Treffpunkt Einsiedelei

Die Verenaschlucht ist längst nicht mehr nur ein Ort der Stille

Die Verenaschlucht und die Einsiedelei stehen hoch im Kurs der Ausflügler aus der nahen und weiten Region.

Wer den nördlichen Eingang zur Einsiedelei nimmt, wird von einer Baustelle empfangen. Eine Notbrücke führt über den Verenabach und ersetzt vorübergehend die am 21. März eingestürzte Brücke. Nichtsdestotrotz ist das Restaurant Einsiedelei an diesem kühlen Nachmittag gut besucht.

Die weisse Schürze verrät, wer hier das Sagen hat. Franz Aerni hantiert am Kohlegrill, koordiniert das Servicepersonal und nimmt sich dann Zeit für ein Gespräch. Vor 41 Jahren habe er das Restaurant übernommen, wobei damals nur die Terrasse da war. Alles andere – der Pavillon mit 100 Plätzen sowie die zwei Terrassen und das kleine Winterbeizli nebenan – sei peu à peu entstanden. «Mir war wichtig, hier etwas zu machen, das in diese Idylle passt», so Aerni. Er hatte gerade die Wirteprüfung gemacht, als er vor der Entscheidung stand, das Restaurant zu übernehmen. Dass es in seinem Besitz ist, sei «sein Riesenglück». Denn hier habe er viel selber gebaut. Und viel gekämpft, bis es zum heutigen Restaurant Einsiedelei geworden ist. Aerni erzählt von Erlebtem, Erträumtem und Erreichtem – und von seinem Architekturmodell aus Schokolade, um damit seine Idee des Restaurants zu visualisieren.

Eine Kerze anzünden für Freundin Verena

Nur wenige Schritte weiter in der Verenakapelle: Paula und Guido Eigenmann aus St. Gallen zünden Kerzen an. Acht Stück. Für jedes Familienmitglied eine. «Ich war vor zwei Jahren mit dem Turnverein hier, und es hat mir so gut gefallen, dass ich meinem Mann diesen Ort zeigen wollte», so Paula Eigenmann. Einen Bezug zur heiligen Verena habe sie nicht. Aber eine Freundin, die Verena heisse. Für sie wird auch gleich noch eine Kerze angezündet.

Vor der Ölberggrotte fotografiert Maria Sueli Acioli ihre Freundin Josenilda Santos, die aus Brasilien zu Besuch ist. Sie sind von Bern angereist, zusammen mit dem Kunsthistoriker und ETH-Architekten Ivo Zemp. «Ich bringe Freunde gern an diesen speziellen Ort», sagt Zemp. Allein der Symbolik wegen. Die ganze Anlage stehe für die katholische Kirche und unsere Kultur, und es sei schön, dass sie erhalten sei. Die mit Klebeband markierten Quadrate und frisch gespachtelten Stellen an Wänden und Decke der Verenakapelle fallen dem Expertenauge sofort auf. Offenbar würden hier gerade Farbproben genommen, was auf bevorstehende Restaurierungsarbeiten schliessen lasse.

Die Pflege der Gartenanlage vor der Klause aber lasse zu wünschen übrig. Zemp weist auf die Gräser und Ranken, welche sich offensichtlich verirrt haben. Sie stören die Geometrie des Gartens und ranken über die Kiesweglein. «Das finde ich schade», so sein Fazit.

Verenaschlucht

Verenaschlucht

Ein Ort der Stille und Besinnung für die einen, ein beliebtes Ausflugsziel für die anderen: Die Verenaschlucht in Solothurn.

Angebot zur Mithilfe beim Unterhalt

Ähnlich enttäuscht klingt es von der Brücke zur Martinskapelle her, wo die drei Spaziergängerinnen Johanna Frei, Maja Moser und Beatrice Torre Halt gemacht haben. In den Händen halten sie lange Unkrautranken – Neophyten –, die sich angeblich mühelos vom Bachrand entfernen liessen. «So ungepflegt war es hier noch nie», ist zu vernehmen. Selbst die Brennnesseln vor der Martinskapelle seien noch nie so hoch gewesen.

Sie werden es wissen. Sie sind aus Solothurn und gehören zu den Freiwilligen, die jedes Jahr nach Weihnachten, wenn Tausende Kerzen die Schlucht erhellen, die übrig gebliebenen Aluminiumhalter der Windlichter einsammeln. «Wer ist für den Unterhalt wohl zuständig?», fragt die eine. Das sei die Besitzerin, die Bürgergemeinde, weiss die andere. Ob diese wohl ein neues Unterhaltskonzept habe. «Wenn uns jemand anleiten würde, wären wir gern bereit, bei der Pflege mitzuhelfen.»

Ort der Besinnung und Andacht

Der Einsiedler Michael Daum lässt sich lange nicht blicken. Dafür aber ein Flusskrebs im Wasser, der sich farblich kaum vom Bachbett abhebt. Allein die Bewegungen der Scheren verraten ihn. Ein Jogger rennt vorbei, mit Musik in den Ohren. Ein älteres Paar schiebt einen Kinderwagen. Das Schild in ein paar Meter Distanz zum Einsiedlerhaus erinnert die Besucher daran, dass es sich um einen Ort der «Besinnung und Andacht» handelt. Und dass man Fahrräder schieben und Hunde an der Leine führen muss.

Dann, in raschem Schritt, kommt endlich Daum von der Kreuzen her, eine rote Grabkerze in der Hand. Er gebe nur auf Anmeldung und nach sorgfältiger Prüfung der Anfrage Auskunft, lässt er verlauten.

Nachgefragt bei Franz Aerni: 

Der gelernte Koch Franz Aerni wirtet seit 41 Jahren im Restaurant Einsiedelei.

Der gelernte Koch Franz Aerni wirtet seit 41 Jahren im Restaurant Einsiedelei.

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