Kriegstetten
Die Vereinsmusik auf Kreuzfahrt

Am Winterkonzert der Vereinsmusik Kriegstetten führte das musikalische Programm rund um die Welt.

Hans Blaser
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Christian Lüthi beim Sousaphon-Solo «Steamboat Stomp».

Christian Lüthi beim Sousaphon-Solo «Steamboat Stomp».

Hans Blaser

Die vergrösserte Bühne präsentierte sich als Schiff und die Eröffnung erfolgte durch eine dröhnende Schiffssirene. Schon kreuzte die Vereinsmusik navigiert von Hans Burkhalter auf die entgegengesetzte Seite der Erde. Mit dem neuseeländischen Wiegenlied «Hine e Hine», verfasst 1907 von der Neuseeländerin «The Princess Te Rangi Pai» (Fanny Rose Howie, 1868–1916) eröffnete sie ihr Konzert. Für die wunderschönen Flügelhornpassagen darin sorgte Martin Lüthi. Seit Jahren steht jedes Jahr ein Solo im Programm. Viele dieser Soli hat er beigetragen. Diesmal war es damit solistisch aber schon erledigt.

Ein Solo ohne Lüthi – das geht doch nicht. Neben Martin, genannt Tinu gibt es doch noch den Christian, genannt Chrigu Lüthi in der Vereinsmusik. Wie der Vater, so der Sohn – der kanns auch. Nur spielt der ein viel grösseres Instrument. Ob die Röhren seines Instruments schlangenförmig zusammengelegt oder rund um den Körper gewickelt sind, ist ihm als Tubist egal. Stilgerecht setzte er sich mit dem Sousaphon beim «Steamboat Stomp» von Marcel Saurer in Szene.

Eine dämonische Stimme

Die jazzige Seite der Vereinsmusik kam nochmals mit «Just a closer walk with thee» zur Geltung. Dieser Jazz-Traditional entwickelte sich über den Gospel aus den Kirchengesängen der Südstaaten. Etwa aus der selben Zeit (1869) stammt «Aegyptischer Marsch» des Walzerkönigs Johann Strauss Junior. Das Stück mit dem Bau des Suezkanals in Verbindung zu bringen, ist denkbar. Passen würde es jedenfalls auf ein Kreuzfahrtschiff. Damit liesse sich auch Argentinien erreichen. Dorthin dachte sich nämlich 1977 Andrew Lloyd Webber mit seinem Musical «Evita». Daraus spielte der Verein eine Instrumentalversion von «Don’t cry for me Argentina». Selbstverständlich durfte ein Blasmusik-Konzertstück nicht fehlen. Dazu wählte die Vereinsmusik «Pacific Dreams» von Jacob de Haan.

Am Ende des Konzertes fragte man sich: wer zum Teufel war diese geheimnisvolle, dämonische Stimme und woher kam sie überhaupt. Von ihr musste sich Moderator Manfred Müller scheinbar führen lassen. Gesprochen hatte sie die Flötistin Cornelia Arnold. Sie hatte aber auch den ganzen Ablauf kreiert. Für beides hätte sie einen extra Applaus verdient. Als erste Zugabe wählte die Vereinsmusik einen Titel, der es über den frühen Film in die Songbücher der Big Bands der 30er-Jahre schaffte. Inzwischen ist er in verschiedenen Versionen und Instrumentierungen in der Unterhaltungsmusik angelangt. Komponiert wurde dieses «Ciribiribin» aber bereits 1898 von Alberto Pestalozza auf einen italienischen Text von Carlo Tiochet.

Noch älter war die zweite Zugabe. Aber auch sie kennen heute alle. Den Komponisten beauftragt hat der Verleger der amerikanischen Zeitung «The Washington Post». Entsprechend heisst der 1889 komponierte Marsch noch heute so. Das reifere Kinopublikum kennt ihn durch die eingängige Musik zu der amerikanischen Filmwochenschau. Komponiert hat ihn kein Geringerer als der berühmte John Philip Sousa.