereiste.

Attraktivität: Grüne Ampel
Denkmalgeschützt, einer der bedeutendsten Landschaftsgärten der Schweiz – die Attraktivität ist garantiert.

Eine Kerze anzünden für Freundin Verena

Nur wenige Schritte weiter in der Verenakapelle: Paula und Guido Eigenmann aus St. Gallen zünden Kerzen an. Acht Stück. Für jedes Familienmitglied eine. «Ich war vor zwei Jahren mit dem Turnverein hier, und es hat mir so gut gefallen, dass ich meinem Mann diesen Ort zeigen wollte», so Paula Eigenmann. Einen Bezug zur heiligen Verena habe sie nicht. Aber eine Freundin, die Verena heisse. Für sie wird auch gleich noch eine Kerze angezündet.

Vor der Ölberggrotte fotografiert Maria Sueli Acioli ihre Freundin Josenilda Santos, die aus Brasilien zu Besuch ist. Sie sind von Bern angereist, zusammen mit dem Kunsthistoriker und ETH-Architekten Ivo Zemp. «Ich bringe Freunde gern an diesen speziellen Ort», sagt Zemp. Allein der Symbolik wegen. Die ganze Anlage stehe für die katholische Kirche und unsere Kultur, und es sei schön, dass sie erhalten sei. Die mit Klebeband markierten Quadrate und frisch gespachtelten Stellen an Wänden und Decke der Verenakapelle fallen dem Expertenauge sofort auf. Offenbar würden hier gerade Farbproben genommen, was auf bevorstehende Restaurierungsarbeiten schliessen lasse.

Die Pflege der Gartenanlage vor der Klause aber lasse zu wünschen übrig. Zemp weist auf die Gräser und Ranken, welche sich offensichtlich verirrt haben. Sie stören die Geometrie des Gartens und ranken über die Kiesweglein. «Das finde ich schade», so sein Fazit.

Angebot zur Mithilfe beim Unterhalt

Ähnlich enttäuscht klingt es von der Brücke zur Martinskapelle her, wo die drei Spaziergängerinnen Johanna Frei, Maja Moser und Beatrice Torre Halt gemacht haben. In den Händen halten sie lange Unkrautranken – Neophyten –, die sich angeblich mühelos vom Bachrand entfernen liessen. «So ungepflegt war es hier noch nie», ist zu vernehmen. Selbst die Brennnesseln vor der Martinskapelle seien noch nie so hoch gewesen.

Sie werden es wissen. Sie sind aus Solothurn und gehören zu den Freiwilligen, die jedes Jahr nach Weihnachten, wenn Tausende Kerzen die Schlucht erhellen, die übrig gebliebenen Aluminiumhalter der Windlichter einsammeln. «Wer ist für den Unterhalt wohl zuständig?», fragt die eine. Das sei die Besitzerin, die Bürgergemeinde, weiss die andere. Ob diese wohl ein neues Unterhaltskonzept habe. «Wenn uns jemand anleiten würde, wären wir gern bereit, bei der Pflege mitzuhelfen.»

Ort der Besinnung und Andacht

Der Einsiedler Michael Daum lässt sich lange nicht blicken. Dafür aber ein Flusskrebs im Wasser, der sich farblich kaum vom Bachbett abhebt. Allein die Bewegungen der Scheren verraten ihn. Ein Jogger rennt vorbei, mit Musik in den Ohren. Ein älteres Paar schiebt einen Kinderwagen. Das Schild in ein paar Meter Distanz zum Einsiedlerhaus erinnert die Besucher daran, dass es sich um einen Ort der «Besinnung und Andacht» handelt. Und dass man Fahrräder schieben und Hunde an der Leine führen muss.

Dann, in raschem Schritt, kommt endlich Daum von der Kreuzen her, eine rote Grabkerze in der Hand. Er gebe nur auf Anmeldung und nach sorgfältiger Prüfung der Anfrage Auskunft, lässt er verlauten.

Nachgefragt bei Franz Aerni:

Der gelernte Koch Franz Aerni wirtet seit 41 Jahren im Restaurant Einsiedelei.

Der gelernte Koch Franz Aerni wirtet seit 41 Jahren im Restaurant Einsiedelei.

Oliver Menge

«Der Einsiedler und ich verstehen uns gut»

Welche Arbeit verrichten Sie hier?

Franz Aerni: Ich bin verantwortlich für das Restaurant. Von Anfang an war es meine Aufgabe, hier etwas daraus zu machen. Etwas, das zum Ort passt. Das ist mir gelungen.

Wie würden Sie diesen Ort beschreiben?

Die Einsiedelei ist ein besonderer Ort, eine Idylle. Viele kommen hierher, um Kraft zu tanken. Wie das funktioniert, weiss ich nicht. Das ist nicht unbedingt mein Gebiet. Der Einsiedler und ich, wir verstehen uns gut. Er ist mein Nachbar.

Haben Sie hier einmal etwas Besonderes erlebt?

Am 1. Mai vor vier Jahren konnten wir zuschauen, wie das Wasser des Verenabachs innert zehn Minuten das Restaurant überschwemmte. Es war just mein 37. Jahrestag in der Einsiedelei. Und dieses Jahr ist am 21. März, pünktlich zum Frühlingsanfang, die Brücke vor unserer Tür eingestürzt. Jetzt warten wir auf eine neue Brücke. Es hiess, im Mai sei sie wieder aufgebaut. (vs)